Abends am Rastplatz Vaterstetten

Schüler "vergessen": Konsequenzen für Fahrer?

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Die Autobahnraststätte Vaterstetten: Hier ließ der Busfahrer die Jugendlichen gegen 22 Uhr einfach alleine

Vaterstetten - Nachdem ein Busfahrer am Raststatt Vaterstetten eine Schülergruppe mit Absicht stehen ließ, muss er möglicherweise Konsequenzen befürchten.

Als sich die Dämmerung über die Autobahnraststätte legte, da wurde es den elf Schülern dann doch langsam mulmig. Ihr Bus, mit dem sie auf Abschlussfahrt waren: seit einer halben Stunde nicht zu sehen. Wo war nur ihr Fahrer (52)?

Er hatte sie einfach alleine zurückgelassen! Ausgesetzt am Straßenrand – teilweise ohne Schuhe. Abends um 21.50 Uhr am Rastplatz Vaterstetten…

Angehalten hatten die Schüler vergangenen Freitag eigentlich nur, um während der Klassenfahrt zurück nach Stuttgart kurz etwas zu essen. Dann war der Bus plötzlich weg – und keine Spur vom Fahrer. In ihrer Not sprachen die Jugendlichen – gerade 18 Jahre alt, einer war noch minderjährig – einen Autobahnpolizisten an, der während seiner Streife zufällig in der Nähe war. Der erreichte den Flüchtling schließlich per Telefon direkt im Bus. Aber kaum zu glauben: Umdrehen wollte der Fahrer nicht. Obwohl die Schüler schon eine halbe Stunde lang am alleine am Straßenrand saßen – spätabends, rund 200 Kilometer von zuhause entfernt. „Erst nach eingehender Aufforderung durch unsere Beamten, erklärte sich der Busfahrer des in Potsdam gemeldeten Unternehmens bereit, seine Passagiere wieder abzuholen“, sagt Hans-Peter Kammerer vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Der Grund: Der Berliner Busfahrer wollte den Schülern nach eigener Aussage „einen Denkzettel verpassen“, weil sie nicht rechtzeitig zur Abfahrt am Bus gewesen seien. Das ging ihm auf die Nerven – deshalb ließ er sie einfach am Rastplatz stehen!

Zwei Stunden dauerte es schließlich, bis der Fahrer zurück war und die Jugendlichen wieder zu ihren Sachen im Bus konnten – in der Zwischenzeit wurden sie in Vaterstetten durch das Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks betreut.

Für die Schüler hatte der Schrecken bald ein Ende: Sie traten am Abend noch die Heimfahrt an. Für den Busfahrer allerdings könnte dieses Ende noch einen Schrecken haben: „Er hat keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten“, sagt Kammerer. „Aber wir haben einen Bericht an die Führerscheinstelle eingereicht, die nun prüft, ob der Mann weiterhin geeignet ist, Personen zu befördern.“

Andreas Thieme

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