Badeunfall

Das sind die Lebensretter vom Weßlinger See

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Beste Freunde und perfekte Lebensretter: Dominik Magyar (l.) und Laurenz Mehl waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der Weßlinger See ist für sie seit Kindertagen einer der schönsten Plätze im ganzen Landkreis.

Nach den Schulprüfungen am Weßlinger See entspannen und das Leben genießen – das war der Plan von Dominik (17) und Laurenz (18). Dann entwickelte sich der Donnerstag aber ganz anders.

Weßling – Laurenz Mehl und Dominik Magyar sind richtig dicke Spezln. Gemeinsam haben sie den Montessorikindergarten und die Montessorischule in Gilching besucht. Gemeinsam verbringen sie viel Freizeit miteinander. Gemeinsam waren sie viele Jahre lang mit ihren Eltern am Weßlinger See. Und gemeinsam haben sie dort am Donnerstag eine 76 Jahre alte Frau aus Weßling vor dem Ertrinken gerettet.

Die Frau ist gegen 15.45 Uhr zum Baden im See. Genau zu der Zeit kommen die beiden Freunde am Badesteg an. Dominik hat am Tag zuvor seine letzte Prüfung an der Realschule in Herrsching geschrieben: Elektrizitätslehre, Atom- und Kernphysik, Energie. „Das wollten wir ganz gemütlich feiern und ein Bier trinken“, erzählt der 17-Jährige, der in Alling wohnt. „Aber 30 Sekunden, nachdem wir am Steg waren, habe ich Hilferufe gehört.“

Etwa hundert Meter rechts vom Steg sieht Dominik eine Frau im Wasser. Sie ist es, die um Hilfe ruft. Sie rudert mit den Armen, taucht immer wieder unter. „Wir haben unsere Klamotten ausgezogen und sind gleich ins Wasser gesprungen“, berichtet Laurenz (18), der in Geisenbrunn zu Hause ist. Zuvor hat Dominik im Gebüsch noch ein Surfbrett entdeckt. Das nimmt er mit ins Wasser. „Es ist einfacher, eine Person auf einem Surfbrett an Land zu bringen als durchs Wasser abzuschleppen“, sagt er und erinnert sich an das, was er als Kind bei der Wasserwacht in Fürstenfeldbruck gelernt hat.

Im selben Augenblick wird auch ein Pärchen aus Gilching, das im See schwimmt, auf die Situation aufmerksam. Etwa gleichzeitig kommen die vier Schwimmer bei der 15 bis 20 Meter vom Ufer entfernt treibenden Frau an. Sie ist beim Schwimmen offenbar mit den Füßen in Wasserpflanzen hängen geblieben, dadurch möglicherweise in Panik geraten. „Sie konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien“, schildert Polizeioberkommissar Bernard Weininger von der zuständigen Inspektion Herrsching die Situation.

Gemeinsam befreien die Retter die Frau aus ihrer Lage und bringen sie aufs Surfbrett. Laurenz schwimmt vorneweg und hält die Frau fest, die anderen schieben das Brett quasi durchs Wasser Richtung Ufer. Dort bleibt die Situation dramatisch. „Die Frau hatte starre Augen, blaue Lippen und war ganz kalt“, berichtet Dominik. „Und sie war zunächst nicht ansprechbar.“

Eine Passantin hat in der Zwischenzeit den Rettungsdienst alarmiert. Während Sanka und Polizei unterwegs sind, bringt das Pärchen die Frau in die stabile Seitenlage, Laurenz und Dominik wickeln sie in Handtücher ein. Die 76-Jährige kommt ins Krankenhaus, Lebensgefahr besteht nach Aussagen der Polizei nicht – dank Dominik und Laurenz. „Durch ihr schnelles und beherztes Handeln haben sie der Dame das Leben gerettet“, erklärt Kommissar Weininger.

Und was sagen die Retter selbst? „Ich kann es immer noch nicht ganz realisieren“, sagt Dominik. „Ich kam mir vor wie in Baywatch.“ Laurenz sagt: „Ich bin einfach nur dankbar, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Das hätte auch anders ausgehen können.“

Das Schulabschluss-Feier-Bier haben sie schließlich doch noch getrunken. „Wir haben was für die Nerven gebraucht“, erzählt Dominik, der im September eine Ausbildung als Biologielaborant am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried beginnt. Laurenz hat am Freitag sein Abiturzeugnis am Gymnasium Obermenzing bekommen. Er will jetzt erst mal reisen. Lateinamerika steht ganz oben auf der Route. Danach will er studieren. Bis dahin werden sich die zwei Spezln aber noch öfter am Weßlinger See treffen. Wo so viele gemeinsame Kindheitserinnerungen wach werden. Und wo sie gemeinsam zu Lebensrettern wurden. 

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