Zehn Buben und zwei Mädchen

So feiert eine Familie mit zwölf Kindern Weihnachten

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Von klein bis groß: Familie B. aus Ottobrunn. An Weihnachten feiern sie alle zusammen. Hinten v.l.: Luis (4), Paul (9), Theo (12), Lucia (20), Tobias (15), Felix (18), Daniel (15), Deborah (27), Joseph (25), Johannes (22), Jakob (17), Benjamin (24). Vorne: Die Eltern Manfred (50) und Maria (49).

Ottobrunn - Wenn Maria B. den Tisch an Weihnachten deckt, braucht sie 14 Teller und Gläser. Nicht, weil so viel Verwandtschaft zu Besuch nach Ottobrunn kommt. Es ist nur für die eigene Familie.

Maria (49) deckt für ihren Mann Manfred (50), für sich selbst – und für ihre zwölf Kinder von vier bis 27 Jahren: Deborah, Joseph, Benjamin, Johannes, Lucia, Felix, Jakob, Tobias, Daniel, Theo, Paul und den jüngsten, Luis.

Dass Maria und Manfred einmal ein derart großer Kindersegen beschert wird, war nicht wirklich geplant. „Ich habe mir als Kind immer eine große Familie gewünscht“, sagt Maria, die selbst zwei Geschwister hat. „Bei meinem Vater waren es auch schon zwölf, und ich fand es immer toll, so viele Cousins und Cousinen zu haben.“

Theo (12) Paul (9) und Luis (4) machen gerne Quatsch.

Kennengelernt haben sich die beiden bereits in der Schule, befreundet haben sie sich aber erst viel später in der Pfarrei. Geheiratet wurde im Juli 1986. Deborah, die erste Tochter, kam im Mai 1987 auf die Welt. „Die erste Geburt war schwierig“, erinnert sich Maria. „Ich war recht jung. Zuerst habe ich auch meine Arbeit im Statistischen Landesamt sehr vermisst.“

Kraft gab ihr, wie so oft, ihr Glaube: „Wir sind katholisch und wollten die Kinder annehmen, die Gott uns schenkt.“ Zwei Jahre später kam Joseph, danach Benjamin auf die Welt. „Beim dritten Kind fehlt einem schon mal eine Hand“, sagt sie und lacht. „Aber je älter man wird, umso gelassener wird man. Und bei uns helfen die Größeren den Kleineren.“ Helfen, füreinander da sein – das ist in der Familie ganz normal: „Die Kinder staubsaugen oder räumen die Spülmaschine aus.“ Drei Söhne sind bei der Freiwilligen Feuerwehr, nehmen oft ihre kleineren Brüder mit. Auch für Nesthäkchen Luis findet sich immer jemand, der eine Runde S-Bahn mit ihm fährt – weil er halt so gern im Zug sitzt.

Lucia (20, l.) und Deborah (27), die beiden einzigen Töchter. Deborah ist bereits ausgezogen.

Bei so vielen Kindern – kommt da nicht eines zu kurz? „Darüber habe ich auch oft nachgedacht“, sagt Maria. „Aber sie sind alle zufrieden und dankbar, selbstständig, arbeiten und studieren.“ Sie sieht die vielen Vorteile: „Die Kinder sind beispielsweise sprachlich sehr weit – weil sie ja immer einen Ansprechpartner haben.“ Da stimmt Tochter Lucia (20) zu: „Es ist schön, wenn immer jemand daheim auf dich wartet.“ Zehn der zwölf Kinder leben noch zu Hause. „Ich kann immer mit meinen Brüdern Fußball spielen, bei uns ist es nie langweilig“, erzählt Theo (12). Da Deborah Ende August geheiratet hat, ist Lucia jetzt allein unter Brüdern. „Aber ich setz’ mich schon durch, etwa beim Fernsehen.“ Da gibt’s öfter Zoff, was laufen soll – Einigkeit herrscht nur, wenn Fußball kommt. Jakob (17): „Wir sind alle Bayern-Fans!“

Links: Die ganze Familie am Esstisch.

Beim Fußball schauen versammeln sich alle im Wohnzimmer des 320 Quadratmeter großen Hauses in Ottobrunn, in dem die Familie seit 16 Jahren zur Miete wohnt. Das Haus von 1957 hat sechs Kinderzimmer und einen großen Garten. „Wir haben Glück, dass wir so viel Platz für uns haben“, sagt Papa Manfred. „Immer zwei Kinder teilen sich ein Zimmer.“ Für Miete und Nebenkosten geht ein Großteil seines Gehalts als Ingenieur drauf. „Natürlich müssen wir mit unserem Geld haushalten. Aber irgendwie klappt es doch immer, uns hat nie etwas gefehlt“, sagt Maria. „Einkaufen gehen wir zum Discounter oder zum Großmarkt. Und wenn eines der Kinder teure Turnschuhe möchte, sage ich: ,Entweder, du zahlst einen Teil drauf, oder wir nehmen die günstigeren.“ Um sich kleine Ex­tras leisten zu können, jobben fast alle Kinder, tragen Zeitungen aus, geben Nachhilfe, arbeiten als Werkstudent. Schwierig wird’s im Alltag nur, wenn unerwartet Extra-Kosten entstehen. Etwa, so wie jetzt, wenn ein Trockner kaputt ist.

Die Zwillinge Tobias und Daniel heute mit 15 Jahren.

