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Brandbrief an Söder: Grund- und Mittelschulen „weit über die Maßen unterversorgt“

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Von: Jonas Napiletzki

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Jürgen Heiß, Landesvorsitzender des Bayerischen Schulaufsichts- und Schulräteverband.
Jürgen Heiß, Landesvorsitzender des Bayerischen Schulaufsichts- und Schulräteverband, hat sich in einem Brandbrief an Kultusminister Michael Piazolo und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gewandt. © Thomas Plettenberg

Jürgen Heiß, Landesvorsitzender des Bayerischen Schulaufsichts- und Schulräteverbands, warnt vor Personalengpässen in Grund- und Mittelschulen schon in diesem Herbst.

Landkreis – In einem öffentlichen Brandbrief hat sich Jürgen Heiß als Landesvorsitzender des Bayerischen Schulaufsichts- und Schulräteverbands an Kultusminister Michael Piazolo und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gewandt. Darin warnt Heiß mit klaren Worten vor Personalengpässen in Grund- und Mittelschulen.

Gemäß bislang vorliegender interner Informationen und aktuell zur Verfügung stehender Maßnahmen „wird die Personalabdeckung in den genannten Schularten im Herbst 2022 nicht gelingen“, schreibt Heiß. Der Verband sehe außerdem einen „nicht mehr bewältigbaren öffentlichen Druck auf die Staatlichen Schulämter zurollen“. Heiß, beruflich selbst als Fachlicher Leiter eines solchen Schulamts in Miesbach eingesetzt, hatte zuvor schon in dieser Rolle vor einem „herausfordernden Jahr“ gewarnt. Im Schreiben als Landesverbandsvorsitzender wird er aber noch deutlicher.

Arbeitsmarkt „stark überlastet“

So seien die zur Verfügung gestellten Stunden-Deputate und Vertragskontingente wegen des „stark überlasteten Arbeitsmarkts“ nicht ausreichend, um bereits jetzt vorhersehbare Lücken zu schließen. „Die Abdeckung von personellen Ausfällen während des Schuljahres durch die mobile Reserve kann nicht gewährleistet werden“, schreibt Heiß weiter. Grund dafür: Die Reserve sei vielerorts schon zu Schuljahresbeginn aufgebracht – „etwa durch den notwendigen Ersatz schwangerer Kolleginnen“.

„Eindringlich“ fordert Heiß im Namen des Verbands deshalb die schnellstmögliche Umsetzung mehrer Maßnahmen. Auch wenn der Brief bereits zum Ende des vergangenen Jahres aufgesetzt wurde, sei das Gros der Forderungen weiterhin gültig, bestätigt der Vorsitzende. Unter anderem will der Landesverband das Kultusministerium weiterhin zu einem „sofortigen Abwerbestopp von Zweitqualifikanten an Gymnasien und Realschulen“ bewegen.

„Schlag ins Kontor“: Grund- und Mittelschulen „unterversorgt“

Nicht so stark im Landkreis Miesbach, aber bayernweit verbreitet sei es, dass ehemalige Mittelschullehrer über eine proaktiv angebotene Zusatzqualifikation an Realschulen und Gymnasien wechseln können. Dort lockt unter anderem eine höhere Besoldung, was Heiß langfristig gerne ändern würde. Grund- und Mittelschulen seien „bereits weit über die Maßen unterversorgt“, das Abwerben „ein Schlag ins Kontor“. Ein vom Ministerium in diese Richtung gewagter Versuch habe nichts gebracht.

Ebenfalls „nicht im gewünschten Umfang“ erfüllt wurde die Forderung, bereits abgeworbene Lehrkräfte zurückzuversetzen. Planstellen an Gymnasien und Realschulen zur Beschulung Geflüchteter aus der Ukraine seien ebenfalls nicht zurückgenommen worden.

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Heiß erwartet Elternbeschwerden

Nicht erfüllt wurde auch die Forderung nach der „Aufhebung des allgemeinen Betretungsverbots für schwangere Lehrerinnen an Schulen“. Wie berichtet, dürfen Schwangere auch heuer nicht vor Ort unterrichten.

Sogenannte Anrechnungsstunden, bei denen Lehrer zugunsten anderer Aufgaben weniger Stunden unterrichten, will der Verband aussetzen. Dieser Wunsch sei „nicht flächendeckend“ erfüllt worden, sagt Heiß. Gleiches gelte auch für die Forderung nach einer einheitlichen Kürzung der Stundentafel – hier dürfe jedes Schulamt selbst entscheiden.

Insbesondere fordert Heiß den konsequenten Rückhalt des Ministeriums. „Elternbeschwerden über die Presse und die Politik sind zu erwarten“, schreibt Heiß in Bezug auf Kürzungen und Zusammenlegungen, die er „unpopuläre Maßnahmen“ nennt. Die „transparente und ehrliche Darstellung vorliegender Personalengpässe gegenüber Öffentlichkeit und Elternschaft“ sei nötig. Piazolo hatte kürzlich aus Heiß’ Sicht „erstaunlich offen“ gesprochen – habe dabei aber nicht alle Details genannt.

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