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Kreissparkasse verlangt Strafzins ab dem ersten Euro: Kunden empört - „Immense Gebührenerhöhung“

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Von: Josef Ametsbichler

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Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg zieht die Verwahrentgeld-Schraube fester an. Das verärgert Kunden. © Julian Stratenschulte

Strafzins - so heißt das Schreckgespenst von Sparern und Geschäftsleuten. Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg senkt die Freibeträge zum Jahreswechsel erheblich. Das bringt Ärger mit Kunden.

Landkreis – Vor 28 Jahren, als er seine Kanzlei gründete, eröffnete der Steuerberater Andreas Kießling ein Geschäftskonto bei der Sparkasse Ebersberg. Heute heißt das Institut Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg – und Andreas Kießling, der in seiner Kanzlei in Aßling mittlerweile 20 Mitarbeiter beschäftigt, will die Bank wechseln. „Mir ist der Zirkus zu groß“, sagt der 63-jährige Unternehmer. „Ich werde die Sparkasse verlassen.“

Ab dem Jahreswechsel: Strafzinsen bei Sparkasse - „Immense Gebührenerhöhung“

Der Zirkus, das ist für ihn das Verwahrentgelt, das die Sparkasse ab dem Jahreswechsel von ihm verlangt. Der Volksmund nennt es Strafzins. Ein halbes Prozent vom Guthaben, plus 0,1 Prozent Verwaltungsgebühr für Geschäftskunden, und das ab dem ersten Euro, der auf dem Konto liegt. „Das ist eine immense Gebührenerhöhung“, findet Kießling. Bei beispielhaften 100 000 Euro auf dem Konto sind es immerhin 600 Euro im Jahr an Mehrkosten.

Auch Privatkunden zahlen am 1. Januar 2022 diesen Minuszins, auf jeden Cent über dem Freibetrag von 25 000 Euro. Gemeinnützige Einrichtungen trifft es erst ab 100 000 Euro. Ein privater Bankkunde aus dem westlichen Landkreis, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet, er müsse nach mehreren Beratungsterminen sein Geld umschichten.

Sparkasse: Ab 25.000 Euro zahlen Privatkunden Strafzins - Kunden verärgert

So komme er mit risikoarmen Alternativanlagen „ungefähr bei Null raus“. Nach anfänglichem Ärger habe er sich mit der Bank gütlich einigen können. „Nicht zufriedenstellend ist aber natürlich, dass man fürs Sparen mit Negativzinsen bestraft wird“, sagt der Mann.

Steuerberater Kießling wiederum berichtet, dass ihm die Sparkasse mittlerweile angedroht habe, den Kontovertrag zu kündigen, sollte er den neuen Zinsbedingungen nicht zustimmen. Er werde es darauf ankommen lassen und habe einen Termin mit einer Bank ganz in der Nähe vereinbart, die noch einen Freibetrag von 250 000 Euro gewähre.

Zudem hat er einen Beschwerdebrief an Robert Niedergesäß (CSU) geschrieben, der als Ebersbergs Landrat Mitglied des Verwaltungsrates des öffentlich-rechtlichen Geldhauses ist. Der Text liegt der Redaktion vor, eine Antwort habe es bisher nicht gegeben.

Strafzinsen bei Kreissparkasse: Bank stellt klar - Müssen wirtschaftlich handeln

Dafür begründet ein Sprecher der Bank auf EZ-Anfrage den Strafzins: „Als im Wettbewerb stehendes Kreditinstitut ist die Kreissparkasse verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln.“ Die andauernde Null- und Negativzinslage sei dabei eine erhebliche Belastung. Bei dem deshalb erhobenen Verwahrentgelt „bewegen wir uns im Rahmen unseres Marktumfelds“. Die Höhe orientiere sich am Zinssatz für die Einlagenfazilität, zu dem die Geschäftsbanken Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken können. Der ist bereits seit 2014 negativ und verharrt seit September 2019 bei minus 0,5 Prozent.

Dieses Argument will der Aßlinger Steuerberater nicht gelten lassen. Schließlich müsse die Bank nicht die gesamten Kundengelder bei der EZB parken. „Das ist keine ehrliche Transparenz“, findet Kießling.

Dass die Sparkassen angesichts der aktuellen Lage Probleme hätten, sei ja nachvollziehbar. Aber mit Filialschließungen und nun dem Verwahrentgelt entfernten sie sich immer weiter von ihrem ursprünglichen Auftrag, „der Landbevölkerung den Zugang zum Bankwesen zu ermöglichen“.

Drei Vorstände verdienen zusammen fast Zwei Millionen Euro pro Jahr

Ihn ärgere, dass die Kreissparkasse seit Jahren satte Gewinne ausweise – etwa 24 Millionen Euro 2020 und rund 31 Millionen in den beiden Jahren davor. Außerdem zitiert er den Bundesanzeiger, wonach die drei Vorstände der Bank gemeinsam auf ein Jahressalär von 1,974 Millionen Euro kommen. „Das ist ein reiner Selbstbedienungsladen der Vorstände unter Duldung eines CSU-Landrats“, wettert Kießling.

Damit meint er zwar Ebersbergs Niedergesäß, turnusgemäßer Vorstand des Verwaltungsrats, also des Aufsichtsgremiums, ist der Nachbar, Christoph Göbel (CSU), Landrat im Kreis München. Dieser verteidigt auf EZ-Anfrage den Negativzins der Sparkasse nahezu wortgleich mit dem Kreditinstitut selbst. „Nur als wirtschaftlich gesundes Unternehmen kann sie die Leistungen für ihre Kunden vor Ort erbringen.“

Verwahrentgelt: Sparkasse rechnen mit Mehreinnahmen von elf Millionen Euro

Die Kreissparkasse rechnet durch das Verwahrentgelt nach eigener Auskunft ab 2022 mit Mehreinnahmen von elf Millionen Euro. Das Geschäftsergebnis 2021 „wird sich unseren Prognosen zufolge unter dem Niveau des Vorjahres bewegen“, schreibt der Sprecher des Geldhauses.

Übrigens sieht das Preis-Leistungsverzeichnis vor, dass die Sparkasse freiwillig auf den Strafzins verzichten kann. Das sei Entscheidung des Vorstandes, etwa wenn ein Kunde „ein anderes ertragreiches Geschäft“ aufweise, erläutert der Banksprecher. Es handle sich dabei aber um einige wenige Sonderfälle. Steuerberater Kießling und der Privatkunde aus dem westlichen Landkreis, der anonym bleiben will, gehören offenbar nicht dazu.

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