Es wird „Geisterschloss“ genannt

Fehlstart für neues Luxushotel am Starnberger See: Harsche Kritik von Gästen 

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Der Schnee im Januar hat die Baustellen auf den Außenanlagen des Hotels gnädig überdeckt.

Knapp neun Monate hat das Hotel „Starnbergsee Hideaway“ am Starnberger See geöffnet, doch der erhoffte Gästemagnet ist es bislang nicht. Nun stand sogar im Raum, das Hotel vorübergehend zu schließen.

Seeshaupt – Es ist ein verschneiter Nachmittag im Januar, als Wolfgang Neumayer die nahezu menschenleere Lounge des Hotels „Starnbergsee Hideaway“ betritt. Während er sich auf einer der braunen Ledercouches niederlässt, hat draußen bereits die Dämmerung eingesetzt; der Starnberger See ist nur noch schemenhaft zu erkennen. „Man muss den Geist des Hotels riechen und spüren“, sagt Neumayer. Der Architekt – breite Schultern, Rollkragenpullover, Blazer – fungiert als Berater für den Hoteldirektor, den Kölner Investor Lars Kaiser, der das Grundstück 2009 übernahm und im Mai 2018 das Hotel eröffnete. Der Geist, von dem Neumayer spricht, soll sich durch eine Hoteloase im englisch-französischen Landhausstil auszeichnen. Klassisch, zeitlos, elegant.

Harsche Kritik im Netz: Starnbergsee Hideaway ist ein „Geisterschloss“

Wer Rezensionen im Internet liest, stößt immer wieder auf Lob für die Inneneinrichtung. Doch auch auf Kritik. Nicht selten harsche. Der Geist des Hotels offenbare sich manchmal mehr als Geisterschloss denn als Hoteloase: Zu viele Baustellen, zu schlechter Service, zu oft sei die Rezeption unbesetzt. Für ein Hotel, das Vier-Sterne-Superior-Klasse haben will, ist das bedenklich.

Barbara Koch leitet das Hotel seit Mitte September vor Ort. Wolfgang Neumayer berät sie und Investor Lars Kaiser.

Barbara Koch, bunte Jacke, weißes Haar, freundliches Gesicht, leitet seit Mitte September als Gastgeberin die Geschäfte vor Ort. Die Weilheimerin kennt die Kritiken. Jede negative Rezension geht ihr persönlich nah. Das ist ihr anzumerken. Deshalb will sie auch alle Kritiken persönlich beantworten. Bei den meisten gelingt es ihr. Sie versucht, das Hotel mit familiärem Charme zu retten, nachdem viel versprochen und wenig gehalten wurde.

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Es gibt noch immer einige Baustellen auf dem Hotelgelände

Denn zur Wahrheit gehört auch, dass es noch immer einige Baustellen gibt. Auf der Außenanlage des Hotels sollte eigentlich längst eine Grünfläche mit Parkcharakter entstanden sein. Auch einen Außenpool hatte Geschäftsführer Kaiser für August 2018 versprochen, ein Butler-Service sollte eingerichtet und mehr Personal eingestellt werden. Doch die Baustellen gibt es noch, einen Butler-Service sucht man vergebens und das Personal ist überschaubar. Woran liegt es also, dass Anspruch und Realität auseinander klaffen?

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Dass die Grünflächen noch immer fehlen, erklärt Barbara Koch mit dem extremen Wetter im Sommer. „Die Dürre hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Und der versprochene Außenpool? Fehlt es an Geld? Nein, sagt Barbara Koch. Es sei schlicht eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Ein Pool hätte sich bislang nicht rentiert. Geldprobleme gebe es aber keine. 

Was ist denn nun mit einem Außenpool für das „Starnbergsee Hideaway“?

Viel Lob bekommt die Inneneinrichtung des Hotels. In der Lounge steht ein Flügel.

Nur ist Barbara Koch zwar Gast-, aber nicht Geldgeberin. Wer es wissen muss, ist Investor Lars Kaiser. Der Kölner ist schwer zu erreichen. Nach vielen Anrufversuchen meldet er sich per E-Mail. Zum versprochenen Pool schlägt er andere Töne an. „Ein ganzjährig beheizter Außenpool ist sicherlich eine sinnvolle Ergänzung für ein Vier-Sterne-Superior-Hotel, aber nicht für ein Business-Hotel“, sagt er.

Doch was immer das Hotel sein will – damit es läuft, braucht es ausreichend Personal. 20 Mitarbeiter waren geplant, fünf feste und vier freie Beschäftige gibt es derzeit. Man wolle, aber könne nicht, sagt Barbara Koch. „Wir haben Schwierigkeiten, gutes Personal zu finden.“ Neben den hohen Anforderungen schätzt sie auch die schlechte öffentliche Anbindung als Problem ein. Da müsse ihnen die Gemeinde entgegenkommen. „Taxis sind für Angestellte, die kein Auto haben, einfach zu teuer.“

Doch immerhin: Seit kurzem gibt es einen Koch. „Wir müssen nur dahin kommen, an sieben Tagen in der Woche die Küche öffnen zu können“, sagt Barbara Koch. Bis Ende März werde sich daran jedoch nichts ändern, sagt Kaiser. In den Wintermonaten sei einfach zu wenig los. „Wir sind zu etwa 30 Prozent ausgelastet, aber im Januar und Februar ist es normal, dass tote Hose ist“, sagt Neumayer. Doch auch über Weihnachten mangelte es an Gästen. „Da haben wir zu spät Werbung gemacht“, räumt Barbara Koch ein. Einzig über die Jahreswende betrug die Auslastung 100 Prozent.

