Gefahrenstelle

Der alltägliche Wahnsinn: Hier passieren regelmäßig Unfälle - Polizist wäre fast auch Opfer geworden

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Zwei Unfälle an nur einem Abend. Die Staatsstraße Mittenwald-Klais bleibt die Gefahrenstelle schlechthin. Jetzt wurden 50 Wildwarnreflektoren und zwei Hinweisschilder installiert.

Mittenwald/Klais – Wie oft Polizist Dieter Schermak während seiner Mittenwalder Dienstzeit zum „Gstoag“ ausrücken musste, lässt sich wohl nicht mehr beziffern. Die Staatsstraße 2542 zwischen Mittenwald und Klais hat schon fast etwas Mysteriöses an sich. 2010 ereigneten sich beispielsweise zehn Unfälle in neun Monaten an ein und derselben Stelle. „Die häufigste Unfallursache ist überhöhte Geschwindigkeit“, sagt der Polizeibeamte. Wenn plötzlich ein Wild auf die Straße springt, haben Autofahrer meist keine Chance mehr. Dann kann man nur hoffen, dass es lediglich bei Blechschaden bleibt. Doch welches Gefahrenpotenzial die kurvige alte Bundesstraße besitzt, zeigte sich innerhalb weniger Stunden in der Nacht auf Freitag.

Zwei Unfälle an einem Abend

Um 20.50 Uhr geriet ein 21-jähriger Mittenwalder aus Klais kommend zwischen der Schmalenseehöhe und dem Fischerweg ins Schleudern. Die Fahrbahn war nass. Und der junge Mann fuhr „eine nicht angepasste Geschwindigkeit“, sagt der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Mittenwald, Thomas Rappensberger. Das Fahrzeug drehte sich und donnerte mit der rechten Seite in die Leitplanke der Gegenfahrbahn. Den Pkw konnte der Mittenwalder noch bis zur Einfahrt der Bäckeralm rollen, um zumindest den Verkehr nicht zu behindern. Entstanden ist ein Schaden von 5000 Euro. Der Mann blieb unverletzt. Um 1.40 Uhr ereignete sich dann der nächste Unfall an gleicher Stelle: Ein 23-Jähriger überfuhr ein Wild. Zwei Rehe waren plötzlich auf die Fahrbahn gesprungen. Der Krüner schaffte es nicht mehr, rechtzeitig zu bremsen. „Der Fahrer kann nicht sagen, ob die Tiere verletzt wurden“, heißt es im Polizeibericht. Sie liefen in Richtung Wald davon. Am Pkw entstand ein leichter Sachschaden. Ein Jäger macht sich nun ein Bild von der Verfassung der Rehe.

Neue Wildwarnreflektoren sorgen für mehr Sicherheit 

Entsetzt: Polizist Dieter Schermak appelliert an die Vernunft. 

Polizist Schermak ärgert sich über die Raser in dem Bereich. Er sei einmal fast selbst Opfer geworden. „Die fahren nicht mal langsamer, selbst als ich mit einer Warnweste am Straßenrand stand und den Wildschutz angebracht habe.“ Die neuen Wildwarnreflektoren wurden installiert, um Rehe und Hirsche weiträumig von der Straße fernzuhalten. 50 Stück für je zehn Euro sollen für mehr Sicherheit sorgen. Die Kosten teilen sich Jagdverband und Gemeinde. Zusätzlich werden zwei Warnschilder aufgestellt, auf denen nochmal plakativ auf den regen Wildwechsel hingewiesen wird. Dennoch bringt der beste Schutz nichts, wenn die Vernunft der Autofahrer ausbleibt. „Sie müssen einfach langsamer fahren“, sagt Schermak. Wenn er aber so manchen Verkehrsteilnehmer beobachtet, treibt es ihm die Zornesröte ins Gesicht. „Einmal fuhr ein BMW so schnell vorbei, er dürfte sicherlich um die 150 Sachen drauf gehabt haben.“ Zwei Reflektoren seien bereits umgefahren worden. Dass es zu vielen Unfällen am „Gstoag“ kommt, ist also wenig überraschend.

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