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Zahl der Schwarzbauten wohl im „höheren zweistelligen Bereich“ – pro Jahr

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Von: Klaus Wiendl

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Erhitzt die Gemüter: Diese geradezu luxuriös ausgebaute Hütte im Bergwald auf dem Weg zur Holzeralm über Bad Wiesse beschäftigt Behörden und das Verwaltungsgericht.
Erhitzt die Gemüter: Diese geradezu luxuriös ausgebaute Hütte im Bergwald auf dem Weg zur Holzeralm über Bad Wiesse beschäftigt Behörden und das Verwaltungsgericht. © thomas plettenberg

Das Landratsamt Miesbach vermutet die Zahl der Schwarzbauten im „höheren zweistelligen Bereich“ – und das pro Jahr. Der Kreisbaumeister fordert Verstärkung für die Baukontrolle.

Landkreis Miesbach – Sie sorgen im Landkreis immer wieder für Ärger, weil Bauherren sich nicht an ihren Bauantrag halten, sofern sie ihn überhaupt eingereicht hatten. Diesem Wildwuchs von Schwarzbauten will nun Kreisbaumeister Christian Boiger einen Riegel vorschieben. „Ich will einem Wildwuchs nicht mehr Tür und Tor öffnen“, beklagt er Gespräch mit der Heimatzeitung.

Seit Mai 2021, als er zum Kreisbaumeister bestellt wurde, hat er es mit etlichen Schwarzbauten zu tun. Die jüngsten Beispiele stehen auf Wiesseer Gemeindegrund. Da wäre nicht nur das Luxus-Chalet im Bergwald auf dem Weg zur Holzeralm. Einst eine simple Jagdhütte, mutierte sie nach massiven Erdbewegungen, einer Kläranlage und einer Flüssiggasanlage zum Ferienhaus eines betuchten Bauherrn. Als alles fertig war, wurde der Bau erst entdeckt und aktenkundig. Das Landratsamt verfügte den Abriss. Dagegen wehrt sich der Eigentümer vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht.

Etliche Kommunen haben Probleme mit Schwarzbauten

Auch in einem anderen Fall, als der Bauherr über seinen Antrag hinausschoss und ihn wohl selbstherrlich auslegte, erfolgte der Einspruch des Landratsamts erst nach der Inbetriebnahme. Die Rede ist von Franz Haslberger und seiner Saurüsselalm im Landschaftsschutzgebiet von Bad Wiessee. Der Unternehmer aus der Baubranche ließ es zu, dass die Terrasse weitaus größer wurde, die Markise auf Metallpfosten ruht und ein sogenannter Ziegenstall eher einem Ferienhaus ähnelt. Diese Schwarzbauten rund um die Saurüsselalm beschäftigen weiterhin die Gemeinde, heute Abend etwa den Bauausschuss, und die Behörden mit Boiger als Kreisbaumeister.

Da es sich aber mit der „Revision noch um ein laufendes Verfahren“ handle, möchte der Kreisbaumeister „nicht vorgreifen“. Geklagt hatten Umweltverbände und die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT). Erst vor ein paar Tagen habe man „dort oben wieder kontrolliert“, sagt Boiger.

Die Liste von Schwarzbauten im Landkreis ist lang. Etliche Kommunen haben ihre Probleme damit. Ob es, wiederum Bad Wiessee, ein Eigentümer an der Münchner Straße schaffte, seine Immobilie so umzugestalten, dass aus dem Gastronomiebetrieb ein Autohaus wurde, ob in Tegernsee ein Haus mit Seeblick ungenehmigte Anbauten bekam, in Rottach-Egern der Schwarzbau einer Holzhütte im Außenbereich die Gemüter erhitzte, in Gmund ein Rechtsanwalt ohne Genehmigung seinen Bungalow für Asylbewerber umbauen wollte.

Einer der bekanntesten Schwarzbauten war wohl der des ehemaligen Landrats Jakob Kreidl. Als einstmals oberster Wächter über den Landkreis hätte er wissen müssen, dass die Höhe seines Einfamilienhauses nicht den eingereichten Pläne entsprach und dies Folgen haben würde. Das Landratsamt verfügte einen Baustopp.

Kreisbaumeister fordert weiteren Baukontrolleur

In Bayrischzell war es ein zu großes Parkdeck, das ohne Genehmigung bis auf Gemeindegrund ragte. Gleich mehrere Gebäude auf einem Grundstück standen in Schliersee auf dem Grundstück eines ehemaligen Gemeinderats. Insgesamt liege die Zahl von Schwarzbauten „laut Bauamt schätzungsweise im höheren zweistelligen Bereich pro Jahr“, erklärt Sophie Stadler, Sprecherin des Landratsamts.

Boiger berichtet: „Um solche Schwarzbauten künftig zu verhindern, habe ich im diesjährigen Haushalt für meinen Fachbereich Verstärkung durch einen Baukontrolleur angefordert. Dies wissen auch die Tal-Bürgermeister und haben es befürwortet.“ Die Stellungnahmen der seitens unserer Zeitung angeschriebenen Rathauschefs sind eindeutig: Johannes Hagn (Tegernsee) hält die Stelle eines Baukontrolleurs für „gerechtfertigt und nötig“. Ein Baukontrolleur in der Bauaufsichtsbehörde sei „durchaus sinnvoll und entlastend für alle Mitarbeiter der Gemeinden“, antwortet Christian Köck (Rottach-Egern). Alfons Besel (Gmund) verweist auf die „Untere Bauaufsichtsbehörde, die auch für die Baukontrolle zuständig“ sei.

Bedeckt bis Redaktionsschluss hält sich dagegen Robert Kühn (Bad Wiessee), obwohl in seiner Gemeinde die schlagzeilen-trächtigsten Schwarzbauten stattfanden. Deren Kontrolle, die bislang nur „stichprobenartig“ erfolge, will Boiger nun mit der zusätzlichen Kraft „intensivieren“. Damit könne man den Schwarzbauten „verstärkt einen Riegel vorschieben“. Klaus Wiendl

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