Acht Tote und fast 80 Erkrankte

Sieber-Skandal hätte früher erkannt werden können

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Das Firmengelände der Großmetzgerei Sieber in Geretsried.

Der folgenschwere Lebensmittelskandal bei der Großmetzgerei Sieber in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hätte deutlich früher erkannt werden können. 

Geretsried – Bei Eigenkontrollen der inzwischen insolventen Firma stellten Kontrolleure schon 2013 und 2015 – und damit lange vor dem offiziellen Nachweis in einem Wacholderwammerl 2016 – Listerien fest. Die zeitgleich erfolgten Kontrollen durch Behörden waren immer negativ. Nach Angaben des Umweltministeriums überschritten die Werte der gesundheitsgefährdenden Bakterien in den Proben den zulässigen Grenzwert um das fünf- bis 300-fache. Jedoch seien die Ergebnisse nicht an die Behörden weitergegeben worden.

„Es ist völlig unverständlich, warum bei Sieber trotz 15 amtlicher Probenahmen und Kontrollen nie etwas gefunden wurde“, sagte der verbraucherschutzpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn. Da bei den Eigenkontrollen der Firma massive Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt wurden, stelle sich die Frage nach der Zuverlässigkeit und Effektivität amtlicher Kontrollen. „Es ist untragbar, dass massive Belastungen bei Eigenkontrollen nicht an Behörden gemeldet werden“, betonte von Brunn. In diesem Fall gehe es um acht Tote und fast 80 Erkrankte. „Auch private Labore, die von der Firma beauftragt sind, müssen derartige Befunde melden. Hier muss gesetzlich nachgeschärft werden. Derartiges Fehlverhalten muss in Zukunft scharf sanktioniert werden.“

Seit dem Zufallsfund im Nürnberger Land ist nichts mehr aufgetreten

Erst im März 2016 hatten behördliche Kontrolleure in der Metzgerei eine extrem über dem Grenzwert liegende Anzahl von Listerien gefunden. Wochen später musste der Betrieb auf Anordnung des Freistaates Bayern schließen, die Insolvenz war unausweichlich. Laut Auskunft der bayerischen Behörden ist seit dem Zufallsfund durch eine Probenahme bei einem Sieber-Produkt im Kreis Nürnberger Land und dem nachfolgenden Vertriebsverbot kein Fall mehr aufgetreten.

Ex-Chef Dietmar Schach war im April wegen fahrlässigen Inverkehrbringens gesundheitsgefährdender Lebensmittel zu einer Geldstrafe von 900 Euro – 60 Tagessätze zu je 15 Euro – verurteilt worden. Gegen das Urteil haben jedoch sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Wann die Verhandlung am Landgericht München II beginnen wird, ist noch offen. Im parallel laufenden Insolvenzverfahren will der Verwalter den Freistaat zudem auf eine zweistellige Millionensumme Schadenersatz verklagen. Das Land Bayern hält seit Jahren eine stille Beteiligung von 500 000 Euro an Sieber-Wurst. Schachs Anwalt hatte zur Begründung für die Berufung auf Vernehmungen verwiesen, in denen Vertreter der Lebensmittelbehörden die Metzgerei als hygienisch einwandfrei beurteilt hätten.

dpa

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