Feuerwehr muss in Schliersee anrücken

Sternsinger klingeln an Tür und hören Hilferufe - sie reagieren genau richtig

Die Sternsinger (v.l.) Florian, Isabell, Christian und Leonhard haben in Schliersee einer älteren Dame in höchster Not geholfen. Jetzt sind schon wieder im Einsatz.
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Die Sternsinger (v.l.) Florian, Isabell, Christian und Leonhard haben in Schliersee einer älteren Dame in höchster Not geholfen. Jetzt sind schon wieder im Einsatz.

Vier Sternsinger zwischen 11 und 14 Jahren wurden in der Pfarrgemeinde Schliersee zu kleinen Schutzengeln: Denn sie reagierten sofort, nachdem sie an einer Haustüre geklingelt hatten.

  • Vier junge Sternsinger waren in der Gemeinde Schliersee unterwegs
  • Als sie an einer Tür klingelten, hörten sie Hilferufe
  • Alarmierte Rettungskräfte öffneten die Haustüre

Update Freitag, 16.12 Uhr: Vier junge Sternsinger aus Schliersee im Alter zwischen elf und 14 Jahren sind am Donnerstag für eine ältere Dame zu rettenden Engeln geworden: 

Auf ihrem Streifzug wurden Florian, Christian, Leonhard und Isabell Zeugen eines Notfalls – und reagierten genau richtig. Wir konnten mit den jungen Helden sprechen, bevor sie am Freitagnachmittag zu ihrer nächsten Tour aufgebrochen sind. So schildern die Kinder den Fall.

Leonhard und Isabell hatten heuer ihre Sternsinger-Premiere. Die Brüder Florian und Christian sind derweil schon seit einigen Jahren unterwegs – aber so etwas haben sie auch noch nie erlebt. 

Es ist Donnerstagnachmittag, die vier sind gerade am Ende ihrer Tagestour in Schliersee unterwegs, in der Frühlingstraße. „Die wollten wir eigentlich gar nicht mehr machen, aber wir sind sie doch noch gegangen“, erzählen die jungen Sternsinger. Dass sie doch noch gingen – „das hat Gott gelenkt“, sagen die Kinder selbst. 

Sternsinger hören Hilferufe aus der Sprechanlage

Denn durch den Schlenker sollten die vier Sternsinger zu rettenden Engeln für eine alte Dame werden. Florian, Christian, Leonhard und Isabell sind schon ganz hinten in der Straße, am vorletzten Haus, an dem sie noch den Segen bringen und eine Spende sammeln wollen, ehe es für diesen Tag wieder heimgehen soll. 

Als sie klingeln, öffnet niemand – stattdessen kommen als Antwort aus der Sprechanlage Hilferufe einer alten Dame: „Sie hat immer nur ,Hilfe, Hilfe‘ gerufen“, schildern die vier Sternsinger. Was los ist, wissen die Kinder nicht – ein mulmiges Gefühl. 

Sternsinger und Nachbar helfen Frau in höchster Not 

Zum Glück ist ein Nachbar gerade draußen. Die Kinder laufen zu ihm und bitten ihn um Hilfe: Er spricht durch die Tür mit der Frau, sie erklärt ihm, dass sie gestürzt ist. „Sie konnte nicht mehr alleine aufstehen“, berichten die Sternsinger. Eine Situation, der der Hausnotruf des BRK im Landkreis vorbeugen soll, der diesmal bei der Aktion „Leser helfen Lesern“ zu den Begünstigten gehört.

Der Nachbar setzt einen Notruf ab. Die Feuerwehr kommt, um die Tür zu öffnen, die Polizei trifft ein, der Rettungsdienst bringt die Frau schließlich ins Krankenhaus. Bis die Retter eintreffen, dauert es für die Kinder eine gefühlte Ewigkeit. „Wir waren schon nervös“, gestehen die vier. 

Der Feuerwehr Schliersee gelingt es, in das Haus zu gelangen, ohne größeren Schaden anrichten zu müssen, berichtet die Polizei. Der Rettungswagen bringt die Frau zur medizinischen Überprüfung ins Krankenhaus. 

Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz

Daheim erzählen die Kinder ihren Eltern natürlich gleich von dem aufregenden Einsatz. Die haben es erst gar nicht glauben können. Als die Eltern vom Feuerwehr- und Rettungseinsatz im Ort erfahren, dämmert ihnen, dass die Geschichte, so abenteuerlich sie klingen mag, tatsächlich stimmt. Und, waren die Eltern stolz? Klar, dann schon: Gut gemacht, haben sie den Kindern gesagt. Ein Lob, das die vier natürlich freut. 

Dass eine Sternsinger-Gruppe schon mal eine ähnliche Situation erlebt hätte, daran kann sich Pfarrer Hans Sinseder nicht erinnern. Er wurde 1996 zum Priester geweiht, seit 2015 ist er Pfarrer in Schliersee. „Dass mal ein Kohlestück rausfällt und ein Loch in einen Teppich brennt – solche Dinge passieren schon mal“, sagt der Pfarrer, „aber so etwas wüsste ich noch nicht.“ Die vier Sternsinger waren zur rechten Zeit am rechten Ort und haben genau richtig gehandelt. „Das war Gottes Fügung“, glaubt Pfarrer Sinseder. 

Noch am Donnerstag, gleich nach dem Erlebnis, sind Florian, Christian, Leonhard und Isabell noch ganz pflichtbewusst zu einem letzten Haus gegangen, um ihre Tour abzuschließen. Und auch am Freitagnachmittag sind die vier gleich wieder aufgebrochen, weiter ging die Tour ab dem Karl-Heider-Weg, der parallel zur Frühlingstraße liegt. 

Wie es der alten Dame jetzt geht? Das wissen die Kinder noch nicht, niemand hat es ihnen bislang sagen können. „Wir wünschen ihr gute Besserung“, sagen die vier. Die Polizei weiß das leider auch nicht, weil sie bei reinen medizinischen Notfällen nicht weiter informiert wird. Und selbst wenn, dürfte sie keine Auskunft dazu geben, erklärt die Polizeiinspektion Miesbach auf Nachfrage unserer Zeitung: „Aber vielleicht meldet sich die Dame ja selbst noch.“

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Ursprünglicher Bericht vom 2. Januar, 19.47 Uhr: 

Schliersee - Auf ihrer Rundtour am Donnerstag hatten die drei Buben (11, 11 und 12 Jahre) und ein Mädel (14 Jahre) an einem Haus in der Frühlingstraße geklingelt und auf Spenden gehofft. Doch die Türe blieb zu, stattdessen hörten die Sternsinger Hilfeschreie durch die Sprechanlage. 

Die Kinder überlegten nicht lange und liefen sofort zu einem Nachbarn. Dieser alarmierte die Rettungskäfte. Der Feuerwehr Schliersee gelang es, ohne größeren Schaden anzurichten, die Haustüre zu öffnen. 

Danach war klar, woher die Hilferufe gekommen waren: Die Bewohnerin des Hauses war gestürzt und brauchte dringend Hilfe. Sie wurde mit dem Rettungswagen zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.

Lesen Sie auch: Mit silbernen Umhängen und Turban auf dem Kopf gaben sich eine Gruppe als Sternsinger aus. Und auch beim Adventsgedicht gab es einige Ungereimtheiten.

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mb / Katrin Hager

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