Skelett-Rätsel: Lag hier der millionenschwere Mörtl-Fritz?

Herrsching - Es gibt viele Hinweise darauf, dass es sich bei dem Toten, der nahe Andechs gefunden wurde, um einen der größten (und gleichzeitig verschrobensten) Wohltäter der Gegend handelt.

Fritz Mörtl verschwand vor etwa 30 Jahren

Mit einem rostigen Quietschen öffnet sich die Tür zu einem grausigen Geheimnis. Besser gesagt: nicht die Tür, sondern die Klappe. Wir sind an einem alten Brunnen im Wald, irgendwo zwischen Andechs und Herrsching. Hier, in diesem Schacht, haben Forstarbeiter am Mittwoch ein Skelett gefunden. Die Identität ist noch nicht wissenschaftlich bestätigt – aber es gibt viele Hinweise darauf, dass es sich bei dem Toten um einen der größten (und gleichzeitig verschrobensten) Wohltäter der Gegend handelt. Um Fritz Mörtl († 41), der im Jahr 1982 auf mysteriöse Weise verschwunden war – und der der Gemeinde ein Millionen-Erbe hinterließ.

„Er ist ins Moor gegangen“, das sagten die Nachbar-Bauern damals über den Mörtl-Fritz. „Er war wie vom Erdboden verschluckt“, berichtet Maximilian Pänzinger (55), Geschäftsführer der Gemeinde Andechs.

Leichenfund bei Andechs: Ist es der millionenschwere Fritz Mörtl?

Leichenfund bei Andechs: Ist es der millionenschwere Fritz Mörtl?

Der Mörtl-Fritz: Er stammte eigentlich aus Österreich, war als Bub von einer Familie in Erling (gehört zu Andechs) adoptiert worden. Als die Eltern starben, musste der Fritz den Hof übernehmen. Man hat damals gehört, er sei überfordert. Er habe die Tiere so wenig gefüttert, dass sie verhungerten. Dann, irgendwann, war er weg. Und hinterließ ein seltsames Testament … Die Gemeinde erbte den Besitz – allerdings nur unter einer Reihe von Bedingungen. Unter anderem mussten örtliche Bauern sein Ackerland (17 Hektar) kaufen – die insgesamt rund 170 000 Mark dafür gingen an die SOS-Kinderdörfer.

Das Erbe der Gemeinde: Grundstück und Mörtl-Wohnsitz für den sozialen Wohnungsbau. Der geschätzte Wert des Grundstücks: mehrere Millionen D-Mark. Im Gegenzug musste die Gemeinde Andechs allerdings Mörtls private Schulden übernehmen, rund 50 000 Mark. Hat sie natürlich getan. Denn wenn die Bedingungen des Testaments nicht erfüllt worden wären, wäre das komplette Mörtl-Erbe der Republik Österreich zugefallen.

Mörtls Geist: Er weht nach wie vor durch Andechs – während seine körperlichen Überreste nun wohl endlich ihre letzte Ruhe finden werden.

Die Obduktion am Donnerstag in München deutet darauf hin, dass es sich tatsächlich um Mörtl handelt. Zahn- und Knochenuntersuchungen lassen auf einen etwa 40-jährigen Mann schließen. Und neben der Leiche wurde ein Reststück eines österreichischen Ausweispapiers gefunden …

Andreas Thieme

Rubriklistenbild: © Götzfried/Archiv

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