Hilfsdienst wehrt sich

Schwere Vorwürfe gegen Malteser: Werden mit falschen Drohungen Spenden erpresst?

Neue Vorwürfe gegen die Malteser: In Unterhaching sollen Spendensammler Druck ausgeübt haben, um an Geld für den katholischen Hilfsdienst zu kommen. Zuvor wurde schon in Neubiberg vor „Vorspiegelung falscher Tatsachen“ gewarnt.

Unterhaching – Wie berichtet, hatte bereits die Feuerwehr Neubiberg gewarnt, Mitarbeiter der Malteser würden „unter Vortäuschung falscher Tatsachen“ um finanzielle Hilfe bitten. Die Malteser haben die Sammelaktion in beiden Kommunen nun abgebrochen.

Die Anschuldigungen sind unschön: So sollen die Spendensammler gedroht haben, bestimmte Angebote müssten entfallen, wenn die Spende nicht fließe. Etwa in Neubiberg, wo der First-Responder-Dienst nicht mehr zu gewährleisten, überhaupt die medizinische Versorgung ohne Spende an die Malteser nicht im gewohnten Umfang möglich, sei. Dass es sich dabei nicht nur um eine Drohung handle, sondern auch um eine „Vortäuschung falscher Tatsachen“ hatte zunächst die Feuerwehr Neubiberg öffentlich gemacht. Denn Fakt ist: Die Malteser betreiben in Neubiberg keinen First-Responder-Dienst.

Drohung vom Ende des kostenlosen Seniorentransports - doch den gibt es gar nicht

Nun meldet die Feuerwehr in Unterhaching ganz ähnliche Fälle, dargelegt in einem offenen Brief an die Malteser im Erzbistum München und Freising. Darin teilen der Kommandant der Feuerwehr, Christian Albrecht, der Vorsitzende der Feuerwehr, Christoph Simon, sowie die Unterhachinger Gemeinderätin Claudia Köhler, die auch Mitglied im Feuerwehrverein ist, mit: Es gebe Hinweise, dass Spendensammler auch in Unterhaching mit falschen Angaben Druck erzeugt haben. Unter anderem sei mit dem Ende des kostenlosen Seniorentransports gedroht worden. Den aber bieten die Malteser im Ort gar nicht an.

Verunsicherung sei entstanden: Zahlreiche Spender hätten sich an die Feuerwehr in der Angst gewandt, die Versorgung im Notfall könnte nicht mehr sichergestellt sein. Diese Sorge sei unbegründet, stellt Albrecht klar. Spricht aber von einem „massiven Vertrauensverlust“, der bei den Bürgern im Landkreis entstehen könne. Mit seinen Mitstreitern fordert Albrecht, „für diesen sensiblen Spendendienst nur kundiges Personal einzusetzen“.

Spendensammeln ist ein Ferienjob

Bei den Spendensammlern handelt es sich um Studenten, die über eine Agentur für Ferienjobs zu den Maltesern kommen, teilt Gabriele Rauecker mit. Sie ist bei dem Hilfsdienst zuständig für Fundraising und Mitgliederwerbung. Und: Sie selbst ist es, die die jungen Leute schult, ehe sie im Landkreis München von Haustür zu Haustür gehen. Mit einigen von ihnen habe man bereits häufiger zusammengearbeitet. Insgesamt seien zwischen 50 und 60 Studenten im Einsatz. 

Der Verdienst hängt ab vom Erfolg. Heißt: Je mehr Spenden einer sammelt, umso höher sein Verdienst. Dass ein solches System dazu verführen kann, mit Drohungen und Druck ein paar Euro mehr einzusammeln, weiß auch Rauecker. Eine Alternative gibt es in ihren Augen jedoch nicht. Spendensammler aus den eigenen Reihen loszuschicken, wie das etwa die Feuerwehr Unterhaching macht, sei nicht möglich. Dazu fehle ihnen die Motivation. Wer sich bei den Maltesern ehrenamtlich engagiere, wolle anderen Menschen helfen, nicht um Spenden bitten.

Rauecker ist bemüht, den Schaden zu begrenzen: Es gab ein Gespräch mit dem Werber, der in Neubiberg unterwegs war. Und sie hat sich telefonisch bei der Feuerwehr Neubiberg entschuldigt, den „Fehler“ mit dem First-Responder-Dienst eingeräumt. Für Kommandant Hannes Degen ist die Sache damit „erst einmal erledigt“ – auch in der Hoffnung, dass nicht die Malteser selbst die Studenten dazu anhalten, Druck aufzubauen. Sondern, dass es ein Einzelner war, „der übers Ziel hinausgeschossen ist“. Gabriele Rauecker spricht von einem „Missverständnis“, das in Neubiberg passiert sei.

Malteser wehren sich gegen Vorwürfe: Das ist keine Masche

Im Antwortschreiben auf den offenen Brief aus Unterhaching heißt es, es handle sich „um individuelle Fehler“, die „nicht gänzlich“ ausgeschlossen“ werden könnten. Dem gegenüber stünden „viele positive Kontakte“ der Werbebeauftragten im Landkreis München“, die belegten, dass die Malteser ihr Ziel „fair und respektvoll aufzutreten“, sehr oft erreichten. „Ich verwehre mich dagegen, dass wir Werbung machen mit falschen Aussagen. Das ist keine Masche“, sagt Rauecker am Telefon. Außerdem weist sie darauf hin, dass sich in keinem Fall ein Spendenwilliger bei den Maltesern beschwert habe. Wer sich bedroht fühle, könne umgehend die Malteser verständigen.

In Neubiberg und Unterhaching jedenfalls ist die Spendensammlung ausgesetzt. „Das hat keinen Sinn mehr gemacht, nachdem diese Vorwürfe öffentlich waren“, sagt Rauecker.

Rubriklistenbild: © dpa

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