Tauschen möchten Maria und Manfred trotzdem mit niemandem auf der Welt. „Für uns ist jedes Kind ein Geschenk. Es gibt so viele Paare, die sich Kinder wünschen, aber keine kriegen“, sagt Maria. „Man denkt immer, alles ist planbar. Aber ich bin überzeugt, dass es einen Schöpfer gibt, der uns liebt und der für alles vorsorgt.“ Und Manfred ergänzt: „Natürlich hatten und haben wir auch schwierige Phasen in der Ehe und bei der Kindererziehung.“ Sein Rezept: „Gottvertrauen, gelassen bleiben, im Heute leben. Wir versuchen, die Schwierigkeiten zu bewältigen, aber vor allem auch, das Schöne zu genießen.“

28 Jahre lang sind sie jetzt verheiratet. Ihr Rezept für eine glückliche Ehe? „Man muss sich auch Zeit füreinander nehmen.“ Einmal im Jahr fahren Maria und Manfred ein Wochenende ohne ihre Kinder weg – zuletzt nach Wien.

Auch Weihnachten versuchen sie, es ruhig angehen zu lassen. Geschenke gibt es erst am 6. Januar (siehe rechts). Obwohl – ein Geschenk hat ihnen Tochter Deborah schon jetzt offenbart: Im Juni kommt ihr erstes Enkelkind auf die Welt.

Jetzt freuen sich aber erst mal alle auf Heiligabend. „Da sind wir endlich mal wieder alle zusammen“, erzählt Maria. „Und wenn dann alle am Tisch sitzen, staune ich immer über meine große Familie. Dann bin sehr, sehr dankbar für mein Leben, für meinen Mann und für alle meine Kinder.“

Arbeit von 6.30 bis 24 Uhr

„Manchmal ist es stressig, weil immer was zu tun ist“, sagt Theo – und räumt tapfer die Spülmaschine aus.

Marias Tag beginnt um 6.30 Uhr. Frühstück herrichten, Brotzeit für die Schulkinder machen und Luis, das Nesthäkchen, bis 8.30 Uhr zum Kindergarten bringen. Danach heißt es Einkaufen, Saubermachen und Wäsche waschen: Zwei Kilo Waschmittel braucht die Familie pro Woche. Zwei Waschmaschinen und zwei Trockner stehen im Keller bereit. Zwei bis drei Waschmaschinen Wäsche hat Maria am Tag. Wenn die Bettwäsche schmutzig ist, sind es sechs Maschinen. Am Abend, wenn die Jüngeren gegen 20.30 Uhr im Bett sind, legt sie die Wäsche zusammen und bügelt. „Zum Glück hilft mir Lucia dabei“, sagt Maria und meint: „Wenn ich dann vor Mitternacht ins Bett komme, bin ich froh.“

Das Weihnachtsfest

Luis und Lucia bei der Krippe.

„Weihnachtenist bei uns im wahrsten Sinne des Wortes ein Familienfest“, sagt Vater Manfred B. „Wir beten zusammen die Vesper und machen ein richtiges Festmenü, essen gemütlich und sitzen beisammen.“ Gegen 22 Uhr fahren alle gemeinsam nach Sendling in die Kirche St. Margaret zur Christmette. Hinterher lassen sie sich zuhause noch Glühwein und Plätzchen schmecken.

Geschenke gibt es erst am Dreikönigstag, wie es auch in Spanien Brauch ist. „Das haben wir seit Beginn unserer Ehe so gemacht“, erzählt Maria B., „weil dann Weihnachten nicht in Stress ausartet. Auch unsere Kinder finden das toll, weil es somit nämlich zwei große Feste gibt.“

In die Ferien mit 2 Autos

Das Urlaubsfoto stammt vom August 1994 in Dänemark, Familie B. hatte fünf Kinder. „Wir sind schon damals immer mit dem Auto gefahren und haben uns vorher Listen gemacht, was wir alles für die Kinder brauchen“, sagt Vater Manfred. Jahrelang ist die Familie mit zwei Autos losgegondelt. Im VW-Bus gibt es neun Plätze, im Golf fünf. „Zuletzt waren wir 2011 alle gemeinsam in den Ferien, wieder in Dänemark. Dort ist im August bereits Nachsaison, und man bekommt ein schönes Ferienhaus relativ günstig.“ Seit zwei Jahren brauchen sie „nur“ noch den VW-Bus für die Reise, da die größeren Kinder wegen ihrer Ausbildung oder des Studiums nicht mehr mitfahren können.

Essen & Einkaufen

Tobi (li.) und Daniel (15) inspizieren den zweiten Kühlschrank.

Dreimal pro Woche fährt Maria B. zum Einkaufen. „Bei mir ist der Wagen jedes Mal komplett voll.“ Die Familie braucht pro Woche im Schnitt 12 Tüten Milch, 14 Brote, 10 bis 12 Kilo Obst, sechs Kilo Nudeln, acht Kilo Kartoffeln. Die Speisen werden in den beiden Kühlschränken im Erdgeschoss sowie im Gefrierschrank und im Vorratsraum im Keller verstaut. Für ein Abendessen, wenn alle da sind, rechnet die Mutter: 1,5 Kilo Nudeln, vier Kilo Kartoffeln, drei Kilo Schnitzel, drei Salatköpfe. Und für den Milchreis zur Nachspeise drei Liter Milch. Hat eines der Kinder Geburtstag, wird neu kalkuliert: „Ich backe meist vier Kuchen“, sagt Maria. Und damit jeder noch was Süßes hat, kauft sie außerdem fünf bis sechs Tafeln Schokolade.

Martina Williams

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