Täter hat Opfer verwechselt

Spektakulärer Mord in Herrsching geklärt

Herrsching - Es war ein spektakulärer Mordfall in Herrsching, der nun nach 18 Jahren endlich aufgeklärt ist. Das Unglaubliche: Die Polizei wusste gar nicht, dass sie selbst mittendrin steckte.  

Es ist eine spektakuläre Geschichte, die vor 18 Jahren, am 8. Januar, gegen 8.50 Uhr begann. Damals wurde der 52 Jahre alte Bibliotheksangestellte Josef E. vor seiner Wohnung am Koebkeweg in Herrsching am Ammersee erschossen. Der Täter hatte sein Opfer kurz angesprochen und dann Schüsse aus einer Pistole Walther PPK (Kaliber 7.65) abgegeben. Die für den Fall zuständige Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck rekonstruierte den Fall über Jahre bis ins letzte Detail und bat mehrfach die Öffentlichkeit um Unterstützung. Auch die Auslobung einer Belohnung von 10.000 Euro brachte nicht den gewünschten Erfolg - bis Anfang November letzten Jahres.

Seitdem ermittelt die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck aufgrund eines konkreten Tatverdachtes gegen einen 65-jährigen Mann, der wegen einer psychischen Erkrankung seit längerer Zeit stationär in einem Klinikum untergebracht ist.

Er wollte eigentlich den damaligen Polizei-Chef töten

Ende Oktober 2013 sagte der 65-Jährige einem behandelnden Arzt in der Klinik, dass er wichtige Informationen hätte und auch wünsche, dass die Strafverfolgungsbehörden davon erfahren. Dann kam das Unglaubliche: Der Patient gestand die 17 Jahre zurückliegende Tötung des 52 Jahre alten Angestellten in Herrsching. Noch unglaublicher: Er gab an, dass er das Opfer verwechselt hätte. Eigentlich wollte der Täter den damaligen Leiter der Polizeiinspektion Herrsching töten.

Das Motiv dürfte laut Polizei schon damals in der Krankheit des Mannes begründet gewesen sein. Aufgrund der Indizien hat die  Staatsanwaltschaft München II einen Antrag auf Erlass eines Unterbringungsbefehles gestellt, der vom AG München bestätigt wurde. Inzwischen wurde auch ein Antrag auf Durchführung eines Sicherungsverfahrens gestellt. Der Beschuldigte befindet sich derzeit in der forensischen Abteilung des IAK München Ost.

Freude bei der Kripo - nach all den Jahren

Bei der Kriminalpolizeiinspektion Fürstenfeldbruck löste die Nachricht über das Geständnis Freude und Zufriedenheit aus. Viele Kriminalbeamte waren damals noch unmittelbar selbst mit der Abarbeitung des spektakulären Falles befasst. Der kriminalpolizeilich zunächst gebotenen Skepsis zum überraschenden Geständnis folgte letztlich die Zufriedenheit über die Aufklärung eines Mordes, dessen Tatgeschehen damals, unabhängig von den Angehörigen, Bürger und Polizei gleichermaßen entsetzte.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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