Anonyme Notiz

„Schmarotzer!“ Familie von schwerbehindertem Timm bekommt diesen Skandal-Brief

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Die Wirkung der Delfintherapie ist schulmedizinisch nicht nachgewiesen. Dem kleinen Timm aus Dachau aber tat der Umgang mit den Tieren gut. Seine Familie würde die teure Therapie daher gern wiederholen.

Timm Schnur ist sieben Jahre alt und schwerbehindert. Um dem Kind eine Delfintherapie zu ermöglichen, hat die Familie einen Spendenaufruf gestartet. Dafür wird sie nun angefeindet.

Dachau – Schon die Schwangerschaft war nicht einfach, berichtet Loredana Schnur. Nachdem sie zwei Jahre zuvor ein Kind in der 22. Schwangerschaftswoche verloren hatte, wollten die Ärzte diesmal auf Nummer sicher gehen und erteilten ihr ein Arbeitsverbot. Dennoch kam es zu Problemen, es setzten Wehen ein, viel zu früh. Der kleine Timm kam bereits in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt.

„Am Anfang sah aber alles noch ganz gut aus, er war gesund“, erinnert sich die heute 45-jährige Dachauerin. Doch nur einen Tag nach der Geburt passierte das Unglück: Timm hatte eine Gehirnblutung. Seitdem ist er schwerbehindert, leidet – unter anderem – an Epilepsie, Cerebralparese und Hydrocephalus. Doch Loredana Schnur und ihr Mann Dieter lieben Timm. „Wir haben ein ganz normales Leben. Nur eben anders“, sagt sie.

Zu diesem „anders“ gehörte bislang auch, dass die Familie, abgesehen von kleineren Ausflügen nach Österreich, nie in Urlaub fahren konnte. „Wir hatten einfach immer Angst: Was machen wir im Ausland, wenn mit Timm was ist?“ Der Bub muss rund um die Uhr betreut werden, Auszeiten für die Eltern gibt es praktisch nicht. Loredanas Schwiegermutter ist 73 Jahre alt; sie springt immerhin ein, wenn die Mutter einmal staubsaugen oder sich in Ruhe duschen will.

Im vergangenen Jahr aber las Loredana Schnur etwas, das Hoffnung in ihr weckte: Die TV-Moderatorin Monica Lierhaus, die noch heute unter den Spätfolgen einer schweren Hirnerkrankung leidet, hatte in einer Zeitschrift über die wundersame Wirkung einer Delfintherapie in Curaçao berichtet. Seitdem könne sie wieder besser laufen und aufstehen und habe ganz generell neues Selbstbewusstsein getankt.

Loredana Schnur war begeistert. Timms Kinderärzte machen ihr längst keine Hoffnungen mehr, dass sich der Zustand ihres Sohnes je bessern würde; vielleicht würde ja die Delfintherapie helfen? Die Familie plünderte ihr Sparkonto, Dieters Arbeitgeber Artdeco und weitere Freunde gaben eine kleine Spende dazu.

Im August brach die Familie auf die Karibik-Insel auf, wo eine Deutsche die Hilfsorganisation „Dolphin Aid“ betreibt. 380 behinderte und traumatisierte Patienten, die schulmedizinisch aufgegeben sind, werden dort jedes Jahr therapiert – 80 Prozent davon sind Kinder. Die Kosten allerdings sind sportlich: 13 000 Euro mussten die Schnurs für die Reise hinlegen.

Doch es hat sich gelohnt! Timm spricht seitdem besser. Und er braucht weniger Botox, das ihm die Ärzte bislang regelmäßig gegen seine krampfenden Beine verschreiben. „Es ist etwas passiert mit ihm“, fasst es die Mutter zusammen. Dass Mediziner die Wirkung der Delfintherapie nicht erklären können, ficht sie nicht an. Die Familie will die Reise nach Curaçao deshalb auch möglichst schnell wiederholen.

Doch ohne Unterstützung ist dies nicht möglich. Klar, auch in der Türkei würden Delfintherapien – wesentlich günstiger – angeboten, aber dort würden die Tiere in Becken eingepfercht, betont Loredana Schnur. Und auch die medizinische Versorgung ihres Sohnes sieht sie dort nicht gewährleistet. Deshalb verteilte Ramona Lösch, eine Freundin der Familie, in den vergangenen Wochen einen Flyer in der Nachbarschaft mit der Bitte: „Timm braucht Dich!“

Während die meisten im Umfeld positiv reagieren und sich freuen, dass die Schnurs wieder Hoffnung schöpfen, gibt es auch andere Menschen. Vor wenigen Tagen landete ein anonymer, mit Schreibmaschine getippter Brief im Postkasten der Familie. Inhalt: „Kümmert euch doch selber um euren Behinderten! Zu was soll das noch gut sein? Ins Hirn geschissen und andere sollen zahlen!“

Loredana Schnur sagt: „Ich bin eigentlich stark und kann viel aushalten. Aber als ich das las, hat sich mir der Boden unter den Füßen aufgetan.“ Ihr Mann kann ebenfalls nur den Kopf schütteln. „Wieso“, fragt er, „können manche Menschen nicht einfach nur froh und dankbar sein, dass sie gesund sind?“

Spende für Timm

Kette der Helfenden Hände

Wer Timm und seine Familie unterstützen möchte, kann dies auch mit einer Spende an die Kette der helfenden Hände tun. Nennen Sie das Stichwort „Timm“ bei der Überweisung, jeder Euro kommt der Dachauer Familie zugute.

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