"Er hat schon immer Mist gebaut"

Sex-Bestie: So war Matthias M. als Schüler

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Auf dem Klassenfoto aus dem Schuljahr 2000/2001 sitzt Matthias M. links unten und hält die grüne Kreidetafel.

Herrsching - Bei seinem ehemaligen Rektor und seinen einstigen Schulfreunden herrscht Fassungslosigkeit über die Tat von Sex-Bestie Matthias M. († 28). Sie schildern, wie er als Schüler war.

Das Klassenfoto aus dem Jahr 2000 zeigt 22 Jugendliche – manche lächeln, andere schauen schüchtern. Und einer von ihnen wurde zum brutalen Vergewaltiger, bevor er sich vor den Zug warf. Er sitzt links unten in der ersten Reihe, lässig hält er das kleine Kreideschild mit der Aufschrift 9a. Es ist Matthias M. († 28), die Sex-Bestie von Herrsching – im Alter von 15 Jahren!

Florian Thurmair (r.) ist Rektor der Christian-Morgenstern-Volksschule. Das Foto links zeigt Matthias M. bei einem Prozess.

Seit der fünften Klasse ging Matthias M. auf die Christian-Morgenstern-Schule. „Wir sind sehr betroffen, weil er unser Schüler war. Er hat bei uns die Volksschule nach der neunten Klasse beendet und seinen Abschluss gemacht“, sagt Rektor Florian Thurmair. M. galt als Klassenclown, seine Leistungen schwankten. „Von seiner ehemaligen Klassenlehrerin habe ich die Information, dass Matthias ein schwieriger Schüler war. Er war disziplinarisch auffällig, hat öfter die Hausaufgaben nicht gemacht und den Unterricht gestört.“

Der Rektor weiter: „Gewaltexzesse gegen andere Schüler sind mir nicht bekannt, auch gestohlen hat er in der Schule nicht.“ Aber nach der Schulzeit rutschte Matthias M. immer weiter ab, wurde zum Intensivstraftäter mit 130 Einträgen im Polizeicomputer und landete schließlich jahrelang im Knast. „Wo sein Weg dann so schief gegangen ist, ist für uns schwer zu beurteilen. Vielleicht hat das mit seiner Vergangenheit und seiner Kindheit zu tun. Ich vermute, es gab Probleme im Elternhaus“, sagt Thurmair.

Enge Freunde von früher bestätigen das. „Matze hatte eine schwierige Kindheit. Seine Mutter starb früh, er wuchs bei seiner Tante Brigitte auf“, sagt Marco. T. (Name geändert) – er war in der Grundschule M.’s bester Freund und Nachbar in Hechendorf. „Matze hat schon immer Mist gebaut. Er war von Kleinauf ein Lausbub“, sagt Marco. „Kleine Jungenstreiche waren bei ihm an der Tagesordnung. Aber dass er zu so einer grausamen Tat fähig ist, hätte sicher niemand gedacht.“

Daniel P. (Name geändert) kennt den brutalen Sex-Täter aus Jugendzeiten, wohnte in Herrsching ganz in der Nähe. „Matthias war sehr bekannt in der Ortschaft. Aber beliebt war er nicht.“ Denn unter den Jugendlichen galt er als durchgeknallt und unberechenbar. „Ich wollte dann keinen Kontakt mehr zu ihm haben.“ Nach tz-Informationen besuchte M. vorübergehend auch eine Therapie-Einrichtung in Peiting, in der unter anderem Menschen mit Suchterkrankungen betreut werden. Auch in seinem Heimatort Hechendorf soll er mehrfach eingebrochen sein, sogar bei Bekannten.

Später bedeuteten mehrere Knast-Aufenthalte tiefe Einschnitte in M.’s Leben. Zuletzt arbeitete er als Heizungsbauer in München. Warum sein Leben dermaßen auf die schiefe Bahn geriet, wird Opfer Johanna L. (25) wohl nie erfahren – denn der Täter ist tot. Auch die Polizei ermittelt nicht weiter. „Für uns ist der Fall abgeschlossen“, sagt Sprecher Hans-Peter-Kammerer.

Andreas Thieme

Die Chronologie einer unfassbaren Tat

Die Hechendorfer Straße in Herrsching: Hierhin rettete sich Johanna L. (25, Name geändert), nachdem Matthias M. († 28) sie am 18. Mai gegen 3.25 Uhr nachts vom Radl prügelte, im Wald vergewaltigte und mit seinem Golf überfuhr. Eine Spaziergängerin fand Sonntagmorgens ihre Unterhose am Tatort. Die Studentin war ein Zufallsopfer. Der Täter vertraute sich einem Arbeitskollegen an, warf sich dann vor einen Zug. Die Polizei ermittelte einen schwarzen 3er-Golf als Tatfahrzeug.

tz

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