Pachtvertrag endet

„So etwas gibt es im Umland nirgends“: Kultkneipe schließt - nach fast 38 Jahren

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Die Schongauerin bewirtet auch nach knapp 38 Jahren noch so gerne, dass ihr das Aufhören schwer fällt.

Die Schongauer Kultkneipe Eule schließt. Zum 1. April endet der Pachtvertrag von Inge Pfettrisch. Letzter Öffnungstag ist der 26. März, an dem es noch einmal einen der legendären Dienstagsquiz-Abende gibt.

SchongauEigentlich ist die Eule aus Schongau gar nicht wegzudenken. Im Juli 1981 eröffnet, hat die kleine Kneipe schon vielen als Ersatzwohnzimmer gedient. Während Inge Pfettrisch die alten Fotoalben durchblättert, erzählt sie von ausschweifenden Festen zu Silvester, an Fasching oder im Sommer. Und natürlich das Dienstagsquiz. Den ersten Quizabend von Werner Friebel gab es 1990, noch im selben Jahr übernahm Josef Walter diese Aufgabe und ist bis heute dabei. Und (fast) kein Quiz ohne Musik. Ebenfalls ab 1990 legte „Waldi“ Walter Nitsche Musik an den Quizabenden auf und ist dabei geblieben – bis zu seinem Tod 2001. Seither wird Walter von Andy Dahms musikalisch begleitet, auch Andreas Dupont-Christ hilft regelmäßig aus, aber der ehemalige DJ ist unvergessen: „Die Allstars spielen nun ein letztes Waldi-Konzert“, so die Wirtin, die Wehmut darüber kann sie kaum verbergen. Vor allem, dass es in Schongau keine zweite Bühne wie den Eulenspiegel gibt, wo Bands, auch ganz junge und unbekannte, auftreten können, macht Inge Pfettrisch traurig. „So etwas gibt es im Umkreis nirgends – alle bedauern das.“

Schongauer Kultkneipe Eule schließt: Am 26. März ist der letzte Abend

Dass die Tage der Musikkneipe gezählt sind, war leider mit dem Verkauf des ehemaligen Café Haaf abzusehen. Der neue Besitzer, Frank Alesch aus Hohenfurch, baut und werkelt seit geraumer Zeit und übernimmt die Räumlichkeiten nun selbst – allerdings in einem völlig anderen Stil. Knapp zwei Monate bleiben Inge und ihren Gästen noch, am 26. März ist der letzte Abend.

„Der Gedanke, die Eule aufgeben zu müssen, lastet schon seit Jahren auf mir“, so Inge Pfettrisch. Wie sie erzählt, ist ihr die Kneipe auch zum Kauf angeboten worden. „Vielleicht hätte ich es gemacht, wenn eine der Angestellten es mit übernommen hätte – aber ich habe mich dann dagegen entschieden.“ Und die 63-Jährige blickt auf eine lange Zeit zurück: „Ich mache die Eule jetzt seit 37 Jahren, ich bin vermutlich weit und breit die einzige, die in Pacht etwas so lange bewirtschaftet hat.“

Kneipe Eule in Schongau: Mit 25 Jahren zum ersten Mal hinterm Tresen

Inge Pfettrisch eröffnete mit 25 Jahren den Eulenspiegel in der Blumenstraße. Hinter der Theke stand sie oft

Mit 25 Jahren stand die gelernte Sozialpädagogin das erste Mal hinterm Tresen. Dass das genau ihr Ding ist, entdeckte sie aber schon viel früher: gerne erinnert sie sich an den Freizeitclub in Schwabsoien zurück, schräg gegenüber des Feuerwehrhauses gelegen. „Da habe ich öfter mal ausgeschenkt. Ohne das Haisl hätt’s die Eule nicht geben“, erinnert sich Pfettrisch.

Als Anfang der 80er Jahre Michael Haaf verstarb, der Besitzer des Café Haaf („Da war ich als Kind schon Bluna trinken“), fragte sie irgendwann dessen Sohn, auch ein Michael. Die Räumlichkeiten wurden hergerichtet, 1981 konnte die Schongauerin starten. Bis heute hat sie durchgearbeitet – manchmal 250 Stunden im Monat. Einzige längere Pause, an die sie sich erinnern kann, war der Brand in der Eule Ende 2002, ein technischer Defekt im Bereich der Musikanlage. Danach musste erst einmal renoviert werden.

Inhaberin der Eule: „Meine Sandwiches werden von allen gelobt“

Was war Inge Pfettrisch am wichtigsten an der Eule über die ganzen Jahre? Auf diese Frage antwortet die beliebte Wirtin, ohne zu zögern: „Dass ich vielen Leuten einen Raum geboten habe, wo sie sich wohlfühlen, und zwar nicht nur einem bestimmten Klientel oder einer bestimmten Altersgruppe – meine Gäste sind zwischen 15 und 70 und stören sich auch nicht gegenseitig.“ Viele der Gäste seien auch mit ihr älter geworden, aber es kamen immer neue junge Gäste hinzu. „Und meine Sandwiches werden von allen gelobt“, weiß die Schongauerin. Dass die Kneipe so gut lief, habe sie aber immer auch ihren helfenden Händen zu verdanken, allen voran Gertrud Traxel, Barbara Jones und Aline Krause. „Wenn die drei in der Kneipe sind, bin ich tiefenentspannt.“ Das Team – inklusive dem Stamm an Aushilfskräften – unterstützen die Schongauerin jetzt bis zum Schluss – „Sie haben gesagt, wir ziehen das gemeinsam durch – das hat mich sehr gefreut.“

Von Thekenbekanntschaft zu Freundschaft: Schongauer Eule schließt nach fast 38 Jahren

Legendär: Der Quizabend mit Josef Walter (Foto etwa Mitte der 90er Jahre)

„Wichtig war mir auch, eventmäßig immer etwas zu bieten.“ Und den Gästen eine gute Zeit zu bereiten. Die Atmosphäre ist sehr vertraut. Aus mancher Thekenbekanntschaft sind Freundschaften geworden. Die nun, wie sie hofft, auch über die Eule hinaus halten. In jedem Fall soll eine Whatsapp-Gruppe gegründet werden, sodass man sich auch mal verabreden kann. „Ich bin unglaublich zufrieden mit meinen Gästen.“

Dem Ende der Eule geht die Schongauerin trotzdem mit gemischten Gefühlen entgegen. „Von 100 auf Null, ich weiß nicht, was das mit mir macht.“ Konkrete Pläne hat sie zwar nicht, „aber es könnte sein, dass mir das noch zu fad ist“.

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