Schwarzfahrer löst Ticket ins Gefängnis

Ebersberg - Er liebt es, kostenlos in der S-Bahn zu sitzen. Deswegen landete ein 25-Jähriger vor dem Ebersberger Amtsgericht. Seine Gratisfahrten muss er nun teuer bezahlen: mit seiner Freiheit.

Acht Mal stieg ein junger Mann im Frühling 2010 in die S-Bahn. Acht Mal hatte er keine Lust, sich eine Fahrkarte zu kaufen. Acht Mal ließ er sich beim Schwarzfahren erwischen. Einmal sogar zweimal innerhalb einer Stunde.

Vor dem Ebersberger Amtsgericht hat Sebastian K. (Name geändert) nun ein Ticket bekommen. Ein Ticket für den Knast. Richterin Susanne Strubl verurteilte ihn wegen Erschleichung von Leistungen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten.

„Es stimmt. Ich habe mir keine Fahrkarten gekauft“, gab er vor Gericht ohne Umschweife zu. „Ich habe es einfach nicht für nötig gehalten.“ Seine Strafe nahm er mit einem Schulterzucken hin.

Eigentlich ist die Strafe mehr ein Rückfahrticket ins Gefängnis. Dort sitzt Sebastian K. ohnehin. Der Grund: Er ist das, was Juristen hinter vorgehaltener Hand „Bewährungsversager“ nennen. Die acht Fahrten hatte er nämlich in offener Bewährung begangen. Die hatte er sich wegen Nötigung, Nachstellung und Körperverletzung eingefangen. Und er verstieß massiv gegen die Bewährungsauflagen: Er verschwieg den Behörden seinen Wohnortwechsel, meldete sich nicht bei seiner Bewährungshelferin. „Ich hatte ihren Namen vergessen“, behauptete er.

Außerdem ist er ein notorischer Wiederholungstäter, einer den Strafen offenbar kalt lassen, einer der keine Einsicht kennt: Denn wenige Tage vor den acht Schwarzfahrten wurde Sebastian K. bereits verurteilt, weil er vier Mal ohne Fahrausweis durch den Landkreis zuckelte. Damals kam er eigentlich mit einer Geldstrafe davon, die er aber ersatzweise in eine 60-tägige Gefängnisstrafe umwandeln ließ und die er im Anschluss an die jetzige absitzen will. Und dann wird er für weitere sechs Monate, die ihm nun Richterin Strubl aufbrummte, hinter Gittern brüten.

„Was muss passieren, damit Sie die Dinge ernst nehmen“, fragte ihn Richterin Strubl mit Blick auf seine elf Vorstrafen. „Ich weiß, dass es nicht richtig ist, aber ich sehe das alles nicht so eng“, erklärte er.

Dann führten ihn zwei Polizisten ab.

Von Marlene Kadach

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