Dem Tod nur knapp entkommen

Mann (59) fährt angetrunken Motorrad - und zahlt dafür bis heute

Ein Mann (59) verursachte unter Alkoholeinfluss mit seinem Motorrad einen Unfall. Er kann sich nicht mehr an den Vorfall erinnern. Die Folgen wird er sein Leben lang nicht vergessen.

Schliersee – Es war ein schwerer Unfall im August des vergangenen Jahres, der das Leben eines 59-jährigen Mannes aus Neuhaus komplett auf den Kopf stellte. Da er selbst schuld am Unglück hatte, musste er sich nun wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten.

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Damals überholte der Neuhauser mit seinem Motorrad drei Autos auf der Miesbacher Straße in Schliersee. Er übersah dabei, dass der vorderste Pkw nach links abbiegen wollte und rauschte in das Fahrzeug hinein. Sein Motorrad erlitt einen Totalschaden. Noch schlimmer erwischte es den Beschuldigten selbst. Sofort wurde er von Rettungskräften in die Unfallklinik Murnau gebracht. Dort schwebte er wochenlang in Lebensgefahr und musste sich mehreren Operationen unterziehen. Die Liste an Verletzungen, die Richter Walter Leitner beim Prozess vorgelesen hat, ist lang. Brüche, Quetschungen und Verbrennungen waren nur ein Teil dessen, was dem 59-Jährigen zugestoßen war.

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Eine weitere Folge des Unfalls sind auch heute noch Erinnerungslücken. „Ich weiß vom Unfall rein gar nichts mehr“, erklärte der Neuhauser vor Gericht. „Ich gehe aber davon aus, dass ich nach Hause fahren wollte.“ Rettungskräfte stellten fest, dass der Mann bei seiner beinahe tödlichen Unfallfahrt neben einem Schutzengel noch einen weiteren Begleiter bei sich – mehr in sich – hatte: Alkohol. Eine Blutprobe ergab 0,73 Promille.

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„Mir wurde gesagt, dass ich auf der Gindelalm war“, erklärte der Angeklagte. „Warum und dass ich dort überhaupt etwas getrunken habe, ist mir völlig unklar.“ Mehrfach betonte er ausdrücklich, wie leid ihm das Ganze tut.

Noch heute leidet der 59-Jährige schwer an den Folgen des Unfalls. Seinen rechten Arm sowie die rechte Hand könne er kaum bewegen. Auch seinen Laden, den er 27 Jahre lang erfolgreich führte, musste er zusperren und verkaufen. „Motorrad fahre ich seitdem auch nicht mehr“, fügte er hinzu.

Bei der Verhandlung erhob der Neuhauser lediglich Einspruch gegen die Länge der Sperrfrist seiner Fahrerlaubnis. 14 Monate sollten es laut Strafbefehl sein. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich milde und plädierte dafür, die Sperre auf zwölf Monate zu verkürzen.

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Für Verteidiger Dieter Kohlfürst war das immer noch zu lang. „Was ihm widerfahren ist, sind ohnehin schon genug schwere Schläge für meinen Mandanten“, sagte der Rechtsanwalt. Die Sperrfrist sollte erheblich reduziert werden, forderte Kohlfürst.

Zwei Monate ging der Richter nach unten: zehn Monate wird der 59-Jährige jetzt ohne Führerschein auskommen müssen. Die Geldstrafe für den Angeklagten ist im Strafbefehl festgesetzt: 60 Tagessätze à 40 Euro. Leitner begründete sein Urteil damit, „dass Sie durch ihre erste Tat eigentlich schon vorgewarnt hätten sein müssen“. 2015 fuhr der Neuhauser mit 0,82 Promille im Blut noch Auto. Der Unterschied zum Vorfall von 2017 war, dass er damals nicht in einen Unfall verwickelt war. Der Richter fügte hinzu, dass die zehn Monate allerdings ausreichen würden, „da Sie durch die Folgen Ihrer Trunkenheitsfahrt schon massive Strafen erhalten haben“.

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck

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