43-Jähriger stirbt in seiner Wohnung

SEK-Einsatz bei Garchinger Reichsbürger: Das sagen die Anwohner

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Info für einen Anwohner: Dieser Polizeibeamte beruhigt die Garchinger.

Am Ende des mehrstündigen SEK-Einsatzes in Garching ist ein Reichsbürger tot. Die Anwohner müssen ihren Häusern länger fernbleiben - das finden sie weniger lustig.

Garching - Er wollte keine Steuern mehr zahlen und auch seine Waffen nicht abgeben. Ein Reichsbürger (43) versetzte am Dienstag seine Nachbarschaft in Garching in Angst und Schrecken - jetzt ist der Mann tot.

Es war eine Tat mit Ansage: Dienstagfrüh fanden Bewohner des Hauses im Mühlfeldweg 19 einen handgeschriebenen Zettel im Treppenhaus. Darin kündigte der 43-Jährige, der im zweiten Stock wohnte, seinen Freitod an. Die entsetzten Bewohner alarmierten die Polizei. Diese rückte mit einem Spezialeinsatzkommando und rund 80 Mann aus.

Viertel muss geräumt werden

Der Mann war bei der Polizei und der Gemeinde als militanter Reichsbürger bekannt. Das ganze Viertel musste beim Einsatz geräumt werden. Die Schüler der benachbarten Grundschule Garching-Ost und des Werner-Heisenberg-Gymnasiums konnten nicht nach Hause und mussten in ihren Klassen warten.

Derweil begann für die Einsatzkräfte ein wahrer Nervenkrieg: Nachdem die Kontaktaufnahme mit dem Mann gescheitert war, hatte die Polizei um 10 Uhr sämtliche Bewohner des Mehrfamilienhauses im Mühlenfeldweg 19 aus ihren Wohnungen geholt. Ab Viertel vor elf war das Gebiet zwischen Professor-Angermair-Ring, Mühlenfeldweg und Angerlweg komplett abgeriegelt. An den Absperrungen standen viele Feuerwehr- und Sanitätsfahrzeuge.

Aufregung in Garching: Mehrere schwerbewaffnete sind vor Ort.

Waffen in der Wohnung

Das ließ darauf schließen, dass die Polizei mit allem rechnete. „Wir gingen davon aus, dass er Waffen in der Wohnung hat. Er hat sich nämlich seit Monaten geweigert, diese beim Landratsamt abzugeben“, berichtete Polizeisprecher Christoph Reichenbach.

Der Mann war aktiver Reichsbürger. Die Gruppierung lehnt den deutschen Staat und die deutsche Rechtsordnung ab. Er weigerte sich Steuern zu bezahlen, weil - so teilte er es Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) schriftlich mit - „die Stadt sein Geld dafür verwendet, Neger zu versorgen”.

Notarzt kann nur noch Tod feststellen

Um kurz vor 13 Uhr dann der Zugriff des SEK. Glas klirrte - wenige Minuten später die schlimme Nachricht: Der Mann wurde blutüberströmt in seiner Wohnung gefunden, der Notarzt konnte noch den Tod feststellen. Ob sich der Reichsbürger selbst gerichtet hat oder beim Polizeieinsatz starb, ist noch nicht offiziell bekannt.

Einige Mütter, die ihre Kinder aus der Schule holen wollten, schimpften über die spärliche Infopolitik der Polizei. „Mein Dominik geht in die dritte Klasse. Wenn der so viel Polizei sieht und erfährt was da los war - da schläft der nie wieder!“, sagte eine Mutter, eine Zigarette hektisch nach der anderen inhalierend.

Auch Fatos Kurt wollte ihre beiden Mädchen Dilan und Helen aus der Grundschule abholen. „Ich stamme aus dem syrisch-türkischen Grenzgebiet, ich kenne das aus meiner Kindheit. Schlimm, dass wir das auch in Garching haben!“ Polizeisprecher Reichenbach versichert, dass keine Gefahr für die Schüler bestand.

Bert Brosch

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