Stabsunteroffizier vor Gericht

Soldat infizierte Kameraden mit HIV

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In der Pöckinger ­Kaserne steckte Steven P. einen Kameraden mit dem HI-Virus an – jetzt steht er vor Gericht.

München - Stabsunteroffizier Steven P. verheimlichte seinem Kameraden Jörg Z. seine HIV-Infektion - und steckte ihn durch ungeschützten Sex an. Jetzt begann der Prozess.

"Als Soldat habe ich gelernt: Ein Kamerad lügt mich nicht an.“ Ehre und Kameradschaft – daran hatte Jörg Z. (34) bei der Bundeswehr geglaubt, weit über den Dienst hinaus. Es ist der schwerste Fehler seines Lebens: Denn als er Sex mit seinem Kameraden Steven P. (27) hat, verhütet er nicht und infiziert sich mit dem tödlichen HI-Virus, den P. schon Jahre in sich trägt, aber verheimlicht. „Ich habe ihn noch gefragt: Bist du gesund? Er sagte Ja“, schildert Jörg Z. vor dem Landgericht. Dort wird P. seit Mittwoch der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung gemacht. Die Anklage-Vorwürfe räumt er ein.

Der AIDS-Skandal: Mitte September 2009 ist Stabsunteroffizier Steven P. in Pöcking am Starnberger See stationiert, in der General-Fellgiebel-Kaserne lernt er Jörg Z. kennen. Sie chatten im Internet, verabreden sich abends zum Sex in der Stube. „Es gab nur dieses eine Treffen“, sagt das Opfer. Danach ist sein Leben nicht mehr dasselbe: „Neun Wochen später schrieb mir Steven wieder – ich hatte gerade Dienstschluss, es war Freitag, der 13. Er sagte: ‚Ich bin HIV positiv. Du musst dich auch testen lassen, aber da wird nichts sein.‘“ Später ergänzt P.: „Ich wusste selbst nichts von der Krankheit.“ Eine Lüge!

Die Kaserne in Pöcking.

Vor Gericht gibt er zu, sich bereits 2007 infiziert zu haben – wenige Monate nachdem er sich für zwölf Jahre als Fernmelder verpflichtet hat. Trotzdem hat er ungeschützten Sex mit Männern und steckt im Spätsommer 2009 nachweislich auch einen anderen Kameraden (28) in der Feldafinger Kaserne an. Ein Jahr später entlässt ihn die Bundeswehr aufgrund dieses Sex-Skandals unehrenhaft, das Amtsgericht Starnberg verurteilt P. zu zwei Jahren und drei Monaten Haft. „Erst als ich diesen Fall in der Zeitung las, habe ich Steven auch angezeigt“, sagt Jörg Z. Er spricht leise, mit trauriger Stimme. Sein Gesicht ist gedrungen, die Augenlider hängen schwer. „Seit April 2010 nehme ich Medikamente – wohl bis zu meinem Lebensende.“

Steven P. folgt der Verhandlung mit hängendem Kopf. „Es tut mir leid, das ist blöd gelaufen“, murmelt er als Entschuldigung. Seine Stimme und Haltung wirken wie die eines Schülers beim Rapport: schüchtern und geknickt. Im Knast arbeitet er in der Werbeabteilung der Schneiderei, verdient zehn Euro pro Tag – draußen drücken ihn 14 000 Euro Schulden. Seit August 2012 habe er einen neuen Freund. „Er weiß alles und hält zu mir“, sagt der Angeklagte. Mehr als Knast-Besuche wird die beiden aber künftig nicht verbinden, denn Steven P. drohen in Summe fünf Jahre Haft.

Andreas Thieme

tz-Stichwort: HIV

1983 wurde das HI-Virus entdeckt, noch immer kann es durch den Ausbruch zur tödlichen Krankheit AIDS führen, bei der die körpereigene Immunabwehr versagt. Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist einer der Hauptansteckungsgründe. Rund 78 000 Erkrankte gibt es in Deutschland – homosexuelle Kontakte unter Männern machen etwa zwei Drittel aller Infektionen aus.Wenn die Infektion aber früh erkannt und behandelt wird, kann der Patient mithilfe von Medikamenten oft ebenso alt werden wie nicht-­infizierte Menschen. Ein AIDS-Test bringt Sicherheit: Ihn bietet etwa das Gesundheitsamt an, auch die Beratungsstelle Checkpoint (Lindwurmstr. 71, Tel. 089/54 333  666) hilft. Wichtig: Jeder positive Erstbefund muss durch eine Zweitprobe bestätigt werden. Mehr Infos gibt’s im Internet unter: www.­muenchner-aidshilfe.de/

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