"Am Arm gepackt und aus dem Bus geworfen“

Mit Schubkarre in den Bus: Da sieht der Fahrer rot

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Peter Klauser fuhr im Bus mit seiner Schubkarre immer zum Einkaufen. Jetzt hat ihn ein Fahrer der MVG rausgeschmissen.

München - Seit vier Jahren fährt Peter Klauser jeden Montag mit dem Bus zum Einkaufen. Sein ständiger Begleiter: eine Schubkarre. Doch nun warf ihn ein Busfahrer einfach raus.

In seiner Schubkarre verstaut der 44-Jährige seinen Wocheneinkauf. Er braucht diese, weil er kein Auto hat und an fortgeschrittenem Blasen- und Nierenkrebs leidet, deshalb nicht schwer tragen kann. Jeden Montag, immer zwischen neun und zehn Uhr am Morgen fährt er los, um dem Berufsverkehr und den Pendlern auszuweichen. Die meisten Fahrer und Fahrgäste kennen ihn und seine Karre.

Doch vor Kurzem kommt es zum Eklat. Und zwar, als er erst um elf den Bus betritt, weil er davor noch beim Arzt war. Bereits beim Einsteigen schnauzt ihn der Fahrer an, er habe mit der Schubkarre im Bus nichts zu suchen. Er nimmt ihn aber mit. Auf dem Rückweg eskaliert die Situation. Voll bepackt mit seinen Einkäufen steigt Peter Klauser in den Bus - wieder ist der gleiche Fahrer am Steuer. „Der wollte die Polizei holen!“, berichtet Peter Klauser. Sogar die anderen Fahrgäste verteidigen ihn. „Dann hat der Fahrer mich am Arm gepackt und aus dem Bus geworfen!“

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Dabei stolpert Peter Klauser über die Trittstufe - auch aufgrund der schweren Ladung. Eine seiner Nierenleitungen reißt. Diese braucht er, da durch den Krebs seine Nierenfunktion geschädigt ist. Verzweifelt wartet er auf den nächsten Bus, aber keiner will ihn mitnehmen. „Der Fahrer hat sicher seine Kollegen darauf hingewiesen, mich nicht mitzunehmen“, vermutet er. Er geht die sechs Kilometer zu Fuß nach Hause. Eine Qual für ihn: „Es war so heiß, und ich bin so schlecht zu Fuß!“ Für ihn ist der Fall klar: „Das, was der Busfahrer gemacht hat, ist unmenschlich. Die haben alle kein Herz mehr!“

Doch hat der Busfahrer Recht? Darf man wirklich nicht mit einer Schubkarre in den Bus? Die tz fragte bei der MVG nach und bekam eine eindeutige Antwort: Die Mitnahme von Schubkarren ist nicht erlaubt. Laut Paragraf 11 der Beförderungsbedingungen haben Schubkarren im Bus nichts verloren, vor allem nicht in beladenem Zustand. Die MVG wundert sich vielmehr, dass die Mitnahme seit vier Jahren toleriert wurde. Durch die Schubkarre bestehe ein Sicherheits- und Platzproblem im Bus, zum Leid der Mitfahrer. Zum Umgangston sagt die MVG: „Natürlich legen wir Wert darauf, dass die Fahrer ihre Fahrgäste sachgemäß und freundlich über die Regeln und ihre darauf basierenden Entscheidungen informieren.“

Peter Klauser weiß nicht, wie es für ihn jetzt weitergehen soll: „Wie soll ich den ohne meine Schubkarre einkaufen fahren? Ich brauch' die doch!“ Busfahren wird damit aber nicht mehr möglich sein.

Florian Fussek

Das dürfen Sie mitnehmen:

Damit Sie bei den ganzen Mitnahme-Regeln den Überblick behalten, hat die tz für Sie die wichtigsten Regeln für Bus, Tram und Bahn rausgesucht.

Fahrräder: Die Mitnahme ist generell nur möglich, wenn niemand behindert wird. Kinderwägen und Rollstühle haben Vortritt. Fahrräder unter 20 Zoll oder Klappräder dürfen mitgenommen werden. Ab 20 Zoll dürfen sie nur außerhalb des Berufsverkehrs dabei sein. Außerdem braucht man ab 20 Zoll ein Ticket für 2,50 Euro.

Bollerwägen: Dürfen mitgenommen werden, aber nur, wenn er nicht größer als 80 mal 90 Zentimeter ist und bis zu 25 Kilo wiegt.

Hunde und Katzen: Die Tiere müssen in geeigneten Behältnissen, bzw. Hunde an der kurzen Leine transportiert werden. Ein Hund pro Fahrgast ist kostenlos, danach Kindertarif.

Kinderwägen und Rollstühle: haben generell Vorrang.

Roller und Inlineskates: dürfen mitgenommen, aber nicht benutzt werden.

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