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Krebssterben in der Sempt? Spaziergänger entdecken immer wieder „Kadaver“ - Biologe klärt auf

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Von: Hans Moritz

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Gehäuteter Krebs: So sehen die Tiere lebend aus. © Thomas Schreder

Mysteriöses Krebsrätsel in der Sempt: Immer wieder entdecken Spaziergänger dort vermeintliche Kadaver. Doch was steckt wirklich hinter dieser Beobachtung? Wildbiologe Thomas Schreder klärt auf.

Erding - „Es sind keine toten oder kranken Krebse, sondern die leeren Krebspanzer der Signalkrebse, die die Krustentiere abstreifen müssen, um wachsen zu können“, sagt der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes. „Anders als die Säugetiere können Krebsartige nur wachsen, wenn sie ihr Außenskelett komplett abstreifen. Dabei wird der Panzer in jedem Detail abgestreift.“ Für Schreder ist das eine gute Gelegenheit, um Präparate für die Umweltbildung zu bekommen.

Krebssterben in der Sempt? Biologe gibt Entwarnung

Krebse, so berichtet er, leben meist versteckt am Boden des Gewässers und sind als Allesfresser eine Art Müllabfuhr am Gewässergrund. Aber auch Fischlaich steht auf ihrem Speiseplan. „Daher ist eine zu starke Vermehrung für die heimische Fischvielfalt durchaus ein Problem“, erklärt Schreder.

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Der Umweltreferent der Stadt Erding weist darauf hin, „dass die derzeit in der Sempt vorkommenden Krebse die ursprünglich heimische Art, den Edelkrebs, vollständig verdrängt haben“. Schon vor vielen Jahrzehnten seien die amerikanischen Signalkrebse, die bis zu 15 Zentimeter groß werden, in Bayern eingeführt worden, um deren Fleisch zu vermarkten.

Das Krebsrätsel von der Sempt: Tiere streifen Panzer ab

Unbemerkt habe sich damit der Krebspest-Erreger eingeschlichen und damit viele der heimischen Krebsarten vernichtet. „Leider bekommen wir den Erreger nicht mehr aus der Sempt heraus.“ Heimische Arten haben folglich keine Chance.

Schreder, der auch als Konsortiumsfischer an der Sempt selbst aktiv ist, merkt im Zuge der Krebsbeobachtungen kritisch an, dass die ständig zunehmende Verschlammung der Sempt vielen Arten, die sauerstoffreiche und saubere Kiesbänke brauchen, stark zu schaffen macht. „Dem Signalkrebs ist der Schlamm egal, er fühlt sich in der Sempt sehr wohl und vermehrt sich stark“, erklärt der Experte. ham

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