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Emotionaler Abschied: Café „Zum Huterer“ in der Schongauer Altstadt schließt - „Bedanken uns bei allen“

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Von: Elena Siegl

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Viele ihrer Stammgäste haben Olivera (links) und Dejan Bondokic (rechts) vom Café „Zum Huterer“ lieb gewonnen. Neuer Pächter wird gesucht.
Viele ihrer Stammgäste haben Olivera (links) und Dejan Bondokic (rechts) vom Café „Zum Huterer“ lieb gewonnen. Neuer Pächter wird gesucht © ELENA SIEGL

Olivera und Dejan Bondokic öffnen ihr Café „Zum Huterer“ in der Schongauer Altstadt am 21. Januar zum letzten Mal. Der Abschied fällt den beiden Gastronomen schwer.

Schongau – Der Gedanke an den Abschied von ihrem Café, der schon in wenigen Tagen ansteht, geht Dejan und Olivera Bondokic, die mit den Tränen kämpft, sichtlich nahe. Zum Monatsende laufe der Vertrag aus, sagt Dejan Bondokic. Schon am Samstag, 21. Januar, werden sie den „Huterer“ in der Schongauer Altstadt zum letzten Mal öffnen, um danach alles ausräumen und die Einrichtung verkaufen zu können.

Vor rund zehn Jahren, im Oktober 2013, hatten Olivera und Dejan Bondokic das Café übernommen. Anfangs war es nur als Hobby für ein paar Jahre gedacht, sagt der Schongauer. „Aber es ist zu einer großen Nummer geworden“, so Bondokic. „Wir hoffen, dass wir positive Spuren in der Schongauer Gastronomielandschaft hinterlassen konnten.“

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Künftig auf eine Gastronomie konzentrieren

Den richtigen Schlusspunkt zu finden, sei schwer. Sie wollten diesen nun lieber aktiv selbst setzen, statt später vielleicht einmal dazu gezwungen zu sein. Personalprobleme seien überall spürbar, vor allem aber in der Gastronomie, sagt Bondokic. Beide seien nun um die 50 Jahre, wollen es lieber etwas ruhiger angehen lassen, statt immer noch mehr zu arbeiten. Auch deshalb hätten sie sich dazu entschieden, sich auf eine Gastronomie zu konzentrieren, nämlich den Lechwirt, den sie 2016 übernommen und nach der Sanierung 2017 eröffnet hatten.

Die Öffnungszeiten wollen sie dort künftig erweitern und bereits vormittags aufschließen – für Übernachtungsgäste bieten sie bereits jetzt Frühstück an. Das Flair aus dem „Huterer“ – der Name erinnert an das ehemalige Hutgeschäft, das dort einmal war – in die anderen Räumlichkeiten mitzunehmen, sei nicht einfach, aber man wolle es probieren. Olivera und Dejan Bondokic hoffen, dass viele Stammgäste ihnen weiterhin die Treue halten und im Lechwirt vorbeischauen. Gerade für den Sommer macht sich Bondokic keine Sorgen. Die Laufkundschaft, die man in der Altstadt habe, fehle in der Lechvorstadt aber natürlich.

„Zum Huterer“ in Schongau schließt: Schwere Zeiten in der Gastronomie und gute Erinnerungen

Auch der Betrieb des „Huterers“ sei immer ein Auf und Ab gewesen. Der Anfang –Jung und Alt gleichermaßen anzusprechen, damit sich jeder wohlfühlt – und vor allem die Corona-Jahre seien schwierig gewesen. Gewohnheiten vieler Menschen hätten sich dadurch geändert, Stammtische sich aufgelöst.

Besonders in Erinnerung werden den Bondokics aber die vielen positiven Erfahrungen bleiben. Den Huterer haben sie „mit Herz und Seele betrieben“, sagt Olivera Bondokic. Zahlreiche Stammgäste, manche von ihnen kamen täglich, sind den beiden Gastronomen ans Herz gewachsen. „Wir bedanken uns bei allen, die uns so toll unterstütz haben – Freunden, Gästen, und Mitarbeitern“, sagt sie. Viele junge Menschen arbeiteten über die Jahre im „Huterer“ mit. Zum Beispiel für ein Jahr nach dem Schulabschluss. „Wir haben voneinander gelernt“, sagt die Schongauerin und lächelt. „Sie haben Arbeitsmoral, Fleiß und Verantwortung mitgenommen. Ihre Lebensfreude und Elan sind dafür auf mich übergesprungen.“ Bondokic freut sich, dass viele von ihnen später auch als Gäste gerne zurückkamen.

„Zum Huterer“ in der Schongauer Altstadt: Neuer Pächter wird gesucht

Wie es mit den Räumlichkeiten weitergeht, wissen die beiden nicht. Man habe zwar Nachfolger gesucht, aber es habe leider nicht gepasst. Das bestätigt die Verpächterin Rosemarie Wörnle-Giehl. Knackpunkt war für sie, dass der potenzielle Nachmieter Pizza anbieten wollte – die Lüftungsanlage sei darauf aber nicht ausgelegt. Wörnle-Giehl befürchtete, dass die Gerüche zur Nachbarin ziehen würden. Sie wünscht sich, dass in den Räumen ein gemütlich eingerichtetes und liebevoll geführtes Café Platz findet – „ein Wohnzimmer für alle“. Auch Kleinigkeiten zum Essen sollen gerne angeboten werden. Im „Huterer“ sei zu Anfangszeiten ein Mittagstisch angeboten worden – das sei aber leider eingeschlafen. Wörnle-Giehl ist aktuell noch auf der Suche nach einem neuen Pächter.

Abschiedskonzert

Eine letzte Party wollen Olivera und Dejan Bondokic am Samstag, 21. Januar, mit (ehemaligen) Mitarbeitern und Gästen im „Huterer“ feiern. Ab 19 Uhr spielt die Band „Takeoff“. Jeder ist eingeladen, einfach spontan und kostenlos vorbeizukommen.

Mehrere Schließungen beschäftigen die Region derzeit. So hatten die Pächter der beliebten Peitinger Eisdiele Pinocchio in einem emotionalen Brief ihren Abschied verkündet. Nach über 30 Jahren gab das Ehepaar Di Egidio in der Schongauer Altstadt seinen Tabakladen auf und nach nur einem Jahr hat Tanja Jahn beschlossen, Lechladen und Lechcafé in Schongau zu schließen.

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