Der Sondengeher von Moorenweis

Erstaunliche Funde: Er rettet die Schätze vom Acker

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Torsten Daschner im Einsatz mit Hündin Taipa. 

Jedes Jahr zieht Torsten Dascher mit der Sonde über den Acker im Brucker Land. Mittlerweile hat er Funde im Wert von 30.000 Euro angehäuft. Er bereichert sich aber nicht

Moorenweis - Jetzt im Frühling, wenn der Bauer wieder sein Feld umackert, dann kribbelt’s ihn schon in den Fingern: Was wird dieses Mal zu Tage befördert? Wertvolle Münzen? Ringe? Dann schnappt sich Torsten Dascher seinen Metalldetektor und die Suche beginnt wieder. Der Schatzsucher von Moorenweis im Kreis Fürstenfeldbruck: Es gibt wohl keinen,der so erfolgreich ist wie er. Über 800 Teile hat er bereits gefunden– alle in einem geheimen Acker, den nur er und der Bauer kennen. 

Eigentlich ist Torsten Dascher Rettungssanitäter. „Auf Schatzsuche gehe ich, um den Kopf frei zu kriegen“, erzählt der 53-Jährige. Alles begann vor vier Jahren. Dascher hatte von dem Mythos gehört, dass Franzosen einmal das Schloss Grunertshofen in Moorenweis erobern wollten. „Ich wollte irgendwelche Gegenstände finden, die beweisen, ob die wirklich dort waren.“ 

Dabei streifte Daschers Detektor auch über den besagten Acker. Und er piepte und piepte… Ein Stück nach dem anderen kam zu Tage. Bis heute hat er gefunden: einen 20 Gramm schweren Siegelring aus der Bronzezeit, Silbermünzen aus dem 15., 16., 17. und 18. Jahrhundert, schmucke Miederhaken von Trachten aus dem 14. Jahrhundert, ein Jesuskreuz, silberne und goldene Knöpfe aus der Zeit Napoleons, Musketenkugeln, viereckige Münchner Pfennige, einen Knopf einer Reiteruniform aus Zeiten von Märchenkö- nig Ludwig und, und, und… 

Mittlerweile hat Dascher mit dem Landwirt eine Übereinkunft getroffen: Zweimal im Jahr, wenn grad nichts auf dem Feld wächst, darf er auf Schatzsuche gehen. Niemand erfährt von dem Acker, denn: „Das würde zu viele Leute anlocken.“ Dascher selbst hat kein einziges Stück verkauft – auch wenn er mittlerweile kunsthistorische Werte von rund 30.000 Euro angesammelt hat. „Bei mir wird jedes Stück registriert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.“ Denn Dascher meldet alles brav dem Amt für Denkmalschutz, und er stellt ausgewählte Fundstücke auch im Rathaus Moorenweis aus. 

Was den 53-Jährigen noch antreibt, ist das Rätsel: Warum häufen sich gerade in diesem Acker so viele Funde? Andere „Sondler“, wie die Sucher mit den Metalldetektoren sich selbst nennen, können es nicht glauben, wenn sie von Daschers Sucherfolgen hören. Er selbst glaubt: Hier auf diesem Acker ist einst der Ort Grunertshofen entstanden. Hier gab es eben nicht nur Moor, wie sich die Leute im Dorf erzählen, sondern vielleicht eine Handelsstation. Es gibt auch einen Friedhof, wie weiße Steinhaufen beweisen. „Da wird aber nicht gegraben, das ist mir wichtig.“ 

Dascher wird weiter nach Beweisen suchen – jedesmal, wenn er wieder, begleitet von seinem Sohn (11) und seiner Berner Sennenhündin Taipa, über die frisch geeggte Erde steigt. Natürlich liebt der alleinerziehende Vater auch das Kribbeln, auf verborgene Rätsel zu stoßen. „Es ist unbeschreiblich, plötzlich hältst du so einen schweren Ring in der Hand…“ 

Demnächst stellt Dascher seine Funde in Hessen aus, im Schlossmuseum Lichtenberg. Als nächster Ausstellungsort ist Berlin geplant. Und vielleicht findet sich auch bald ein Ort in München, wo Dascher seine Schätze zeigen darf.

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