Trotz Fotografierverbot

Spanner filmt planschende Kinder in Gautinger Freibad

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Das Fotografierverbot im Gautinger Freibad gilt seit zwei Jahren. Jetzt hat die Gemeinde nach dem aktuellen Verstoß weitere Hinweisschilder angebracht.

Planschende Kinder heimlich fotografieren und filmen – dabei erwischte eine junge Mutter einen Badegast im Gautinger Freibad. Sie informierte den Bademeister. 

Gauting/Landkreis– Mit ihrer Freundin, sitzt Nicola F. am frühen Sonntagabend am Rande des Kinderbassins im Gautinger Freibad. Beide schauen ihren plantschenden Kindern zu. Plötzlich legt sich ein einsamer Badegast in die Nähe der beiden Frauen. Nicola F. runzelt misstrauisch die Stirn: „Ich war sofort sensibilisiert.“ Sie beobachtet, dass der Mann von seiner Liege aus mit einem Smartphone die im Wasser tollenden Kinder fotografiert. Die 34-jährige Mutter verständigt die beiden Schwimmmeister. Das Aufsichtspersonal bittet Nicola F., ihren Vorwurf vor dem Fotografen zu wiederholen. Als einer der Schwimmmeister den Badegast auffordert, die Fotos auf seinem Smartphone zu zeigen, habe der sich zunächst geweigert. Erst als sich die Gautingerin entfernt hat, ist der Mann der Aufforderung des Freibad-Personals nachgekommen. „Eindeutige Bilder und Videos“ hätten die Schwimmmeister auf dem Mobiltelefon des Münchners gefunden – aufgenommen nicht nur im Gautinger Freibad, schreibt die junge Mutter später in ihrem Post auf Facebook, um andere Eltern vor den Machenchaften dieses Mannes zu warnen. Die Schwimmmeister haben alle Dateien auf dem Handy des Münchners gelöscht. Nachdem sie die Personalien des Mann aufgenommen hatten und der sich auch hatte ausweisen können, durfte er das Freibad verlassen.

Der nach dem Vorfall eingeschaltete Beamte der Polizeiinspektion Gauting bestätigte gegenüber unserer Zeitung die Angaben der Gautinger Mutter. Nicola F. ist allerdings besorgt, dass die Schwimmmeister mit dem Löschen der Fotos wichtiges Beweismaterial gegen den Münchner vernichtet haben. Nach Angaben der Gautinger Polizei gebe es keine Anhaltspunkte, dass der Badegast die Bilder im Internet veröffentlichen wollte und damit das Recht am eigenen Bild der fotografierten Personen hätte. Mit dem Löschen der Dateien hätten die Bademeister eine solche Straftat verhindert. Die Personalien des Münchners hat die Polizei vorsorglich an das für Sexualdelikte zuständige Münchner Kommissariat K 15 weitergeleitet.

Gemeinde bringt mehr Schilder „Fotografieren verboten“ an

Vorbeugend hat die Gemeinde weitere Schilder am Eingang und auf dem Freibadgelände angebracht mit dem Hinweis: „Fotografieren verboten.“ Der Facebook-Eintrag von Nicola F. ist von weit mehr als 150 Eltern geteilt und kommentiert worden. „Gut, dass nichts passiert ist“, lautet ein Kommentar mit der Aufforderung auch „in Zukunft wachsam zu sein“.

Fotografierende Spanner sind in anderen Strand- und Freibädern im Fünfseenland kein Thema – obwohl es nirgendwo ein Fotografierverbot gibt. Denn Verbote seien nur dann sinnvoll, wenn sie auch überwacht werden könnten. Dazu sieht sich Michaela Horvat nicht in der Lage. Die Pächterin des Strandbads in Riederau am Ammersee-Westufer betreibt dort auch die Gastronomie und kann nicht ständig ihr Auge auf die Badgäste haben. Sie sieht sich aber auch ohne Verbotsschilder auf der sicheren Seite. „50 Prozent meiner Kunden sind Stammgäste. Die schauen ganz genau drauf, was hier passiert“, sagt Horvat. „Und wenn jemand sich belästigt fühlt durch eine fremde Kamera, dann würde der sich bestimmt bei mir melden.“

Davon ist auch Lothar Eggersdorfer überzeugt. Der sitzt im Kassenhäuschen des Campingplatzes der Familie Dosch am Wörthsee. „So etwas ist bei uns noch nicht vorgekommen“, sagt er, angesprochen auf den Gautinger Vorfall. Obwohl auch am Wörthsee kein Fotografier- oder Filmverbot herrscht. Das hält Eggersdorfer auch für überflüssig: „Da unten am Strand gibt es so viele scharfe Mütter. Wenn die einen erwischen, der unbefugt Fotos, etwa von badenden Kindern macht, das würde der nicht überleben.“

Das Südbad in Tutzing erstreckt sich sich auf 3500 Quadratmeter. Eine zu große Fläche, um sie wirksam überwachen zu können, sagt Daniel Datzmann. Deshalb wird in der Freizeitanlage auch explizit kein Fotografierverbot ausgesprochen. Dem Angestellten des Südbades ist noch nicht zu Ohren gekommen, dass sich ein Badegast beschwert habe, ungefragt fotografiert worden zu sein: „Wenn so etwas passieren sollte, bekommt es der Übeltäter mit mir zu tun.“

Dario Gruber, Mitarbeiter im Strandbad Feldafing, kann sich kurz fassen: „Wir haben kein Fotografierverbot. Hatten bislang auch noch keinen Anlass, ein solches zu verhängen.“

Eine Kehrseite dieses Problems zeigt eine Geschichte, über die die Dachauer Nachrichten berichtet. Dort hat ein Bademeister einer Frau verboten, ihren Bikini zu öffnen.

Christine Cless-Wesle und S. Müller-Wendlandt


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