1. tz
  2. München
  3. Region

Wirtepaar kann nicht mehr: Traditionsgaststätte schließt - „Bestes Lokal von Schongau geht verloren“

Erstellt:

Von: Elke Robert

Kommentare

Das „Garibaldi“ in der Christophstraße ist Ende Juli geschlossen worden, mit der Zeit im „Allegro“ war das Ehepaar Cascio 30 Jahre für seine Gäste da.
Das „Garibaldi“ in der Christophstraße ist Ende Juli geschlossen worden, mit der Zeit im „Allegro“ war das Ehepaar Cascio 30 Jahre für seine Gäste da. © Hans-Helmut Herold

Seit mehr als 30 Jahren bewirteten Patricia und Franco Cascio in Schongau ihre Gäste, zuerst im „Allegro“, seit 2007 dann im „Garibaldi“. Zum Bedauern vieler Feinschmecker verabschiedet sich das Ehepaar nun.

Schongau – An die Spezialitäten aus der Küche von Patrone Franco Cascio werden sich die Gäste des „Garibaldi“ in der Christophstraße noch lange erinnern. „Wir hören auf“, musste Wirtin und Ehefrau Patricia ihren Gästen in den vergangenen zwei Monaten x-mal erzählen. Auf die Frage „Warum?“ kann sie ganz kurz antworten: Es ist einfach zu viel geworden für die beiden, die Tage zu lang. Franco könne nicht mehr arbeiten – Burnout. Und dann wird sie doch ein wenig wehmütig und erzählt ihre Geschichte.

„Garibaldi“ in Schongau: Drei Generationen an Gästen bewirtet

Herr und Meister der Küche: Franco Cascio.
Herr und Meister der Küche: Franco Cascio. © privat

Drei Generationen an Gästen bewirteten die beiden seit rund 30 Jahren in Schongau. Im Mai 1992 hatten sie in der Passage Richtung Marienplatz angefangen. Viele schöne Tage folgten, auch mit Weggefährten wie Franz Köpf. Und lange Nächte in Zeiten, in denen die Freilichttheater „Hexe von Schongau“ oder die „Venezianer“ noch in der Altstadt aufgeführt wurden – „ganz schwarz vor lauter Leuten“ sei die Passage abends gewesen.

Weil das „Allegro“ irgendwann zu klein wurde, sei man trotz vieler Bedenken im Februar 2007 in das ehemalige Rössle-Bräu in der Christophstraße umgezogen. „Die Wirtschaft dort war am Boden, drei Jahre hat es gebraucht, bis wir wirklich angekommen sind“, erinnert sich die 56-Jährige. Neue Räume, neuer Name. Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi, der 1860 seinen entscheidenden Kampf im Geburtsort von Franco ausgetragen haben soll, wurde Namenspatron.

Traditionsgaststätte schließt: Gäste von weit her nach Schongau gekommen

Wirtin mit Leib und Seele: Patricia Cascio.
Wirtin mit Leib und Seele: Patricia Cascio. © Hans-Helmut Herold

Von weit her seien die Gäste nach Schongau gekommen, viele Kilometer gefahren für den Fisch und die berühmten Soßen. Und natürlich die frische Pasta. „Für jede Soße und jedes Nudelgericht gab es eine eigene Pfanne“, so Patricia Cascio. „Das beste Lokal von Schongau geht verloren“, ist sich Franco Cascio sicher.

„Garibaldi“ in Schongau schließt - „Das beste Lokal von Schongau geht verloren“

Er habe von all den vielen Köchen, mit denen er zuvor zusammenarbeitete, die besten Rezepte für seine Küche zusammengestellt. „Ich bin ein Feinschmecker“, sagt der 63-Jährige über sich. Das Kochen sei schon als kleiner Junge seine Passion gewesen. „Wir haben es mit Liebe gemacht“, sagt der Patrone, der sich kurz dazusetzt.

Auch der Biergarten an der Stadtmauer gehört mit zum „Garibaldi“, wurde aber nicht mehr bewirtet.
Auch der Biergarten an der Stadtmauer gehört mit zum „Garibaldi“, wurde aber nicht mehr bewirtet. © Hans-Helmut Herold

Worauf die Wirtin gar nicht gerne angesprochen wird, ist der Biergarten – ein riesiges, wunderschön an der Stadtmauer gelegenes Areal. „Der Versuch Biergarten hing uns lange nach“, beschreibt sie es. Mit Selbstbedienung habe es nicht funktioniert. Zwei Jahre lang, 2013/2014, hätten sie dort bedient – 300 Plätze. Schnell hätten sie festgestellt: Das gibt die Küche nicht her, und die Wege sind zu weit. Allein 50 Schritte sind es von der Küche bis zum Ausschank an der Stadtmauer.

„Das kann man in Sizilien machen, aber nicht bei bayerischem Wetter.“ Patricia Cascio erzählt vom plötzlichen Chaos bei einem Wolkenbruch, die Gäste drängten sich im Lokal, beim Ausschank oder flüchteten in alle Richtungen. „Wir haben uns so viel Mühe gegeben mit dem Biergarten, aber außer Spesen nichts gewesen, man hätte das Bier so teuer verkaufen müssen wie auf der Wiesn.“ Das Ehepaar entschied also, sich nur auf Lokal und Terrasse zu konzentrieren: „Das hat super funktioniert, wir waren jeden Tag ausgebucht“.

Corona-Zeit für Traditionsgaststätte nicht einfach - kein Nachlass bei der Miete

Die Corona-Zeit sei nicht einfach gewesen – trotz staatlicher Unterstützung. Aber es habe eben auch Monate gegeben, wo gar kein Geld floss. „Und unsere Gespräche mit den Verpächterinnen sind komplett gescheitert, nicht einmal eine halbe Monatsmiete sind sie uns entgegengekommen.“ Nach Corona nicht wieder aufmachen und sich heimlich davonzuschleichen, sei aber auch keine Option gewesen. Am Ende war es aber einfach zu viel. „Ich bin Putzfrau, Bedienung, Buchhalterin und Bügelfrau in einem“, beschreibt es die Wirtin. 100 Stunden pro Woche zehren an den Kräften.

Den Abschied von den Gästen habe sie nun trotzdem genossen. „Es war wunderschön, vor allem das Feedback für das Essen.“ Natürlich könne sie nun 30 Jahre nicht einfach wegwischen, aber eine neue Arbeit zu finden, werde ihr bestimmt nicht schwerfallen. Jetzt müsse man sich erst einmal neu orientieren. „Aber ich bin vielseitig, und Ideen haben wir viele, so ganz sind unsere Gäste uns noch nicht los.“ Und schließlich gebe es auch noch ein zweites Zuhause in Sizilien. Franco Cascio: „Ein Leben reicht nicht, um die ganzen Pläne umzusetzen.“

Im Laufe eines Arbeitslebens erlebt man als Wirt jede Menge, auch im Garibaldi, als man auf einem 3-Gänge-Menü für 30 Personen sitzenblieb: Eine angebliche Geburtstagsfeier für eine - bereits verstorbene - Großmutter.

Unser Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.

Alle News und Geschichten aus Schongau sind auf unserer Facebook-Seite zu finden.

Auch interessant

Kommentare