Schlägerei um Hochzeitstorte

Erding - Mit einem buchstäblich bittersüßen Fall hatte es das Erdinger Amtsgericht jetzt zu tun. Es ging um schwere Körperverletzung in Zusammenhang mit einer Hochzeitstorte.

Es waren die Kosten für das kalorienreiche Gebäck, dass die Wogen rund um den an sich schönsten Tag im Leben hochschlagen ließ. Der Bräutigam und sein Bruder waren nämlich der Auffassung, die Torte sei viel zu teuer gewesen. Deswegen schickten sie den Ausstatter der Feierlichkeiten mit Faustschlägen zu Boden. Vor Gericht endete der Streit mit der Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung eines Schmerzensgeldes.

Die türkische Hochzeit sollte ganz groß in einer Halle des Sportparks Schollbach gefeiert werden. Zuvor wandte sich der 38-jährige Bruder des 25-jährigen Bräutigams an einen Landsmann, beziehungsweise dessen Ehefrau, die professionell als Nebenverdienst Dekoration, Blumenschmuck und Torte liefern. Dabei handelte er schon vor der Feier den Pauschalpreis um 50 Euro auf 700 Euro herunter.

Bruder des Bräutigams weigerte sich, zu zahlen

Es sei dann am 5. Juni auch alles entsprechend gerichtet worden, so das spätere Opfer, und es habe sich um eine „ganz normale türkische Hochzeit gehandelt. Gewundert hat mich nur, dass so wenig Gäste da waren“. Immerhin waren es 300 bis 400, denen gegen 14 Uhr der Sinn nach einem Stück Hochzeitstorte stand. Die stand bereit, nach Ansicht der 42-jährigen Lieferantin ist das Anschneiden jedoch Sache des Brautpaares, die gerechte Verteilung „muss dann jemand, so ist es Brauch, aus der Sippschaft übernehmen“, so die Tortenbäckerin. Ein Konditor, so argumentierte sie, liefert seine Torte ja auch nur ab und serviert sie nicht.

Ein weiteres Problem gab es, weil sie den Hochzeitern erst am Tag der Eheschließung erklärt hatte, sie hätten selbst für Teller zu sorgen. Das klappte zwar gerade noch, der Stress bei allen Beteiligten führte jedoch dazu, dass sich am Ende des Tages der 38-Jährige weigerte, die vereinbarten 700 Euro zu zahlen.

Staatsanwalt geriet in Beweisnot

Die Dame drohte, in diesem Fall eine Rechnung zu stellen, wobei sich steuerliche Gegebenheiten nicht gerade preismindernd auswirken. In den immer lauter werdenden Streit mischte sich ihr Mann ein, der nach kurzem Geschubse von den Brüdern mit mindestens zwei Faustschlägen zu Boden geschickt wurde. Der 53-Jährige erlitt etliche Prellungen und eine blutende Kratzwunde, bevor ihn die Musiker vor Schlimmerem bewahrten. Auch seine Gemahlin wurde zum Opfer, weil sei beide Übeltäter wegziehen wollte und ihr einer den Arm wegdreht. Eine Kapselverletzung des linken Daumens war die Folge. „Kaputt war nichts“, erklärte sie als Zeugin, „aber er musste zehn Tage geschient werden“.

Weil die Angeklagten keine Angaben zur Sache machten, geriet der Staatsanwalt aufgrund differierender Details der Zeugenaussagen in Beweisnot, wer konkret zuschlug und welche Verletzungen dabei entstanden. Gelöst wurde das Problem durch ein Rechtsgespräch mit den Verteidigern und dem Anwalt des Nebenklägers.

Danach konnte Richter Andreas Wassermann die allseits gewünschte Einstellung des Verfahrens verkünden. Als Geldauflage zahlt jeder der Angeklagten 300 Euro Schmerzensgeld an das geschädigte Ehepaar, ferner müssen die Prozesskosten und die Kosten der Nebenklage übernommen werden.

gse

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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