Urteil wegen Mordes an Ehefrau

„Sie hatte nicht den Hauch einer Chance“

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Eine grausame Tat hinter idyllischer Fassade: In einer Haushälfte in Schäftlarn im Landkreis München tötete Michael N. seine Frau Sandra mit einem Küchenmesser.

Schäftlarn - Michael N., der seine Frau und die Mutter seiner vier Kinder erstochen hat, muss lebenslang ins Gefängnis. Das Schwurgericht verurteilte ihn wegen Mordes, weil er heimtückisch auf seine Frau losgegangen sei.

Es war eine kleine SMS, die das Fass zum Überlaufen brachte. Eine kleine SMS, die in einem großen Drama endete. „Ich mag dich sehr und vermisse dich den ganzen Tag“, schrieb einer ihrer Liebhaber an Sandra N. (37). Es folgte ein Streit mit ihrem Mann Michael (47), in dessen Verlauf er zum Messer griff und auf sie einstach. So schnell, dass sie sich nicht mehr wehren konnte. Heimtückisch, sagt das Schwurgericht München I. Deshalb verurteilte es den promovierten Juristen Michael N. aus Schäftlarn (Kreis München) wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Detailliert schildert der Vorsitzende Richter Michael Höhne in der Urteilsbegründung, wie die Ehe des Paares verlief. Wie sich die Probleme immer stärker zuspitzten. Wie die Ereignisse auf die Katastrophe zuliefen, die sich am 25. Juni 2012 im idyllischen Ortsteil Ebenhausen zutrug. Höhne schildert Michael und Sandra N., dessen frühere Assistentin, als „absolut konträre Persönlichkeiten“. Einzig die „intensiv empfundene Sexualität“ habe die beiden verbunden, später auch die vier Kinder.

Die wirklichen Probleme gingen los, als die Familie aus Nordrhein-Westfalen nach Bayern zog. Zwar verdiente der Mann hier 150 000 Euro im Jahr, doch das ging auf Kosten der Freizeit. Damit war seine Frau unzufrieden, ebenso mit dem dunklen, feuchten Haus. „Seine Frau brachte das drastisch zum Ausdruck“, sagt der Richter. Deshalb bekam Michael N. ab Ende 2009 zunehmend Erektionsstörungen. Als die sechsköpfige Familie 2010 nach Schäftlarn zog, fühlte sich Sandra N. wohler. Doch die Potenzprobleme blieben. Sandra N. begegnete ihrem Mann nun nicht mit Verständnis und Zärtlichkeit, sagt der Richter, sondern mit Vorwürfen, dass er sie als Frau nicht mehr attraktiv finde. Sie wandte sich ab, begann Affären, die sie leugnete. Auch er wandte sich dann anderen Frauen zu.

Immer öfter gab es üble Streits zwischen dem Paar. Michael N. wollte reden, Sandra ließ ihn abtropfen. Sie schrieb selbst an eine Freundin: „Jeden Abend will er mit mir reden. Ich bin echt arschig.“ Michael N. flippte deshalb manchmal aus, zertrümmerte die Duschwand und soll auch gedroht haben, sie umzubringen. Im Februar 2012 schrieb Sandra N. eine SMS an ihre Schwester: „Wenn ich morgen tot bin, war’s mein Mann. Hab Angst. Ist mein Ernst.“

Vier Monate später zeigte sich, dass diese Angst begründet war. Am Abend des 25. Juni vorigen Jahres bereitete sie gerade die Brotzeit zu, um dann zum Sport zu gehen. Er trank ein Weißbier. Angeblich redeten sie entspannt, als die SMS ihres Liebhabers einging – „ein endgültiger Beweis“, sagt der Richter. Die SMS entzündete den letzten Streit, in dem Sandra N. sagte, dass es sich bei dem SMS-Schreiber um einen „fitten Sportler“ handle. Für Michael N. war das eine Anspielung auf seine Erektionsprobleme. Er packte ein Messer – und stach 17 Mal zu. Bis seine Frau tot war. „Sie hatte nicht den Hauch einer Chance“, sagt Höhne.

Das Gericht sieht ein ganzes „Motivbündel“ für die Tat: N. sei wütend und verärgert gewesen, weil er seit einem Jahr wegen seiner Potenzprobleme verspottet wurde, weil er betrogen und belogen wurde. Er habe ihr deshalb auch die rund 4500 Euro Unterhalt nach einer Scheidung missgönnt.

N. hat wohl mit dem Lebenslang-Urteil gerechnet. Äußerlich regungslos nimmt er es hin. Zurück bleibt eine zerstörte Familie. Vier teils traumatisierte Kinder (13, 12, 11 und 6). Die Jüngste musste die Tat mindestens akustisch miterleben. Höhne: „Alle vier können den Tod der Mutter nicht verstehen und nicht verarbeiten.“

Von Nina Gut

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