„Menschlich auf allerniedrigster Stufe“

Schwangere Freundin verprügelt: Gefängnis

Ebersberg - Und wieder ins Gefängnis. Das Prozedere kennt Ferdinand K. (alle Namen geändert) bereits. Drei Tage nach Heiligabend bekommt der Ebersberger die Quittung für seine erneute Unbeherrschtheit:

drei Jahre und drei Monate Knast. „Menschlich auf allerniedrigster Stufe“ und „absolut verachtenswert“ sei sein Verhalten gewesen, erklärt Amtsrichterin Susanne Strubl dem Angeklagten.

Wie berichtet, hatte der 29-Jährige seine schwangere Freundin Ende Mai im Vollrausch erst ins Gesicht und dann in den Bauch geprügelt. Sie befand sich damals in der 26. Schwangerschaftswoche. Den Versuch, den Schlägen auch noch Tritte folgen zu lassen, konnte Carina L. (24) glücklicherweise abwehren. Der mittlerweile fast vier Monate alte Bub sei gesund, erzählt sie. Geht es nach ihr, wird Ferdinand K. das Kind nie zu Gesicht bekommen. „Irgendwann werde ich meinem Sohn erklären müssen, was sein Vater für ein Mensch ist“, sagt Carina L. Die Zeitungsberichte zur Gerichtsverhandlung will sie aufheben: „Das hilft dem Kind vielleicht später, zu verstehen.“

Ferdinand K. ist alkoholsüchtig. Das bestätigen er und auch ein Gutachten, zu dessen Erstellung die Verhandlung drei Wochen lang ausgesetzt war. „Es gibt jetzt nur noch eine Möglichkeit - und die werde ich nutzen“, verspricht der Angeklagte dem Schöffengericht. 16 Monate wird der 29-Jährige in Haft verbringen. Danach wird er in eine Entziehungsanstalt überwiesen. Dort soll er die Sucht bekämpfen und das eigene Leben endlich in den Griff kriegen. „Wenn Sie weiter so saufen, werden Sie sich auf kurz oder lang Ihr Leben ruinieren“, sagt Richterin Strubl zum gefasst wirkenden Ferdinand K.

Schließt er die Therapie erfolgreich ab, hat K. die Möglichkeit auf Bewährung. Aus 39 Monaten Freiheitsentzug könnten somit 16 in Haft und zwölf im Entzug werden. Zudem kann der 29-Jährige in zwei Jahren wieder einen Führerschein machen. Nach Haft und erfolgreicher Entziehung hätte K. die Chance, sich in Freiheit dem echten Leben abseits von Sauferei und Nichtstun zu stellen. „Der andere Mensch, der Sie sein können, soll endlich zum Vorschein kommen“, hofft Strubl.

Carina L. glaubt nicht, dass ihr Ex-Freund den Schritt in ein Leben abseits von Rausch, Party und Gewalt überhaupt packen will. „Wenn es mach mir ginge, müsste er viel länger ins Gefängnis“, sagt sie. L. selbst will weg aus Ebersberg, weg von der Gefahr, dem Vater ihres Sohnes über den Weg zu laufen. Ferdinand K. hatte mehrmals gedroht, seine Ex-Freundin solle aufpassen, wenn sie ihm mit dem Kind begegne. Es könne „etwas passieren“. In der Nacht vor der Prügel-Attacke hatte K. am Telefon zu Carina L. gesagt, er werde noch ein letztes Mal Geschlechtsverkehr mit ihr haben, und ihr dann „den Schädel einschlagen“.

Gefährliche Körperverletzung, vorsätzlicher versuchter Schwangerschaftsabbruch in besonders schwerem Fall, Bedrohung, Trunkenheit im Straßenverkehr, Fahren ohne Fahrerlaubnis - die Latte an Verfehlungen reiht sich nahtlos an die Vorgeschichte des Angeklagten. Erst zwei Monate vor seiner Fahrt mit 2,3 Promille war er Richterin Strubl im Amtsgericht wegen einer Sachbeschädigung gegenüber gesessen - die 16. Verurteilung seit 1999. Auch hier war jede Menge Alkohol im Spiel.

Eine „extreme Rückfallgeschwindigkeit“ stellte Strubl fest. „Die Strafe haben Sie sich verdient“, sagt sie zu K.

Von Johannes Markmann

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