Sedlmayr-Mörder wieder vor Gericht

Freising - Einer der beiden Sedlmayr-Mörder steht seit Donnerstag vor dem Amtsgericht Freising: Der 66-Jährige soll im März vergangenen Jahres einen jungen Mann sexuell genötigt haben.

Die Mörder des Schauspielers Walter Sedlmayr waren 1993 in einem aufsehenerregenden Prozess zu jeweils lebenslanger Haft verurteilt worden. Einer der beiden, der seit 2007 wieder auf freiem Fuß ist, stand gestern erneut vor Gericht: wegen Diebstahls, versuchter Sachbeschädigung, Beleidigung und Nötigung. Der andere Mörder ist der Halbbruder des Angeklagten. Er wurde 2008 aus der Haft entlassen und verfolgte die Prozesseröffnung zusammen mit seiner Gattin im Publikum.

Doch viel zu sehen gab es nicht: Bereits nach wenigen Minuten war die Verhandlung zu Ende – und so kam der Angeklagte gar nicht zu Wort. Zur Überraschung der Prozessbeteiligten war ausgerechnet das Opfer, ein 18-Jähriger aus Sachsen, der Verhandlung fern geblieben. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete das Gericht deshalb ein Ordnungsgeld in Höhe von 400 Euro, ersatzweise acht Tage Haft, gegen den jungen Mann an.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte den 18-Jährigen unter einem Vorwand in der Nacht auf den 12. März 2010 in der Freisinger Altstadt in seinen Mercedes gelockt. Zwischen 2 und 3 Uhr soll der in Erding lebende 66-Jährige beobachtet haben, wie sich sein mutmaßliches Opfer von einer Bekannten trennte. Der Angeklagte fragte daraufhin, wohin der Chemnitzer wolle und bot sich an, ihn zu chauffieren. Kaum unterwegs, habe der Angeklagte seinen Mitfahrer gefragt, ob er bereit sei, ihm für 20 Euro sexuelle Dienste zu leisten. Bevor der angetrunkene Junge in der Lage war, zu reagieren, habe ihn der 66-Jährige unsittlich berührt. Daraufhin habe der 18-Jährige den Angeklagten gebeten, die Fahrt kurz zu unterbrechen. Der Chemnitzer habe die Gelegenheit genutzt, seinem vermeintlichen Peiniger zu entkommen.

Doch der Angeklagte soll ihm zu Fuß nachgesetzt haben. Als der 18-Jährige sein Handy in die Luft hob, um den Angreifer zu fotografieren, soll dieser ihm das Gerät aus der Hand geschlagen haben. Erst dann sei dem 18-Jährigen die Flucht gelungen.

Weshalb die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten keinen sexuellen Missbrauch vorwirft und nur Nötigung angeklagt hat, wird sich im Verlauf der Verhandlung klären. Der unterbrochene Prozess soll voraussichtlich im Juli wieder begonnen werden. Sollte das Opfer wieder nicht erscheinen, bestehe die Verteidigung darauf, den 18-Jährigen von der Polizei vorführen zu lassen. Es sei offensichtlich, dass der Heranwachsende die Konfrontation mit seinem angeblichen Peiniger scheue. Sämtliche Vorwürfe seien erfunden. Das Gericht beließ es aber dabei, den Chemnitzer offiziell zu laden.

Der 18-Jährige hatte gestern zehn Minuten vor Sitzungsbeginn das Gericht informiert, dass er sich die Fahrt nach Freising nicht leisten könne: Am Vortag sei ihm die Geldbörse gestohlen worden.

Andreas Sachse

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