Hund vergiftet, Jugendlicher bedroht

Terrier Timmy verendet qualvoll

Krailling - Ein vergifteter Hund, ein Jugendlicher, dem eine Gaspistole ins Gesicht gehalten wird: In einer Kraillinger Wohngegend regieren derzeit Verdächtigungen, Gewalt und Angst.

Seine Stimme zittert, der Schock sitzt noch immer tief. Doch auch Zornesfalten ziehen sich über seine Stirn: „Es war dieser Kerl, davon bin ich felsenfest überzeugt“, schimpft der Kraillinger. Nun fürchtet er Schlimmeres. „Keiner weiß, wozu er noch in der Lage ist. Meine Frau traut sich nicht mehr in den Garten. Der Mann ist gemeingefährlich.“

Helmut Raith sowie Sohn Tobias (15) und Ehefrau Andrea Fleer-Raith sind verzweifelt: Vergangenen Mittwoch mussten sie mit ansehen, wie ihr Hund, ein dreijähriger Jack-Russell-Rüde, qualvoll verendete. Er wand sich vor Schmerzen und wurde Stunden später in der Tierklinik Germering eingeschläfert. Die Obduktion ergab: Das Tier starb an einer Überdosis des Ungeziefervernichtungsmittels Schneckenkorn. Während die Raiths gemütlich mit Freunden im Wohnzimmer saßen, fraß der Hund auf dem Rasen einen Köder, dem diese Substanz beigegeben worden war.

Timmy kam öfters vom Garten herein gesprungen. „Er wedelte mit dem Schwanz und war lustig wie immer“, erinnert sich Helmuth Raith. Doch plötzlich legte er sich auf den Boden, winselte und rührte sich kaum mehr. Irgendjemand hat das Tier mit Absicht vergiftet, ist sich der Bauingenieur sicher. Noch am gleichen Tag erstattete er auf der Polizeiinspektion Planegg Anzeige gegen unbekannt - zum zweiten Mal seit vergangenem Herbst.

Für Helmut Raith und seine Familie ist klar, wer dieser „Unbekannte“ ist; sie verdächtigen einen älteren Herrn aus der Nachbarschaft. Schon seit ihrem Einzug im Jahr 1993 herrscht Funkstille zwischen den Parteien. Gegrüßt soll der Mann noch nie haben: „Vom ersten Tag an war er unfreundlich - und lärmempfindlich“, sagt Raith. „Es brauchte nur jemand Tischtennis zu spielen, und schon hat er sich aufgeregt.“

Im Oktober 2011 landete dann eine unverholene Drohung im Briefkasten der Familie: Ein mit „die Nachbarschaft“ unterzeichnetes anonymes Schreiben wandte sich gegen das „ständige Bellen“ des Hundes. Sollte dies nicht aufhören, „könnte es passieren, dass ein mit Gift präpariertes Fleischstück oder eine Innerei über den Gartenzaun fliegt“, stand dort schwarz auf weiß.

Doch dies ist nur der erste Teil des Dramas, das sich vergangene Woche in dem Areal an der Bergstraße / Ecke Bürgermeister-Huber-Straße abspielte. Der zweite sollte nicht lange auf sich warten: Auf einer Party am Freitagabend kam ein Freund von Tobias Raith auf die Idee, den Verdächtigten zur Rede stellen. Er klingelte und fragte ihn kurzerhand, ob er mit dem Tod des Hundes etwas zu tun habe. Daraufhin, so die Aussage des 15-Jährigen, soll der Mann ins Haus gegangen und kurze Zeit später mit einer Gaspistole in der Hand zurückgekehrt sein. Die Waffe soll er dem Jugendlichen direkt ins Gesicht gehalten haben. Sofort alarmierten die jungen Leute die Polizei. Es kam zu einem Großeinsatz; der Mann musste sich vor der Haustür hinknien und wurde in Handschellen abgeführt. Er kam jedoch noch am gleichen Abend wieder frei.

Der Leiter der Polizeiinspektion in Planegg, Siegfried Janscha, bestätigte auf Anfrage, dass in beiden Fällen ermittelt werde. Zum Stand der Dinge wolle er sich aber nicht äußern. Sollte sich der Verdacht erhärten, warten auf den Mann zwei Strafverfahren: Nach dem Tierschutzgesetz ist das Töten von Hunden und Katzen eine Sraftat und kann eine Gefängnisstrafe nach sich ziehen.

Der betroffene Bürger ist übrigens auch schon einem Gemeinderatsmitglied aus Krailling unangenehm aufgefallen: Am heutigen Dienstag will Michael Feneberg (Grüne) den Anwohnern ein Flugblatt zukommen lassen, in dem vor dem Mann gewarnt wird. Er solle „durch zielführende Hinweise dingfest“ gemacht werden. Die Raiths selbst haben eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für die Ergreifung des Täters ausgesetzt.

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