Lebensgefährlicher Stromschlag: 17-Jähriger ringt mit dem Tod

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Der Bahnhof Ebersberg – hier geschah das Unglück

Ebersberg - Den Rettungskräften bietet sich an diesem frühen Samstagmorgen am Ebersberger Bahnhof ein Bild des Grauens. Ein schwer verbrannter junger Mann liegt im Gebüsch. Ein Funke der Oberleitung war auf den Körper des 17-Jährigen übergesprungen. Die tragische Geschichte:

Der Jugendliche ist nach Erkenntnissen der Bundespolizei am Samstag gegen 5.20 Uhr auf das Dach einer im Bahnhof stehenden S-Bahn geklettert. Der Lokführer bemerkt den blinden Passagier nicht – und fährt los. Nach einigen Metern gerät der 17-Jährige auf dem Dach des Zuges in die Nähe der Oberleitung, woraufhin sich ein Lichtbogen bildet. Nach Angaben des Ebersberger Feuerwehrkommandanten Uli Proske erleidet der junge Mann dabei schwerste Verbrennungen.

Der Zug kommt durch den Kurzschluss zum Stehen. Erst, als der Verunglückte seitlich von der Bahn fällt, bemerkt eine Frau, die sich zusammen mit 14 anderen Fahrgästen im Zug aufhält, das Unglück. Sie alarmiert den Lokführer. Der Verletzte wird im Gebüsch neben dem Gleisbett gefunden und mit dem Rettungshubschrauber in ein Münchner Klinikum geflogen, sein Zustand ist sehr kritisch.

Der behandelnde Oberarzt habe von „sehr starken Verbrennungen und heftigster Stromeinwirkung auf den Körper des jungen Mannes“ gesprochen, sagt ein Beamter der Bundespolizei am Sonntag unserer Zeitung. Wie der Jugendliche, der im Landkreis Ebersberg wohnt, auf das Dach des Zuges kam, ist bisher noch unklar. Auch, warum er sich diesen lebensgefährlichen Platz ausgesucht hatte und ob Alkohol im Spiel war, ist noch nicht geklärt.

Auf dem Dach war offenbar ein Funke der Oberleitung auf den Körper des 17-Jährigen übergegangen. „Von so einem Kabel strahlt der Strom noch bis zu 1,50 Metern weit. Das nennt man einen Lichtbogen. Man muss die Leitung also gar nicht direkt berühren, um einen Stromschlag abzubekommen“, erläutert ein Sprecher der Polizei.

Zwei Tage nach dem Stromschlag ringt der 17-Jährige mit dem Tod. Der Jugendliche sei ins künstliche Koma versetzt worden, sagte am Montag ein Sprecher der Bundespolizei in München. 75 Prozent seiner Haut seien verbrannt. Die Ärzte bemühten sich um das Leben des 17-Jährigen.

Dieser Vorfall zeige deutlich, welche Gefahren bei einem falschen Umgang mit Schienenfahrzeugen und den dabei notwendigen hohen Spannungen bestehen, sagt Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste. Unter und neben einer Fahrleitung müsse wegen der Gefahr eines Lichtbogens ein Mindestabstand von drei Metern, darüber von vier Metern eingehalten werden. „Es ist auch zu berücksichtigen, dass es nicht leicht ist, diesen Abstand immer korrekt abzuschätzen“, so Nagel, der hinzufügt: „Natürlich ist es verboten, Gleisanlagen als Unbefugter zu betreten oder Züge an nicht für Fahrgäste vorgesehenen Stellen zu besteigen.“

Michael Acker

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