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Lieber Pommes als Bio-Pampf: Eltern beschweren sich über gesundes Schulessen - Fünfmal die Woche Pizza gefordert

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Von: Franziska Konrad

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Viel Gemüse, wenig Nudeln: Für einige Eltern in Puchheim ist das wohl nicht kindgerecht.
Viel Gemüse, wenig Nudeln: Für einige Eltern in Puchheim ist das wohl nicht kindgerecht. © dpa

In Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck) ist die Debatte über das Schulessen in der Mensa am Gerner Platz hochgekocht. Einige Eltern halten das Angebot für „Bio-Pampf“.

Puchheim – Von hochwertiger, gesunder Kost schwärmen die einen, über einen faden Bio-Pampf schimpfen die anderen. Wenn es um die Schulverpflegung in der Mensa am Gerner Platz geht, scheiden sich offenbar die Geister. Von „sehr gespaltenen Lagern“ in der Elternschaft spricht eine Grundschul-Mutter, eine Kollegin von der Mittelschule – wo zwei Ganztagsklassen ebenfalls mittags verpflegt werden – machte das Thema in einem sozialen Netzwerk öffentlich.

Gesundes Essen in der Schul-Menso: Eltern schimpfen über Bio-Pampf

Und kürzlich gab es sogar einen Runden Tisch. Zu diesem hatte die Stadtverwaltung die Leitung der Mittelschule, die Elternvertreter und den Caterer eingeladen. Ergebnis: Das Essen, zumindest bei Gemüse und Salat aus biologischem Anbau, ist „objektiv“ von hervorragender Qualität.

Teile der Eltern fordern: Fünfmal in der Woche Pizza auf dem Speiseplan

Nur sehen das einige Kinder sehr subjektiv: Brokkoli, Hirse, Couscous und so Zeug schmeckt einfach nicht. Warum es nicht fünfmal die Woche Pizza geben könne, hatte eine Mutter nach Tagblatt-Informationen gefragt.

Deshalb nicht, weil Schulessen immer eine erzieherische Komponente hat, erklärt das Sozialamt, in dessen Aufgabenbereich die Grundschulen und die Mittelschule fallen. Kinder, die zuhause nur Erhitztes aus der Tiefkühlung kennen, wenn es denn überhaupt immer was Warmes gibt, sollen etwas anderes kennenlernen als Pizza und Pommes. Quasi ein „pädagogischer Happen“ – im Sinne von „Jetzt probier doch einfach mal“.

Debatte um Schulessen in der Mensa kocht hoch - Sozialamt äußert sich

Und es gebe ja auch „nicht nur Gesundes“, verrät ein Experte, sondern eben manchmal auch wirklich Pizza. Aber an drei Tagen gibt es laut Rathaus nur Vegetarisches, jeweils einmal Fleisch und Fisch. Andererseits steht aber Nachhaltigkeit quasi auf dem kulinarischen Lehrplan: Wenn zu viel in die Tonne wandern würde, weil es eben nicht gegessen wird, wäre es auch nicht recht.

Gesundes Schul-Mittagessen: Caterer bekamen nach europaweiter Ausschreibung Zuschlag

Die Stadt hatte vor zwei Jahren die Schul-Mittagessen neu und bei einer Gesamt-Auftragssumme von drei Millionen Euro europaweit ausgeschrieben und schließlich an zwei Lieferanten vergeben. Die Anforderungen mussten, um nicht klage-bereite Konkurrenz auf den Plan zu rufen, relativ gering gehalten werden.

„Saisonale“ statt regionale Produkte wurden verlangt, täglich Gemüse und/oder Salat mit einem Bio-Anteil von wenigstens zehn Prozent, abwechslungsreich gewürzte Speisen, die außerdem appetitanregend präsentiert werden sollten. Und nichts Aufgetautes sollte auf den Tisch kommen.

Schulessen in der Mensa: 100 Prozent Bio und Regionale Produkte

Der für den Gerner Platz und Puchheim-Ort zuständige Caterer hat die Bedingungen eigentlich übererfüllt: 100 Prozent Bio, praktisch nur regionale Produkte, alles von drei Köchen und Helfern frisch zubereitet in der neuen Schulküche.

Dass der Reis trotzdem manchmal pappig war und die Nudeln halbgar, liegt dem Vernehmen nach an nicht eingeplanten, zusätzlichen Mittagstisch-Gästen. Manche Eltern vergessen demnach, ihre Kinder anzumelden oder Absagen wieder zu stornieren.

Fazit eines Verpflegungscoaches: Qualität ist gut, Organisation kann verbessert werden

An den Schulen gibt es „Essensgremien“ mit Vertretern der Schule, mit Eltern und Stadtverwaltung, die den Speisezettel und den tatsächlichen Ablauf beratend begleiten und kontrollieren sollen. Zuletzt war dort auf Wunsch der Grundschule auch ein „Verpflegungscoach“ der Regierung von Oberbayern zu Gast.

Fazit des Gastes laut Stadt: Die Qualität ist gut, an der Organisation kann noch gearbeitet werden. Und jetzt sollen die eigentlich Betroffenen, die Kinder aus beiden Schulen am Gerner Platz, befragt werden, was ihnen schmeckt und was nicht. Vielleicht könnten ja schon geringe Umstellungen helfen: Paprika statt Brokkoli, Möhren statt – igitt – Spinat. (Olf Paschen)

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