„Ja, wir haben’s gemacht“

Schüler beleidigt Lehrer per WhatsApp als „Hurensohn“ - Eltern murren über Gerichtsentscheidung

+
Beleidigung am Smartphone: Ein junger Mann hat mit einer WhatsApp-Nachricht einen Lehrer beleidigt und musste sich vor Gericht verantworten.

Ein Lehrer ist kein „Hurensohn“. Diesen Erkenntnisgewinn müssen zwei Schüler aus Bad Tölz (17) und Gaißach (15) sowie ein 20-jähriger Fachlagerist aus Loxstedt bei Bremerhaven mit Sozialstunden bezahlen.

Gaißach/Wolfratshausen – Die Drei hatten sich wegen gemeinschaftlicher Beleidigung vor dem Jugendgericht am Amtsgericht Wolfratshausen zu verantworten, weil ein Lehrer der zwei Schüler von dem Norddeutschen unschöne WhatsApp-Nachrichten erhalten hatte.

„Ja, wir haben’s gemacht. Das Ganze ging von mir aus“, nahm der 20-Jährige die Schuld auf sich. „Man kann sagen, dass es eine Dummheit war. Dumm und unüberlegt.“ Die Jungs hatten sich über das Computerspiel „Call of Duty“ kennengelernt. In „Gefechtspausen“ waren sie ins Gespräch gekommen. Der 15-Jährige hatte dabei seinen Frust über einen Lehrer ausgeschüttet. „Er sagte, der Lehrer schreie rum und packe Schüler auch an“, berichtete der Norddeutsche und betonte: „Ich hasse dass, wenn Lehrer einen anschreien.“ Als dann auch noch von blauen Flecken die Rede war, erwachte das „Helfersyndrom“ des jungen Angeklagten.

Lesen Sie auch: Zoff vor Wettbüro: Der eine spuckt, der andere schlägt

Er habe sich von dem Tölzer Mitspieler die Handynummer des Lehrers besorgt und noch in der Nacht die erste Nachricht abgeschickt: „Sie sind einer der behindertsten Lehrer, die es je gegeben hat. Ich weiß nicht, wie man vor Ihnen Respekt haben soll.“ „Da war ich mit den Fingern schneller als mit dem Kopf“, entschuldigte sich der Angeklagte. Am Mittag des nächsten Tages schimpfte er den Pädagogen einen „Hurensohn“.

Der Lehrer berichtete, er sei „geschockt und irritiert gewesen“, als er die Nachricht gelesen habe, aber er habe es „nicht so ernst genommen“. „Ich wusste dass das kein Schüler von mir sein kann.“ Als dann die beleidigende Sprachnachricht hinterher gekommen sei, habe sein Schulleiter ihm gesagt: „Geh zur Polizei.“

Lesen Sie auch: Besorgniserregende Fahrweise: Zeugen stoppen 89-jährigen Holzkirchner

Auf Anregung der Jugendgerichtshilfe stellte Jugendrichter Urs Wäckerlin das Verfahren gegen alle drei Angeklagten ein. Die beiden Schüler müssen je 16 Sozialstunden ableisten. Ihr Freund aus dem Norden, der schon drei Mal mit jugendtypischen Vergehen verschiedene Gerichte beschäftigt hatte, kann während 32 Stunden Sozialdienst über die eingestandene Dummheit reflektieren.

Lesen Sie auch: Insektenproblem an Jachenauer Schule: Fenster schwarz vor Fliegen

Mit Murren nahmen die anwesenden Eltern die Entscheidung zur Kenntnis. „Wenn jede kleine Beleidigung angezeigt würde, wären die Gerichte voll. Das hätte man als Lehrer auch anders lösen können“, ereiferte sich der Vater des 15-Jährigen. Die Mutter des Tölzer Schülers gab zu bedenken, dass man solche Ausdrücke wie die hier geahndeten, jeden Tag in Facebook lesen könne. „Das nimmt ihnen nicht den Charakter der Beleidigung“, erwiderte Richter Wäckerlin.

Auch interessant

Meistgelesen

Tödlicher Unfall auf B472 - E-Bike-Fahrer stirbt
Tödlicher Unfall auf B472 - E-Bike-Fahrer stirbt
Therme Erding ist beste Therme Deutschlands - und sie führt auch in einem weniger positiven Punkt
Therme Erding ist beste Therme Deutschlands - und sie führt auch in einem weniger positiven Punkt
Mann bekommt Knöllchen auf eigenem Firmengelände - nach Beschwerde wird ihm sogar höhere Strafe angedroht
Mann bekommt Knöllchen auf eigenem Firmengelände - nach Beschwerde wird ihm sogar höhere Strafe angedroht
Hetzjagd: Zwei BMW-Fahrer verfolgen junge Frau im Twingo
Hetzjagd: Zwei BMW-Fahrer verfolgen junge Frau im Twingo

Kommentare