Berglern: Ortsvorstand verlässt CSU geschlossen

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Herbert Knur reicht’s: Der Bürgermeister von Berglern tritt mit sofortiger Wirkung aus der CSU aus – und mit ihm der gesamte Ortsvorstand. Unser Bild entstand im Frühjahr bei einer Demo am Airport.

Berglern - Bürgermeister und Kreistags-Fraktionschef Herbert Knur verlässt die CSU. Damit nicht genug: Mit ihm kehrt der gesamte Ortsvorstand der Union den Rücken. Es ist nicht nur der Ärger über die dritte Startbahn.

Ungemütlich war’s am Mittwochabend im Sport- und Schützenheim in Berglern: Draußen prasselte der Regen bei alles andere als sommerlichen Temperaturen, drinnen war’s stickig und die Stimmung mies. Es war der CSU-Ortsvorstand, der da zusammensaß und einen weitreichenden Beschluss fasste: „Wir zeigen uns mit unserem Bürgermeister solidarisch“, erklärte hinterher Ortschef Georg Wagner. Er ist seit 35 Jahren bei der CSU und laut Eigenaussage „eingefleischter Schwarzer“.

Das war einmal, denn die Solidaritätsadresse hat’s in sich: Nicht nur Knur tritt empört aus der CSU aus, sondern auch der gesamte Vorstand. Neben Wagner und Vize Knur sind das die weiteren Vorsitzenden Heinrich Bauer und Andreas Huber, Schatzmeisterin Hannelore Kleibl, Schriftführer Daniel Helmecke sowie die Beisitzer Marianne Fruhstorfer, Rolf Bolliger und Alfons Schmid.

Der Aderlass ist längst noch nicht vorbei: „Bei mir gehen laufend Austrittserklärungen ein“, berichtet Wagner. 20 der 40 Berglerner CSUler hätten das Handtuch bereits geschmissen.

Die Entscheidung über den Bau der dritten Startbahn ist das eine, was in Berglern für Verdruss sorgt. Wagner und Knur betonen aber, dass der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, Horst Seehofer heißt. Die Äußerungen des Ministerpräsidenten über die Baugenehmigung und den Dialog mit den Betroffenen treiben den Berglernern den Zorn ins Gesicht.

Knur, an sich ein schwer aus der Ruhe zu bringendes Polit-Urgestein, schäumt noch immer. Er erinnert an ein Telefonat mit dem Ministerpräsidenten und Parteichef, in dem der ihm zugesichert habe, das Gespräch zu suchen, „und zwar vor einer Entscheidung für oder gegen den Bau“. Wenig später musste Knur auf allen Kanälen hören, dass Seehofer das Plazet der Regierung von Oberbayern begrüße. Ja, er werde mit den Menschen vor Ort reden, doch das werde nichts am Fortgang der Dinge ändern, so der CSU-Boss.

Ein schwerer Schlag ins Kontor der Berglerner Union. „Er hat sich trotz anderslautender Aussage bei dem persönlichen Gespräch festgelegt, ohne den vorher zugesagten Dialog gesucht zu haben“, empört sich Knur. Seehofers jetzige Offerten seien eine Farce. Berglern werde massiv unter dem Ausbau leiden. „Ich fühle mich von der Vorgehensweise des Parteivorsitzenden gedemütigt“, heißt es in Knurs schriftlicher Erklärung. Er fühle sich von ihm in einer „inakzeptablen Art und Weise behandelt“.

Im Gespräch mit unserer Zeitung wird Knur, der in den 70er Jahren von der SPD zur CSU kam, deutlicher: „Ich lasse mich doch nicht verarschen, ich bin auch nicht irgendeiner.“ Persönlich falle ihm der Schritt schwer. „Er hat nichts mit dem CSU-Orts- und Kreisverband zu tun, da habe ich mich wohlgefühlt“, schreibt er an Kreischef Martin Bayerstorfer.

Der Ortsvorstand spricht in einer Erklärung von einem „groben Vertrauensbruch“. Wagner bestätigt Knur: Der letzte Schlag sei das Verhalten Seehofers gewesen. Man sei zudem nicht länger bereit, „die Zerstörung unserer Heimat durch eine maßgeblich von der CSU gestalteten Politik hinzunehmen“.

Und wie geht’s weiter? Knur will als Parteiloser in der CSU-Kreistagsfraktion bleiben - und ihr so die knappe absolute Mehrheit sichern. Das Amt des Fraktionschefs übernimmt bis zu einer Neuwahl Stellvertreter Hans Peis.

Für den Ortsverband erklärte Wagner, „dass der nun dem Kreisverband unterstellt wird, weil er allein nicht mehr funktionsfähig“ und eigentlich nicht mehr existent sei. Eine Mitgliederversammlung hält er für nicht unwahrscheinlich. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass da ein neuer Vorstand gefunden wird.“ Die vier CSU-Gemeinderäte und der Rathauschef wollen weitermachen - als parteifreie Gruppierung, die sich im Herbst einen neuen Namen geben wird. „Wir haben einen Wählerauftrag, den erfüllen wir“, so Knur.

Aus der CSU-Zentrale hieß es gestern nur: Herr Seehofer urlaubt im Altmühltal, und Generalsekretär Alexander Dobrindt sei auch weg.

Bayerstorfer reagierte betrübt: „Ich finde es schade, kann es aber nachvollziehen.“ Es sei ungerecht, dass die CSU vor Ort trotz klarer Festlegung gegen die dritte Bahn an den Pranger gestellt werde. „Beschlossen wurde der Bau bekanntlich nicht von uns.“ Doch bei den anderen Parteien stelle er nur eines fest: keine Reaktion.

(Hans Moritz)

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