BRK prüft juristische Schritte gegen Vorgänger

Skandal-Heim: Sie soll für Ordnung sorgen

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Anja Fischbeck kennt sich mit maroden Heimen aus

Fürstenfeldbruck - Nach dem Skandal im Fürstenfeldbrucker Seniorenheim wird jetzt aufgeräumt: Am Montag hat Anja Fischbeck die Leitung des Heims der Sozialservice Gesellschaft – einer Tochter des Roten Kreuzes – übernommen.

Ihr zur Seite stehen eine neue Pflegedienstleiterin und eine Fachkraft für Qualitätsmanagement.

Auf dem Weg zurück in die Normalität: Pflegediensthelferin Ilona Hauswald gibt einer Bewohnerin etwas zu trinken

Auch die Angehörigen sollen jetzt ins Boot geholt werden. „Wir werden einen Heimbeirat bilden“, berichtet Bernhard Hentschel, Geschäftsführer der Sozialservice-GmbH, gegenüber dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt. Zudem soll ein Ombudsmann installiert werden, an den sich Angestellte, Bewohner und Angehörige stets wenden können. Und die Angehörigen dürfen bei einer Pflegevisite dabei sein. Mit dieser soll für jeden Patienten ein individueller Pflegeplan erarbeitet werden, berichtet Anja Fischbeck. Damit und mit viel Offenheit wolle man das verlorengegangene Vertrauen zurückgewinnen. „Der Ruf macht viel aus.“

Im Heim in der Buchenau herrscht weiterhin Aufnahmestopp. Wie lange, ist noch offen. Zunächst will man die Situation aufarbeiten und Ruhe in den Alltag bringen. Man prüfe, gegen den früheren Heimleiter und den Pflegedienstleiter – beide haben sich krankschreiben lassen – juristische Schritte einzuleiten, sagt BRK-Sprecherin Hanna Hutschenreiter. Dass sich die Verantwortlichen so einfach aus der Affäre ziehen, ärgert die Angehörigen. „Erst den Karren in den Dreck fahren und dann krank feiern, so geht’s ja auch nicht“, klagten sie beim Infoabend für Angehörige.

Derzeit sind 28 Stellen besetzt – sechs mehr als bei Bekanntwerden der Vorfälle. „Wir wollen aber den eigenen Stamm an Mitarbeitern wieder aufstocken“, sagt Fischbeck. Die 49-Jährige ist seit 30 Jahren bei der Sozialservice GmbH. Als Krisenmanagerin bringt sie Altenheime aus der Schieflage wieder auf Kurs – zuletzt die Einrichtung in Olching.

Der Skandal geriet Anfang Juli durch eine Beschwerde beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ins Rollen. „Es waren mehr Bewohner im Haus, als versorgt werden konnten“, berichtet Hentschel. Vielleicht sei der Leiter selbst überfordert gewesen. Die Patienten wurden nicht regelmäßig gewaschen, bekamen zu wenig zu trinken und auch die Wundversorgung und Medikamentengabe war nicht angemessen. Ein Senior ist aus diesen Gründen inzwischen aus dem Heim ausgezogen.

Ingrid Müller

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