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Vielleicht „zu blauäugig gerechnet“: Schongauer Lechladen und Lechcafé schließen nach nur einem Jahr

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Von: Elke Robert

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Frisches Obst und Backwaren gingen gut im Lechladen – dieser Absatz reichte aber nicht für Tanja Jahn.
Frisches Obst und Backwaren gingen gut im Lechladen – dieser Absatz reichte aber nicht für Tanja Jahn. „Mehr Frequenz“ fürs Lechcafé © Elke Robert

Es hätte eine Erfolgsgeschichte werden können, doch es ist anders gekommen: Nach einem Jahr hat Tanja Jahn beschlossen, Lechladen und Lechcafé in Schongau aufzugeben.

Schongau – „Ich habe es mir nicht leicht gemacht, aber es geht einfach nicht um.“ Allein um 40 Prozent erhöhen sich für Tanja Jahn, Pächterin von Lechladen und Lechcafé in Schongau, jetzt die Stromkosten. Auch wenn sie schon bisher an allen Stellschrauben gedreht hat: In einem Laden mit frischen Lebensmitteln und Tiefkühlwaren laufen an 365 Tagen im Jahr die großen Stromverbraucher – daran ist einfach nichts zu ändern.

Zum Januar erhöht sich auch die Pacht noch einmal. „Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass sie nicht raufgeht, aber das war vertraglich so vereinbart“, bedauert Jahn. Die Personalkosten kommen noch oben drauf. „Das ist ein großer Posten, aber ich kann nicht gleichzeitig rechts im Laden sein und links im Café.“ Allein schon wegen der Verantwortung für ihre Angestellten habe sie lange überlegt, vielleicht auch „zu blauäugig gerechnet“. Jetzt hat sie sich in jedem Fall entschieden – für den „Schrecken mit Ende“.

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Lechladen in Schongau schließt: „Ich habe einfach zu viele Mitbewerber“

Dabei war das Engagement der Schongauerin riesig. Erst im Sommer, als die Hiobsbotschaft über die Schließung des Mühlenmarkts in der Altstadt durch Schongau eilte, hatte Jahn in Zusammenarbeit mit Standortförderin Tina Birke rasch einen Lieferservice auf die Beine gestellt. Aber schon damals hatte sie anklingen lassen, dass es nicht so einfach ist, in Schongau einen kleinen Nahversorger zu führen. „Ich habe einfach zu viele Mitbewerber“, so ihre Einschätzung.

Und die Energiekrise mache sich im Geldbeutel der Leute doch deutlich bemerkbar. „Die Leute sparen – auch im Café. Dann trinkt man eben nur noch einen Cappuccino.“ Auch die Bürger in der Senioren-Wohnanlage könnten es sich nicht unbedingt leisten. „Sie haben die Rente gar nicht dafür und sitzen den ganzen Tag in ihrem Zimmer – alt werden ist wirklich nicht schön.“

Und wer noch rüstig sei, laufe lieber den weiten Weg bis zum großen Supermarkt. Backwaren verkaufen sich dagegen gut im Lechladen – wie warme Semmeln eben. „Bei mir holen sie Semmeln und frisches Obst – aber das reicht leider nicht“, bedauert die Geschäftsfrau.

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Lechladen und Lechcafé: Tanja Jahn will so schnell wie möglich schließen

Genau vor einem Jahr hat Tanja Jahn die Fläche von Fritz Holzhey, dem Bauherrn der Senioren-Wohnanlage in der Lechvorstand, übernommen – am 2. Dezember war Eröffnung. Nun hat sie zum 31. März gekündigt, hofft aber, so schnell wie möglich schließen zu können, vielleicht schon Ende Dezember, spätestens im Januar. Mit dem Abverkauf aller Waren hat sie bereits begonnen. 20 Prozent Rabatt gibt es auf alles aus dem, was sich im Fachjargon „Trockensortiment“ nennt: von der Marmelade bis zum Waschmittel. Back- und Frischwaren soll es bis zum Schluss geben, genauso wie Tabak und Zeitungen – ohne Rabatt.

Schongaus Standortförderin ist über den Entschluss bereits informiert. „Das bedauere ich natürlich sehr, denn dieser Laden ist nicht nur eine gutsortierte Einkaufsmöglichkeit für die Lechvorstadt, sondern auch ein wichtiger sozialer Anlaufpunkt für alle Bewohner der Seniorenwohnanlage“, so Tina Birke. Leider hätten die Maßnahmen wie der neue Flyer und das Serviceangebot des Lieferdienstes nicht mehr Kunden generieren können.

Zukunft des Schongauer Lechladens: „Wir schauen nach vorn“

„Es hat so nicht funktioniert“, weiß auch Fritz Holzhey. Ein „Aus“ bedeutet Jahns Kündigung nun aber nicht, das Projekt für die Lechvorstadt soll in jedem Fall weitergehen. „Wir schauen nach vorn, vielleicht mit etwas mehr Schwerpunkt auf dem Café“, so der Wunsch des Schongauer Ehrenbürgers. Die Einrichtung sei zu stark auf den Laden konzentriert. Zwar solle er auch künftig nicht brachliegen – schließlich ist das baulich eine Einheit.

Neuer Pächter gesucht

Wer möchte Lechladen und Lechcafé weiterführen? Interessenten können via Mail direkt Kontakt aufnehmen unter fritz.holzhey@t-online.de.

„Mehr Frequenz“ wünscht sich Holzhey hingegen fürs Lechcafé als Treffpunkt für Jung und Alt – da gebe es noch Defizite. „Wir haben uns doch vorgestellt, dass es einen Mittagstisch mit kleinen Gerichten gibt, aber das wollte Frau Jahn nicht, ich hatte den Eindruck, Kochen ist nicht ihr Spezialgebiet“, formuliert er es. Bei der Pacht sei man ihr dagegen durchaus entgegengekommen, der Quadratmeterpreis sei vergleichsweise niedrig. Die Suche nach einem neuen Pächter will Holzhey in jedem Fall nicht auf die lange Bank schieben.

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