Schnellverbindung für Zweiräder

Jetzt kommt die Radl-Autobahn!

Zwischen Garching, Unterschleißheim und der Stadt München soll erstmals in Bayern eine Schnellverbindung für Zweiräder gebaut werden. Die Planungen laufen auf Hochtouren.

München – Nach München radeln, statt das Auto zu benutzen – diese Vision verfolgen der Landkreis München und der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum (PV) schon seit drei Jahren. Nun ist aus der Vision ein konkreter Plan geworden: Westlich der Allianz-Arena, nahe dem Naturschutzgebiet Südliche Fröttmaninger Heide, soll der Radlschnellweg nach der nun fast abgeschlossenen Machbarkeitsstudie nach Norden führen.

Exakt 7,02 Kilometer sind es von dort aus bis an den südlichen Ortsrand von Unterschleißheim. Bei einem Durchschnitts-Tempo von 20 km/h ist die Strecke in 22 Minuten zu bewältigen, sagt Stadtplanerin Birgit Kastrup vom PV, die den Plan heute auf der Informationsversammlung in Unterschleißheim vorstellen wird.

Der Radweg soll zunächst entlang der Ingolstädter Landstraße führen. Dort, wo sich die heutige B 13 mit der B 471 kreuzt, verzweigt sich der Radl-Schnellweg: links geht’s dann nach Unterschleißheim, rechts nach Garching, zunächst durch das Gewerbegebiet Hochbrück, danach über die A 9 bis zum Forschungszentrum. Von Garching aus ist der Weg etwas länger: 32 Minuten. Der Planungsverband prognostiziert, dass mehr als 8000 Radfahrer täglich den Weg nutzen würden, 4800 von und nach Garching, 3600 von und nach Unterschleißheim.

Radschnellwege, in der Schweiz als „Velobahnen“ bekannt, sind ein neues Konzept der Verkehrsplaner, um den Fahrradverkehr als Alternative zum Auto zu fördern. In Niedersachsen und zwischen Mülheim und Essen wurden erste Teilstücke schon eröffnet, der Rhein-Ruhr-Schnellweg soll irgendwann einmal 100 Kilometer lang sein. Nicht der Freizeitradler, sondern „der Alltagsverkehr ist der primäre Nutzungszweck“, sagt Stadtplanerin Kastrup. In der Straßenverkehrsordnung ist der Begriff noch nicht verankert, wohl aber sind gewisse Ausbaustandards in einem Papier der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen formuliert. Daran orientiert sich auch das Projekt im Landkreis München. Der Radschnellweg soll zwei Spuren haben und durchgängig vier statt der üblichen 2,50 Meter breit sein, damit zwei Radler je Richtung nebeneinander fahren und auch noch überholt werden können – so ist es Vorschrift. Kurvenradien sind so auszulegen, dass ein Radler noch Tempo 30 beibehalten kann. „Das müssen wir entsprechend großzügig planen“, sagt Kastrup. „Ein rechter Winkel tut’s also nicht.“ Vor allem an der Kreuzung B 13/B 471 ist dafür noch eine detaillierte Planung nötig.

Der gesamte Radschnellweg soll inklusive Grunderwerb 33,9 Millionen Euro kosten – das seien „vergleichsweise sehr hohe Kosten“, heißt es im Kleingedruckten. „In unserem hoch verdichteten Raum ist es eine große Herausforderung, geeignete Korridore zu finden“, erklärte der Landrat im Landkreis München, Christoph Göbel (CSU). So ist es: Der meiste Grund, etwa neben der B 13, gehört zwar dem Bund. Doch durch das Gewerbegebiet Hochbrück ist die Verkehrsführung noch unklar. Denkbar wäre, eine Parallelstraße zur B 471 als „Fahrradstraße“ zu deklarieren. Weiter nördlich führt der Schnellweg durch Ackerland – Verhandlungen mit den Landwirten gab es aber noch nicht. Wissen die schon, dass durch ihr Feld ein Radweg führen könnte? „Äh, nein“, bekennt Birgit Kastrup. Auch aus diesem Grund ist sie bei der Frage nach einem Zeitplan vorsichtig. Vielleicht 2019 könnte der Radweg eröffnet werden. Bis dahin sollen auch weitere Radschnellwege in Vorstudien geprüft werden. Vom Landkreis Fürstenfeldbruck nach München wäre das Radfahrpotenzial sehr hoch, ergab eine Korridorstudie. Allerdings hat der dortige Kreistag die Beteiligung an einer 70 000 Euro teuren Vertiefungsstudie soeben abgelehnt – „leider“, sagt man beim Planungsverband.

Noch unklar ist, ob nicht nur Pedelecs, also Elektrofahrräder, sondern auch rein elektro-getriebene E-Bikes den Radschnellweg nutzen dürfen. Eine Diskussion im Lenkungskreis, in dem neben verschiedenen Fachbehörden auch ein Vertreter des Fahrradclubs ADFC sitzt, ergab ein mehrheitliches Nein. Die Abgrenzung zum Mofa sei sonst zu schwierig. „Aber die genaue Regelung wird sich in der Praxis zeigen.“

Die Bürgerinformation

findet am Montag, 13. März, im Unterschleißheimer Bürgerhaus, sowie am 27. März im Garchinger Gasthof Neuwirt statt. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

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