Skelett lässt Moosach um 100 Jahre altern

München - Archäologen haben in Moosach ein 1300 Jahre altes menschliches Skelett entdeckt. Der Mann wurde mit gebrochenen Armen in einem Brunnen geborgen - möglicherweise eine Gewalttat.

Zwischen 50 und 60 Jahre alt, etwa 1,67 Meter groß, gekrümmte Haltung und zwei gebrochene Arme: Das Skelett von Moosach ist ein spannender Fund, wirft aber auch Fragen auf. Warum wurde der Mann nicht auf dem nahegelegenen Friedhof bestattet, sondern in einem Brunnen? Und warum sind seine Arme gebrochen?

Bisher kann man nur spekulieren. Eine Gewalttat schließt Sebastian Sommer, Abteilungsleiter beim Landesamt für Denkmalpflege, nicht aus. „Das ist sehr unüblich, dass jemand in einem Brunnen bestattet wird“, sagt er. Andererseits lag bei dem Skelett ein zehn Zentimeter langes Eisenmesser als Grabbeigabe, was auf eine ordentliche Bestattung schließen lässt.

Das Besondere an dem Knochenfund: Er beweist, dass Moosach älter ist als bisher angenommen. Anhand der Grabbeigaben haben die Archäologen analysiert, dass das Skelett etwa 1300 Jahre alt sein muss. Bisher galt eine auf das Jahr 807 datierte Kirchenurkunde als Geburtsstunde des Stadtteils - doch der Fund legt nahe, dass die Siedlung älter ist. Offenbar hat der damalige Gründer seine Kirche auf dem Gelände einer bereits bestehenden Siedlung gebaut. Es scheint, als habe er die Ortschaft lediglich weiterentwickelt. „Moosach hatte neulich seine 1200-Jahr-Feier“, sagt Sommer. „Die können sie jetzt in die Tonne treten.“

Auf das Skelett waren die Archäologen während einer üblichen Ausgrabung gestoßen. An der Franz-Fihl-Straße soll eine Tiefgarage gebaut werden. Weil in diesem Gebiet bereits vorher Überreste von Siedlungen gefunden wurden, ging das Amt für Denkmalpflege davon aus, dass man auch auf dem Bauplatz fündig werden könnte. Es ist das erste Skelett, das die Archäologen bei den Ausgrabungen in Moosach gefunden haben.

Davon abgesehen wimmelt es nur so vor Kellerresten, alten Wasserleitungen und Abfallgruben. „Moosach ist ein ungeheuer attraktiver Ort für Archäologen“, sagt Sommer. Schon im frühen Mittelalter sei der Stadtteil stark besiedelt gewesen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein habe man Reste gefunden. Momentan läuft in Moosach die vierte Grabung.

Das Skelett ist zwar komplett, im Beckenbereich aber beschädigt. „Da sieht es etwas wild aus“, sagt Sommer. Offenbar hat der Ur-Bayer bei der Bestattung einen Gürtel getragen, den Grabräuber später entwendeten. Wann das genau geschah, lässt sich aber bisher nicht feststellen.

Was der Mann von Beruf war, ist noch nicht ergründet. Die Abnutzung der Knochen lässt auf körperliche Arbeit schließen, möglicherweise Landwirtschaft. „Aber das liegt alles im Bereich des Spekulativen“, sagt Sommer.

Das Skelett ist komplett geborgen, jetzt kommt es in die anthropologische Staatssammlung. Dort werden die Knochen vermessen, auf Krankheiten geprüft, die Zähne werden untersucht. Was dann mit dem Ur-Bayern geschieht, steht noch nicht fest. „Das ist wissenschaftliches Material“, sagt Sommer. Es werde in der Staatssammlung aufbewahrt - für mögliche Vergleiche, falls noch mehr Skelette auftauchen.

Von Moritz Homann

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