Hat das „Starnbergsee Hideaway“ zu früh eröffnet?

War angesichts der Schwierigkeiten das Soft Opening im Mai ein Fehler? Wolfgang Neumayer und Barbara Koch sehen es inzwischen kritisch. „Die Öffnung war sicher zu früh. Besser wäre es gewesen, zwei oder drei Monate später mit Pauken und Trompeten zu eröffnen“, sagt Neumayer. Auch Barbara Koch räumt ein, dass man viel „zu forsch“ geworben habe. Anders äußert sich Lars Kaiser. „Die frühe Eröffnung bereuen wir nicht, weil wir auf einen erfolgreichen Sommer zurückblicken können und wichtige Erfahrungen gemacht haben, um unser Produkt zu entwickeln.“

Das Produkt, wie Kaiser es nennt, hat derzeit 30 Zimmer. Bereits länger genehmigt sind außerdem zwei Kavaliergebäude mit 50 weiteren Zimmern. Doch die scheinen in weiter Ferne. Solange die Zusammenarbeit mit Roche nicht vertieft werden könne oder ein anderer Partner für ganzjährige Auslastung sorge, brauche über eine Erweiterung nicht nachgedacht werden, sagt Kaiser. Zwar kooperiere man mit Roche, nur werfe das nicht die Umsätze ab, die man sich vorgestellt habe.

Mausert sich das „Starnbergsee Hideaway“ zum Wellnesshotel?

Die entscheidende Frage, sagt er, sei, ob sich das „Starnbergsee Hideaway“ als Wellness-Hotel etablieren könne. Der Wellness-Bereich sei jedenfalls gut besucht, erzählt Barbara Koch. Dank einer Kooperation mit Gruber Kosmetik aus Rottach-Egern am Tegernsee, die laut eigener Webseite „erste Schönheitsfarm Europas“. Gruber Kosmetik mietet die Räumlichkeiten im Wellness-Bereich an und lockt so Tagesgäste ins Hotel.

Allein: Der Wellness-Faktor scheint bislang nicht zu reichen. Was also wird aus dem Hotel? Neumayer sieht noch immer die Chance, das „Hideaway“ zum Leader-Hotel am Starnberger See zu machen. Man müsse Geduld haben und da habe sich Kaiser inzwischen angepasst. Nur: „Er muss jetzt in den sauren Apfel beißen und weiter investieren“, sagt er. „Meiner Meinung nach schreit der Starnberger See nach einem internationalen Top-Hotel, denn es gibt in der Klasse keine Konkurrenz.“

Lars Kaiser sieht das anders. Gerade die fehlende Konkurrenz moniert er. Es sei notwendig, in der Umgebung leistungsstarke Mitbewerber zu haben. Oder zumindest ein gutes gastronomisches und kulturelles Angebot. „Uns war natürlich bekannt, dass dies in einem Ort mit 3000 Einwohnern nicht vorhanden ist“, sagt Kaiser.

Hoffnung setzte er deshalb umso mehr in ein hochwertiges Wellness-Angebot und die Natur. Nur, beklagt er, die Wanderwege seien schlecht ausgeschildert und für die Gäste kaum zu finden. Außerdem sei die Werbung für den Starnberger See viel zu gering. Für vergleichbare Gemeinden in Südfrankreich gäben Tourismusverbände das 1000-Fache aus. Dass sich daran etwas ändert, ist nicht absehbar. Wie ist also der Plan für das „Starnbergsee Hideaway“?

Vom Luxushotel zur Burnout-Klinik?

Eine Burnout-Klinik, wie kürzlich angedacht, werde es jedenfalls nicht. „Dieses Grundstück bleibt Hotel“, versichert Barbara Koch. Und auch für Kaiser scheinen die Pläne vom Tisch. Wegen der schlechten Auslastung spielte Kaiser mit dem Gedanken, das „Hideaway“ für einige Monate zu schließen. „Das haben wir ihm aber zu 98 Prozent ausgeredet“, sagt Koch. Und Kaiser bestätigt, „dass der Hotelbetrieb nicht geschlossen wird“. Aus Sicht von Barbara Koch wäre eine Schließung sowieso fatal. Vielmehr ist sie sich sicher, dass der Betrieb im März wieder Fahrt aufnimmt. „Es wäre verkehrt gewesen, denn wir sind dabei, das Haus voranzutreiben. Wir haben unsere Gastronomie offen und auch Einheimische kommen.“

Dabei war gerade von Einheimischen immer wieder Kritik zu hören. Das Verhältnis zum Hotel gilt als belastet. Kaiser hält dagegen. Er sagt, dass er das „als weltoffener und fröhlicher Rheinländer nicht als schwierig einstufe“. Man habe nur zu wenig mit den Menschen vor Ort kommuniziert, sodass es zu vielen Gerüchten gekommen sei. Was versäumt wurde, wolle man gutmachen. Auch deswegen bietet die Hotelführung in den nächsten Wochen einen Tag der offenen Tür an. Doch wer kommen wolle, könne das jetzt schon tun, so Neumayer. „Wir haben eine offene Haustür.“

Von Christoph Zempel

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