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„Waren verwundert“: Paar macht Zufallsfund in der Isar - doch die Tiere sorgen für Probleme

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Von: Doris Schmid

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Der Mooshamer Weiherbach bei Ascholding
Friedliche Koexistenz: Im Mooshamer Weiherbach bei Ascholding leben Edelkrebse und Signalkrebse nebeneinander her. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Sie drängen ihre heimischen Artgenossen immer weiter zurück: Signalkrebse, die aus den USA stammen. Sie sind unter anderem in der Isar zu finden.

Geretsried – Er fiel beim Spaziergang in den Isarauen auf: Auf dem Grund des kleinen und klaren Bachlaufs krabbelte ein Flusskrebs. „Es könnte sich um einen Signalkrebs handeln“, meinte Entdecker Kai Braunias im Nachgang. „Das stimmt“, bestätigt Hans Buxbaum. Der Wolfratshauser kennt sich aus mit den Tieren, die in unseren heimischen Gewässern leben. Die Population der Signalkrebse in der Region hat Buxbaum dabei aus einem ganz bestimmten Grund im Auge.

Amerikanische Signalkrebse in der Isar: Signalfleck am Scherengelenk gibt Tier seinen Namen

Kai und Tanja Braunias wohnen ganz in der Nähe der Isar in Geretsried-Gartenberg. Das Paar geht dort öfter spazieren. Neulich wollten sie sich in der Isar abkühlen. Auf dem Weg zum Fluss überquerten sie einen Bachlauf. Dort im Wasser bewegte sich etwas – es war ein Flusskrebs. „Wir waren tatsächlich verwundert“, sagt der Wahl-Geretsrieder über diesen Zufallsfund. Experte Buxbaum war nach einem Blick auf ein Foto des Tieres sofort klar, dass es sich um einen Signalkrebs handelte. Er hat eine glatte Panzeroberfläche und einen auffallenden bläulich-weißen Signalfleck im Scherengelenk, der ihm seinen Namen gibt.

Ein Signalkrebs in einem Seitenarm der Isar bei Geretsried
Isarfund: Dieses Tier fiel Kai Braunias ins Auge. © Kai Braunias

Der Signalkrebs ist in Nordamerika zwischen der Pazifikküste und den Rocky Mountains heimisch. In den 1960er-Jahren wurde er vielfach als pestresistente Alternative zum Edelkrebs propagiert und verbreitet, berichtet der Landesfischereiverband in einer Broschüre. Das Tier hat eine ähnliche Lebensweise und ähnliche Ansprüche an seine Umwelt wie der heimische Edelkrebs.

Problem in der Isar: Signalkrebs bedroht heimische Artgenossen

„Das Problem ist, dass der Signalkrebs einen großen Druck auf die Populationen der heimischen Krebse ausübt“, sagt Buxbaum. Der Wolfratshauser ist offizieller Muschelbetreuer und kennt sich auch mit Krebsen aus. Sein Revier ist der Mooshamer Weiherbach, eines der größten Vorkommen der Bachmuschel in ganz Bayern. Dort gibt es neben den Bachmuscheln auch Krebse, die meistens nicht in großen Flüssen, sondern in Seitenbächen leben, die keinen Wildbachcharakter haben – wie eben der Mooshamer Weiherbach. Aber auch in Seen werden laut Landratsamt Krebse angesiedelt – wie zum Beispiel dem Walchensee.

Edelkrebse setze ich zurück, die Signalkrebse kommen in den Kochtopf.

Hans Buxbaum

„In Deutschland sind Edelkrebs und Steinkrebs heimisch“, erklärt Buxbaum im Gespräch mit unserer Zeitung. Wobei es im Landkreis keine Steinkrebse gibt. Doch die heimischen Arten würden durch den eingeschleppten Signalkrebs immer weiter zurückgedrängt, und zwar aus einem einfachen Grund: Er erzeuge um ein vielfaches Mehr an Nachkommen. „Sie vertreiben durch Revierkämpfe die einheimischen Krebse“, weiß der Experte. Noch schlimmer sei, dass das Tier die Krebspest, eine Pilzkrankheit, übertragen kann. „Die Signalkrebse sind immun, die einheimischen Krebse sterben daran.“

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TUM plant Untersuchung der Krebse

Im Mooshamer Weiherbach existieren Edelkrebse und Signalkrebse. „Im Unterlauf am Ortsanfang von Ascholding gibt’s auch einen gemischten Bestand.“ Den heimischen Krebsen macht die Anwesenheit ihrer Artgenossen allem Anschein nach nichts aus. Ob das wirklich so ist, will die Technische Universität München (TUM) im Herbst herausfinden. „Es soll untersucht werden, ob die Signalkrebse den Pilz in sich tragen“, kündigt Buxbaum an.

Hans Buxbaum
Hans Buxbaum kennt sich auch mit Krebsen aus. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Und wie kommt es, dass sich die Signalkrebse am Mooshamer Weiherbach noch nicht weiter ausgebreitet haben? „Wir haben das Glück, dass der Siegertshofer Weiher am Südende einen sehr hohen Damm hat“, erklärt der Wolfratshauser. Dort laufe das Wasser über ein Rohr senkrecht nach unten. Anschließend laufe der Bach weiter nach Ascholding. Buxbaum: „Über diesen Damm und das Rohr sind die Signalkrebse noch nicht rüber gekommen.“ Das sei ein Glücksfall, denn die Tiere können über Land wandern.

Signalkrebse in der Isar: Tiere unterliegen dem Fischrecht

Nachdem die Ausbreitung des Signalkrebses kaum zu kontrollieren sei, könne man nur versuchen, die Population im Rahmen zu halten. Die Tiere unterliegen dem Fischrecht und dürfen entnommen werden. Buxbaum fängt sie mit Krebsreusen. „Edelkrebse setze ich zurück, die Signalkrebse kommen in den Kochtopf“, sagt er. Durchschnittlich ein bis zwei Exemplare gehen ihm im Monat ins Netz. „So hat die Bekämpfung dieser invasiven Art wenigsten einen kulinarischen Zweck.“

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