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Skisaison an der Zugspitze ungewiss: Viele Fragezeichen wegen Energiekrise

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Von: Katharina Bromberger

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Einen Traumtag erlebten Skifahrer am 16. Dezember 2021 über den Wolken am Hexenkessellift beim Saisonstart im Gebiet Garmisch-Classic. Ob in diesem Winter so viele Pisten beschneit werden, wird sich noch entscheiden.
Einen Traumtag erlebten Skifahrer am 16. Dezember 2021 über den Wolken am Hexenkessellift beim Saisonstart im Gebiet Garmisch-Classic. Ob in diesem Winter so viele Pisten beschneit werden, wird sich noch entscheiden. © Annette Reuther

Die Preise für die Skipässe stehen. Sie sind gestiegen. Das war’s mit der Sicherheit. Ansonsten gibt es etwa drei Monate vor Start der Skisaison in Garmisch-Partenkirchen vor allem eins: Fragezeichen.

Garmisch-Partenkirchen – Wie schaut die Skisaison in diesem Winter in Garmisch-Partenkirchen aus? Werden die Pisten beschneit? Wenn ja, in welchem Umfang? Wohin entwickeln sich die Energiepreise? Wie richtet sich der Tourismusort im Kleinen aus? Macht die große Politik Vorgaben? Viele Fragen – und wenige Antworten. Die Bayerische Zugspitzbahn steht vor einem unsicheren Winter. Noch unsicherer als ohnehin jedes Jahr.

Skisaison in Garmisch-Partenkirchen: Energiekrise macht planen schwer möglich

November für November, Dezember für Dezember hoffen die Mitarbeiter und Führungskräfte, dass die Temperaturen sinken, dass sie die Kanonen und Lanzen starten können, dass diese den künstlichen Schnee auf die Wiesen zaubern, der einen Saisonstart spätestens zu Weihnachten sichert und zudem befahrbare Pisten bis März ermöglicht. In diesem Jahr hängt das nicht allein an den Temperaturen.

Die Energiekrise macht ein Planen schwer möglich. Kann man sich das flächendeckende Beschneien angesichts explodierender Kosten überhaupt leisten – kosteten doch die rund 300.000 Kubikmeter Kunstschnee vor zwei Jahren schon 1,35 Millionen Euro? Kann man es denn verantworten? Wird es die Politik erlauben? Noch mehr Fragen, auf die niemand eine Antwort weiß beziehungsweise gibt. „In welcher Größenordnung kommenden Winter beschneit wird, ist aktuell noch nicht entschieden“, sagt BZB-Sprecherin Verena Tanzer. Sicher keine leichte Entscheidung.

Skigebiet Garmisch Classic: Wintersaison 2022 – „Warten politische Vorgaben ab und entscheiden situativ“

Der Weg der BZB hat Folgen für den Tourismusort Garmisch-Partenkirchen, für alle Hoteliers, Gastronomen und Skischulen. Bietet man im Winter beispielsweise von Anfang an deutlich weniger beschneite Abfahrten an und setzt dafür auf das Erlebnis im Naturschnee – sofern vorhanden –, muss die Kommunikation und Werbung vermutlich kurzfristig noch angepasst werden. Mit dem Risiko, dass der Urlauber ein sicheres Skivergnügen ohne Abstriche dem umweltfreundlicheren vorzieht und nach Österreich, Südtirol oder in die Schweiz ausweicht.

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Szenarien, zu denen sich das Bergbahnunternehmen aktuell nicht äußert, über die es sich gemeinsam mit allen weiteren Beteiligten aber Gedanken machen dürfte. Von Zeitdruck jedoch merkt man bei BZB-Vorstand Matthias Stauch nichts. Er bleibt vage und in seiner Aussage betont entspannt. „Wir warten eventuelle politische Vorgaben ab und werden situativ entscheiden. Die Beschneiung im Garmisch-Classic wird, wie in jedem Jahr, erst konkret geplant, wenn es die Temperaturen zulassen.“

Skisaison an der Zugspitze: Classic-Gebiet soll spätestens zu Beginn der Weihnachtsferien öffnen

In einer Pressemitteilung des Verbands Deutscher Seilbahnen Mitte August hieß es, man prüfe alle Bereiche des Betriebs, wo sich Energie sparen lasse. Dazu zählen demnach eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit, ein Abschalten der Sitzheizungen sowie Einschränkungen bei Beleuchtung und Innenraumtemperaturen. Eine eingeschränkte Beschneiung wurde nicht erwähnt. Dass ein Skigebiet freiwillig ganz darauf verzichtet, kann man wohl ohnehin ausschließen.

Offiziell dürfen die Kanonen ab 15. November Schnee produzieren – was in den vergangenen Wintern in Garmisch-Partenkirchen oft nicht ausgereizt wurde. Großes Ziel bleibt Jahr für Jahr, spätestens zu Beginn der Weihnachtsferien das Classic-Gebiet zu öffnen. 2021 schaltete die BZB die Lifte nach rund eineinhalb Jahren Corona-Zwangspause am 16. Dezember ein. Aktuell plant sie mit dem Saisonstart Ende Dezember – in welcher Form auch immer.

Skigebiet Garmisch Classic: Preise für Skipässe gestiegen – „Absolut im Rahmen“

Bei aller Unsicherheit – von möglichen Corona-Auflagen spricht ja gar keiner mehr: Die Zugspitzbahn akquiriert Mitarbeiter. Ob im Gastronomiebereich oder für die Lifte: „Personal wird aktuell gesucht und eingestellt, völlig unabhängig von der Beschneiungsfrage“, betont Tanzer. Zur Anzahl könne sie noch keine Angaben machen. In einem normalen Winter beschäftigt die BZB schätzungsweise um die 80 Saisonkräfte zusätzlich zu den rund 350 Festangestellten, die das ganze Jahr über bleiben.

In einem Punkt hat sich das Unternehmen festgelegt: Die Ticketpreise für diesen Winter fixierte es schon im Frühjahr und will sie trotz Energiekrise nicht anheben. Gestiegen sind die Preise im Vergleich zum Vorjahr ohnehin – wie überall. Mit zehn Prozent plus liege man im Vergleich zu anderen Gebieten „absolut im Rahmen“, betont Tanzer.

Bezahlte ein Erwachsener im Gebiet Garmisch-Classic 2021/22 noch 50 Euro für ein Tagesticket, sind es nun 55, ein Jugendlicher legt nicht mehr 40, sondern 44 Euro hin. Auf der Zugspitze kostet ein Skitag für einen Erwachsenen 57 statt 52 Euro, für Jugendliche 45,50 statt 41,50 Euro.

Auf der Zugspitze läuft im Übrigen alles wie immer. Dort wurde noch nie beschneit und wird es auch künftig nicht. Den Saisonstart plant die BZB für Anfang Dezember, natürlich nur, „sofern die Naturschneemenge ausreicht“, sagt Tanzer. Normale Unsicherheiten, die ein Winter mit sich bringt.

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