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Nach über einem Jahr: Schwarzbau steht noch immer - Firmenchef wehrt sich

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Von: Katharina Bromberger

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Stein des Anstoßes: die offenbar ohne Genehmigung errichtete Lagerhalle (links) der Zimmerei Andreas Grasegger an der Finkenstraße.
Stein des Anstoßes: die offenbar ohne Genehmigung errichtete Lagerhalle (links) der Zimmerei Andreas Grasegger an der Finkenstraße. © Sehr

Eigentlich müsste die Lagerhalle der Zimmerei Andreas Grasegger - ein Schwarzbau - längst verschwunden sein. Doch der Firmenchef wehrt sich - und klagt gegen die Beseitigungsordnung der Gemeinde.

Garmisch-Partenkirchen – Sie steht noch immer. Unverändert. Mit ihren Holzschindeln und den blauen Toren, die Lagerhalle der Zimmerei Andreas Grasegger in Garmisch-Partenkirchen. Dort lagert Baumaterial und Holz. Dabei dürfte sie das gar nicht mehr tun, hätte es nie tun dürfen. Schließlich hat ihr Besitzer sie einfach ohne Genehmigung hingestellt. Längst müsste sie in dieser Form verschwinden. Dagegen aber wehrt sich der Firmenchef. Andreas Grasegger klagt gegen die Beseitigungsanordnung der Gemeinde. Das bestätigt Rathaussprecherin Silvia Käufer-Schropp auf Anfrage.

Für gehörig Aufregung hat die Halle an der Finkenstraße gesorgt. Im April 2021 war der Fall öffentlich geworden, wonach Grasegger den Holzbau einfach hingestellt hat, ohne die Behörden einzubinden. Die Bauaufsicht stufte das Lager als Schwarzbau ein. Für Grasegger nicht nachzuvollziehen. In seinen Augen hat er gegen keine Regeln verstoßen. Schließlich habe sich an der gleichen Stelle bereits früher ein etwas kleinerer Schuppen befunden, argumentierte der Unternehmer. Der neue Anbau sei nur rund zwölf Quadratmeter größer.

Schwarzbau in Garmisch-Partenkirchen: Lagerfläche für Holz und Baumaterial

Immer wieder hat er zudem betont: Er brauche die Lagerfläche für Holz und Baumaterial. Mehr noch: Ohne sie könne er nicht konkurrenzfähig bleiben in einem Ort, in dem es kaum Gewerbegrund gibt. Ohne sie müsse er seinen Betrieb mit 20 Mitarbeitern vielleicht verkleinern, müsse umsiedeln oder ihn vielleicht sogar schließen. Mit einem Brandbrief wandte er sich an die Kommunalpolitiker. Ohne Erfolg. Das Urteil der Bauaufsicht ließ keinen Raum für Interpretation. Sie sah keine Möglichkeit, den Schwarzbau nachträglich zu erlauben.

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Denn: „Der ohne Genehmigung errichtete Anbau verstößt in zahlreichen Punkten gegen die Festsetzungen des rechtskräftigen Bebauungsplans.“ Dem folgten die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses im Juni 2021. Einstimmig lehnten sie einen entsprechenden Antrag Graseggers ab. Sein Vater Andreas sitzt für die Bayernpartei im Gemeinderat, Mitglied im zuständigen Ausschuss aber ist er nicht. Dort hätte er jedoch ohnehin weder mit beraten noch mit abstimmen dürfen.

Schwarzbau in Garmisch-Partenkirchen: Abriss oder Rückbau

Offen blieb nach der Entscheidung noch, welche der beiden Varianten zum Tragen kommt: Abriss oder Rückbau. Spielt für den Zimmerer, der sich als Vorsitzender des Trachtenvereins VTV Werdenfelser Heimat Partenkirchen engagiert, auch keine Rolle. Keine davon will er offensichtlich akzeptieren und entschied sich für den Weg über ein Gericht.

Das Verfahren läuft, deshalb erteilt die Gemeinde zu der Sache keine weiteren Auskünfte. Grasegger selbst äußert sich gar nicht dazu. Eine E-Mail-Anfrage blieb unbeantwortet, den Anruf stellt eine Mitarbeiterin gar nicht erst durch. Nach der Warteschleifen-Musik meldet sie sich zurück: „Ich soll nur ausrichten, dass er nichts sagt.“

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