Sie feierten ihm zu laut

Kapitän schmeißt in Tutzing Handballer von Dampfer

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In Feierlaune waren Spieler und Betreuer des BSC Urberach. Die Handballer aus Hessen feierten ihren Aufstieg am Starnberger See. Rolf Läkamp (rechts, blaues Hemd) kümmerte sich am Tutzinger Hof um die 34 Gäste.

Hessische Handballer haben ihren Aufstieg in Tutzing gefeiert. Bei einer Schiffstour auf dem Starnberger See endete die Freude – sie durften nicht weiterfahren. Der Vorwurf: zu laut.

Tutzing – Viel besser hätte es für die Handballer vom BSC Urberach nicht laufen können. Die zweite Mannschaft des hessischen Vereins steigt auf, die erste hält die Klasse. Beste Stimmung bei der Abschlussfahrt zum Starnberger See war also vorprogrammiert. „Wir haben immer vier Tage voller Programmpunkte“, sagt einer der Trainer. Trotz oder gerade wegen der guten Stimmung kam es aber zu einem Zwischenfall. Bei einer Rundfahrt mit der MS Seeshaupt wurde die 34-köpfige Gruppe von Bord geworfen. „In ganz miesem Ton“, hadert der Trainer.

Handballer betont: „Es hat sich keiner übergeben, es wurde nichts beschädigt“

Was war passiert? Pünktlich um 15.26 Uhr steht die Gruppe für die Südliche Rundfahrt am Steg in Tutzing. Es regnet, nur wenige Menschen sind an Bord des 800-Personen-Schiffs. Dort spielen die Handballer auf einer mitgebrachten Musikbox laut Feierlieder ab. Bordpersonal ermahnt sie. Die Musik ist aus. Für kurze Zeit. „Dann wurde sie wieder angemacht“, gibt der Trainer zu – wirbt aber um Verständnis. „Es war Aufstiegsstimmung. Da ist es schwer, 34 Leute ruhig zu halten.“ Es seien keineswegs nur Junge gewesen. „Von 18 bis 65 Jahren war alles dabei.“ Gestört habe es die anderen Fahrgäste nicht. „Ein, zwei haben mitgeschunkelt.“ Es seien „ordentlich Getränke geordert“ worden. „Es hat sich aber keiner übergeben, es wurde nichts beschädigt.“

Darüber, wie die Situation an Bord der MS Seeshaupt wirklich war, gibt es unterschiedliche Ansichten.

In Tutzing endete aber die Fahrt – den Antritt einer weiteren Tour lehnte der Kapitän ab. Zur geplanten Feier im Undosa in Starnberg mussten die Handballer per S-Bahn. „Dort haben wir auch gesungen – sind aber nicht des Hauses verwiesen worden.“ Spät am Abend ging es zurück zur Unterkunft im Tutzinger Hof. Dort kümmerte sich Hotelier Rolf Läkamp um die Handballer: „Wir haben noch bis halb 3 gefeiert.“ Er schaute mit ihnen zusammen Fußball, organisierte ihnen zudem den örtlichen Fußballplatz. Über die Ablehnung auf der MS Seeshaupt schüttelt er den Kopf: „Kunden sollten sich wohlfühlen.“

Die Entschuldigung kam nach eineinhalb Stunden zu spät

Betriebsleiter Ralph Schlemmert von der Schifffahrt Starnberger See hat mit dem Bordpersonal über den Vorfall gesprochen. Er sagt über die Handballer: „Sie waren schon am Steg gut drauf und angetrunken. Wir haben sie trotzdem mitgenommen.“ An Bord „haben sie dann lautstark gesungen und auf Handys Musik abgespielt, das wurde immer lauter.“ Nachdem sich Fahrgäste beim Kapitän beschwert hätten, habe dieser eine Durchsage gemacht. „Auch die Mannschaft hat sie mehrmals aufgefordert, ruhig zu sein. Es hat alles nichts genutzt.“ Insgesamt seien bis zu 50 Gäste an Bord gewesen. Wenn die sich gestört fühlten, müsse man handeln.

„Die anderen Gäste haben ‘Gottseidank‘ gesagt“, berichtet Schlemmert. „Es war ein sehr erfahrener Schiffsführer und völlig richtig. So benimmt man sich einfach nicht.“ Zwar habe es Entschuldigungen gegeben. „Sie wurden kleinlaut – aber die Entscheidung war getroffen.“ Die Bedenken für die Weiterfahrt seien zu groß gewesen. „Sie hatten eineinhalb Stunden nicht auf die Mitarbeiter gehört.“ Immerhin sagt der Trainer: „Es war wirklich ein tolles Schiff.“ Die Abschlussfahrt würden die Handballer nicht in schlechter Erinnerung behalten.

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