Gericht verhandelt über Persil-Duft

Ickingerin verklagt Nachbarn wegen des Waschmittels

Wolfratshausen - In der Rubrik „mit was sich die deutsche Justiz beschäftigen muss“, wurde gestern in Wolfratshausen ein neues Kapitel aufgeschlagen. Es geht um duftende Wäsche, die den Nachbarn stinkt.

Weil sie der Waschmittelduft ihrer Nachbarn stört, zog ein älteres Ehepaar aus Icking (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) vors Amtsgericht. Sie klagen auf Unterlassung.

Wenn im Haus nebenan gewaschen wird, so die beiden Rentner, könnten sie kaum noch vor die Tür gehen. Auf der Terrasse zu sitzen, sei gar völlig unmöglich. Denn die Düfte, die aus der Waschküche des Nachbarhauses über die Hecke herüber wehen, seien „so stark, dass man die Gartenarbeit unterbrechen muss“, erklärte der Ehemann. Damit nicht genug: „Die Äpfel vom Baum duften nach Waschmittel. Und das Salatbeet muss abgedeckt werden, damit die Duftstoffe nicht in die Salatschüssel wandern.“ Seine Frau habe mittlerweile körperliche Beschwerden und sei in psychiatrischer Behandlung.

Als Ursache des Übels haben die geruchsempfindlichen Eheleute das Waschmittel der Nachbarn ausgemacht. Die darin enthaltenen Duftstoffe entweichen über den Schlauch des Wäschetrockners ins Freie. Das wäre womöglich unproblematisch, wäre da nicht die besondere Lage der Häuser – jenes der Kläger liegt am Hang etwas unterhalb. Zwischen Waschküche und der Terrasse der Nachbarn liegen aber mindestens 25 Meter.

Nun sollen der Vermieter des Hauses sowie die zwei dort lebenden Mietparteien Abhilfe schaffen. Doch die empfinden das Vorgehen der älteren Leute als Schikane. „Ich wasche nur Wäsche“, sagt eine der betroffenen Frauen. „Noch dazu mit Persil, wie die Nachbarin mir geraten hat“, bekräftigte die 52-Jährige.

Was zu tun ist, dafür hat der Kläger Vorschläge: Entweder solle der Vermieter im Keller Entlüftungsschächte durchs ganze Haus ziehen und die Duftstoffe auf der anderen Seite in seinen eigenen Garten leiten. Oder die Mieter sollen sich Kondenswäschetrockner zulegen.

Nach zweieinhalb Stunden war die Vorsitzende Richterin Kerstin Wimmer mit ihren Bemühungen vorerst am Ende. „Es wird wohl auf einen Beweisbeschluss hinauslaufen“, erklärte sie. Das bedeutet: Ein neutraler Sachverständiger soll sich vor Ort ein Bild machen. Dann sehen sich die Nachbarn vor Gericht wieder.

Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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