Am Rande des Olchinger Faschingszuges 

Autofahrer durchbricht Sperre, Feuerwehr-Kommandant will ihn aufhalten - und wird erfasst

+
Diesmal wurde der Retter zum Opfer: Feuerwehrkommandant Dennis Reiter hat ein verletztes Knie. 

Ein Autofahrer fuhr beim Faschingszug in Olching in eine gesperrte Straße und verletzte den Feuerwehrkommandanten, der ihn aufhalten wollte. Der 31-Jährige fällt nun erst einmal aus. Seine Kameraden sind entsetzt.

Olching – Eigentlich hätte Dennis Reiter am Aschermittwoch wieder an seinem Schreibtisch im Olchinger Rathaus sitzen sollen. Er arbeitet dort als Systemadministrator, aber jetzt ist er für eine Woche krankgeschrieben. Nicht etwa, weil er zu wild Fasching gefeiert hat. Nein, weil er dafür sorgen wollte, dass andere den Gaudiwurm in Olching in sicherer Umgebung genießen können.

Dennis Reiter ist Kommandant der Geiselbullacher Feuerwehr. Am Faschingsdienstag begann der Einsatz für ihn um 11.30 Uhr mit der Vorbereitung für den Faschingszug – wie jedes Jahr. Etwa 75 ehrenamtliche Einsatzkräfte der Geiselbullacher, Olchinger, Graßlfinger und Estinger Feuerwehren waren für die Absperrungen zuständig.

Kommandant Reiter bezog seinen Posten an der Feursstraße. Er war gerade dabei, die Straßensperre zu errichten, als sich gegen 12 Uhr ein Autofahrer näherte. „Das ist nicht ungewöhnlich, dass die Leute es trotzdem versuchen“, erzählt der Feuerwehrkommandant. Jahr für Jahr fahren Menschen vor und sagen, dass sie von der Absperrung nichts gewusst haben.

Man muss dazu sagen: Der Olchinger Faschingszug gilt als der größte in Oberbayern, er lockt zehntausende Besucher an und existiert seit 65 Jahren. Reiter hörte schon ganz oft: „Ich wohne da, ich muss da durch.“ In der Regel antwortete er: „Dann müssten Sie ja wissen, dass am Faschingsdienstag um diese Zeit kein Durchkommen ist.“

Doch diesmal kam es gar nicht nur zu der üblichen Diskussion. Der Autofahrer, ein 61-jähriger Olchinger, ignorierte die Absperrung einfach und fuhr weiter. Dass dabei ein Feuerwehrmann im Weg stand, hielt ihn nicht ab. Der Wagen des Olchingers erwischte Reiter am Bein. Der 31-Jährige erlitt eine leichte Knieverletzung. „Dass jemand so reagiert, habe ich noch nicht erlebt“, erzählt Reiter.

Erst hatte der Feuerwehrkommandant einen kurzen Schreckmoment, sagt er. Nicht etwa, weil er einmal Opfer statt Retter war. Nein: „Weil ein Wagen in den Sicherheitsbereich gefahren ist.“ Dann war er sofort wieder hellwach und machte das Einzige, was er noch tun konnte: Er merkte sich das Kennzeichen und lieferte der Polizei den wichtigsten Hinweis. Der Autofahrer wurde kurz darauf geschnappt.

Am Tag drauf gab Dennis Reiter seine Krankmeldung ab und machte seine Aussage bei der Polizei. Die Beamten müssen nun ermitteln, was sich genau abgespielt hat, ob dem Autofahrer möglicherweise gar Vorsatz zur Last zu legen ist. Gegen den 61-jährigen Olchinger wurde Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung, Nötigung und Unfallflucht erstattet.

Bei den Geiselbullacher Feuerwehrleuten herrscht Entsetzen über das, was dem Kommandanten passiert ist. Olchings Bürgermeister Andreas Magg, Reiters Chef, zeigt sich völlig entrüstet. Derart aggressives Verhalten sei kein Kavaliersdelikt. „Die Stadt Olching wird alle ihr möglichen rechtlichen Schritte ergreifen“, erklärt Magg. Es sei eine bedauerliche Tatsache, dass es aufgrund derlei Vorkommnisse immer schwieriger wird, Ehrenamtliche für eine Großveranstaltung zu finden. Auch Kreisbrandrat Hubert Stefan beobachtet, dass die Menschen Rettungskräften immer weniger Respekt entgegenbringen. Von so einem gravierenden Vorfall habe er im Landkreis jedoch noch nie gehört.

Dennis Reiter lässt das Verhalten des Autofahrers vor allem ratlos zurück. Er betont: „Wir wollen doch niemanden mit den Straßensperren ärgern, wir sorgen für Sicherheit.“ Allerdings: Der Vorfall hat ihn dazu gebracht, auch einmal über seine Sicherheit und die seiner Leute nachzudenken. Zeit hat er nun, zumindest so lange er sein Knie hochlegen muss.

Daswar die Erstmeldung vom Sonntagabend.

Auch interessant

Meistgelesen

Flammen-Inferno! Großeinsatz in der Nacht zum Pfingstsonntag
Flammen-Inferno! Großeinsatz in der Nacht zum Pfingstsonntag
Rollerfahrer stirbt: Feuerwehrler haben nach „schlimmem Anblick“ Gesprächsbedarf
Rollerfahrer stirbt: Feuerwehrler haben nach „schlimmem Anblick“ Gesprächsbedarf
Regierung steckt Sexualstraftäter in Asylheim - Junge Familien müssen dafür ausziehen
Regierung steckt Sexualstraftäter in Asylheim - Junge Familien müssen dafür ausziehen
Vollbesetzter Schulbus rammt Auto: Obwohl der Busfahrer nicht stark bremste, lobt ihn die Polizei
Vollbesetzter Schulbus rammt Auto: Obwohl der Busfahrer nicht stark bremste, lobt ihn die Polizei

Kommentare