Aufruf: Wer kann das Auto noch retten?

Cabriofahrer: „Wenn ich den Gülle-Wagen sehe, weine ich“

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Der Odel klebt einfach überall – und es stinkt: Gilbert Mezhrahid und Tochter Satine aus Altomünster stehen fassungslos an dem Cabrio, das sie so sehr liebten. Ihr Versuch, den Wagen zu reinigen, scheiterte.

Gilbert Mezhrahid hat Tage nach dem Gülle-Unfall noch den Geruch in der Nase und trauert um sein Cabrio. Er - selbst Autoreiniger - meint, der Wagen ist nicht mehr zu retten - wir wollen helfen.

Altomünster - Gilbert Mezhrahid ist ein Mann, der sich um seine Autos kümmert. Jede Woche werden sie geputzt, regelmäßig überprüft er Reifen und Bremsen. Der 53-Jährige aus Altomünster (Kreis Dachau) kennt sich mit Fahrzeugen aus. Er hat als Automechaniker gearbeitet, seit acht Jahren ist er professioneller Wagenreiniger bei BMW.

Das absolute Lieblingsstück des kleinen familiären Fuhrparks ist ein Cabrio der Marke Renault. Mezhrahid hat es vor 13 Jahren gekauft, seitdem hegt und pflegt er den Wagen mit größter Sorgfalt. „Das Auto war wie neu, es gab keine Kratzer im Lack oder Dellen in der Stoßstange“, sagt er. Gefahren wurde das Cabriolet nur bei schönem Wetter und nur im Sommer. Die Sitze waren immer mit Handtüchern geschützt.

So war es auch am vergangenen Samstag, als Gilbert Mezhrahid mit seiner 14-jährigen Tochter zur ersten Ausfahrt des Jahres aufbrach. „Es war warm, die Sonne strahlte, es war einfach ein wunderbarer Tag, erinnert sich Mezhrahid, „bis wir dem Bauern mit dem Traktor begegneten.“

Was dann passierte, schildert die Polizei Dachau folgendermaßen: Der Landwirt, der auf seinem Anhänger ein Odelfass geladen hatte, versuchte, einem parkenden Fahrzeug auszuweichen. Dabei geriet das Fass in Bewegung und der stinkende Inhalt ergoss sich direkt in das entgegenkommende Cabriolet. „Shit happens“, lautete der lakonische Kommentar eines Polizeisprechers.

„Dann habe ich realisiert, dass wir in Gülle gebadet wurden“

Auch Gilbert und Satine Mezhrahid haben die volle Ladung abbekommen. „Im ersten Moment dachte ich, es sei Wasser“, sagt der Vater. „Sekunden später habe ich realisiert, dass wir in Gülle gebadet wurden.“

Schlimm war, sagen Vater und Tochter, dass der Landwirt sie sofort beschimpft habe. „Er hat geschrien, dass wir Schuld an dem Unfall seien, sagt Tochter Satine. „Und er hat gesagt, dass wir uns wegen den paar Spritzern Gülle doch nicht so haben sollten“, ergänzt ihr Vater. Der Bauer selbst erklärte, er das Cabrio sei zu schnell gefahren und er habe deshalb eine Vollbremsung hinlegen müssen. Die Polizei stellt später fest, dass der Landwirt das Odelfass nicht ordnungsgemäß verschlossen hatte.

Jetzt, eine Woche später, haben Vater und Tochter noch immer den Odel-Geruch in der Nase. „Meine Haare stinken, obwohl ich sie täglich wasche“, sagt Gilbert Mezhrahid. Seine Tochter klagt über Kopfschmerzen.

Ob dieser Wagen noch zu retten ist? Da gibt es geteilte Meinungen.

Der Cabrio-Fahrer ist professioneller Wagenreiniger

Das mit Gülle übergossene Cabrio haben sie in der Garage eines Bekannten untergestellt. „Das Fahrzeug können sie wegschmeißen“, sagt die Polizei. Ein Gutachter hat den Totalschaden bestätigt. Auf knapp 12 000 Euro schätzt er den Schaden, das Fahrzeug selbst ist laut Mezhrahid aber nur noch 5000 bis 6000 Euro wert.

„Wenn ich den Wagen sehe, weine ich“, sagt Gilbert Mezhrahid. Auch wenn er wenig Chancen sah, das Cabrio zu reinigen, vor einigen Tagen hat er es gemeinsam mit Tochter Satine dennoch versucht. Stundenlang.

„Nichts, aber auch gar nichts haben wir sauber bekommen“, sagt der Profi-Wagenreiniger. „Die Gülle ist so hart, die müsste ich mit dem Schraubenzieher wegkratzen.“ Sein Fazit: „Es ist unmöglich, diesen Wagen zu reinigen.“ Einzig der Austausch aller betroffenen Fahrzeugteile käme in Frage. Aber hierfür fehle der Familie das Geld.

Die Mezhradids werden den Wagen deshalb wohl verkaufen. „Es tut mir in der Seele weh, das Fahrzeug in diesem Zustand zu sehen“, sagt Gilbert Mezhradid. Und wenn er daran denke, dass er das Cabrio seiner Tochter zu deren 18. Geburtstag schenken wollte, schmerze es noch mehr. „Wir lieben diesen Wagen“, sagt er. „Aber so können wir ihn nicht behalten.

Beatrice Ossberger

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Unsere Berichte über den Odel-Unfall in Altomünster haben bei den Usern viele Reaktionen ausgelöst. Heftig diskutiert wurde auch, ob das Auto tatsächlich nicht mehr zu retten ist:

Johannes N. fragt bei Facebook: „Ich verstehe nicht, warum das Auto Schrott sein soll? Eine gründliche Reinigung und gut.“ 

Andere halten die Verschrottung ebenfalls für Unsinn und bieten sich an das Cabrio - natürlich ganz uneigennützig - zu retten: „Ich würde das Auto gerne erwerben, bin mir sicher, dass hier für maximal 500 € Reinigungskosten nichts mehr zu riechen ist“, schreibt User Hans Meiser.

Und ein Leser mit dem Nicknamen Murckel findet: "Wegschmeißen!? So ein Unsinn, das Cabrio kann man professionell reinigen lassen. Dafür gibt es Spezialisten!“ 

Wir haben einen anderen Reinigungs-Experten nach seiner Einschätzung gefragt: Benjamino Galluzzo (42) ist Inhaber eines Fahrzeugpflegeunternehmens im Münchner Osten. Er arbeitet seit 15 Jahren in dem Beruf, einen solchen Fall hatte er noch nie: „Ich denke schon, dass man das Cabrio wieder hinkriegt,“ sagt er zuversichtlich. Einige Teile müssten ausgetauscht werden - das kostet eine Stange Geld. Sein Fazit: „Es wäre eine echte Herausforderung, aber es ist machbar.“

Wer kann der Familie helfen?

Wenn Sie sich angesprochen fühlen und die Herausforderung, das Cabrio vor dem Schrott zu bewahren, annehmen wollen, dann melden Sie sich bei uns. Wer könnte der Familie helfen? Kontaktieren Sie uns über unsere Facebook-Seite. 

vf

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