„Schnappi“ geht auf Dackel los

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Mit Schnappschildkröten ist nicht zu spaßen.

Bockhorn - Schildkröten sind normalerweise sehr ruhige Lebewesen, doch die Schnappschildkröten haben es in sich. Das mussten der Bockhorner Dieter Roth und sein Dackel feststellen.

Vor zwei Wochen mähte der Sohn eines Spezls den Rasen bei Roths Fischweiher. Aufgeregt rief er den Bockhorner an: „Da ist irgendein Viech im Gras, komm mal vorbei.“ Roth machte sich mit seinem kleinen Hund auf zum Weiher und entdeckte das Reptil sofort. Auch der Strolchi war interessiert an dem Exoten. „Er wollte nur mal schnuppern, aber dann hat die Kröte schon ihren Hals ausgefahren und wild um sich geschnappt“, schildert er die Situation. Verletzt wurde der Dackel nicht, dennoch fing Roth die 40 Zentimeter große und elf Kilo schwere Schildkröte mit einem Kescher ein und bugsierte sie in eine Kiste. Anschließend alarmierte er die Feuerwehr, sogar die Polizei kam zum Weiher.

„So eine Aktion hatten wir noch nie“, sagt Andreas Huber, Erster Kommandant der Bockhorner Feuerwehr, lachend. Zusammen mit drei Kollegen fuhr er Schnappi dann, in einer Kiste gefangen, nach München in die Auffangstation für Reptilien.

„Es ist nicht so, dass Schnappschildkröten aggressiv sind. Sie verteidigen sich, wenn sie sich bedroht fühlen und können dabei massive Bissverletzungen und Kratzwunden verursachen“, erklärt Thomas Türbl von der Auffangstation. Bis zu 40 Jahre können die Schnappschildkröten alt werden, die verwandten Geierschildkröten sogar über 150 Jahre. Ursprünglich kommen sie aus Nordamerika. In Deutschland ist ihre Haltung aber verboten, weil sie hier in schlammigen Seen und Weihern gute Lebensbedingungen vorfinden, die Winter problemlos überdauern und sich wahrscheinlich sogar fortpflanzen können. „Faunenverfälschung“ nennt der Zoologe das. Das Haltungsverbot macht es der Auffangstation daher nicht möglich, sie an einen interessierten Besitzer weiterzugeben. Es bleibt nur die Vermittlung ins Ausland. „Das ist aber auch nicht so leicht, denn andere Länder reißen sich nicht gerade um die Tiere. Es kommt schon mal vor, dass diese Schildkröten dann fünf bis zehn Jahre ihres Lebens hier bei uns verbringen“, erzählt Türbl. Wie Schnappi den Weg nach Bockhorn fand, kann auch er sich nicht erklären. „Vielleicht lebt sie schon sehr lange dort und wurde bisher einfach nicht gesehen oder jemand hat sie erst vor Kurzem ausgesetzt. Sie kann aber auch einem Halter entlaufen sein“, mutmaßt er. Roth kann das bestätigen: „Einer der Feuerwehrmänner hat erzählt, dass die Schildkröte schon einmal an einem anderen Weiher war.“ akl

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