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Seit Jahren bekannt: Gewaltiger Felssturz im Karwendel droht - Wanderer ignorieren Sperrungen

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 Bilder vom Hubschrauber aus zeigen die Bergsturzsituation am Hochnissl.
Bilder vom Hubschrauber aus zeigen die Bergsturzsituation am Hochnissl. Die Aufnahme zeigt die Gesamtsituation mit dem Hochnisslgipfel (ganz links am Bildrand), daneben die markante kleinere Steinkarlspitze mit der gut zu erkennenden gelblichen Abbruchzone rechts unterhalb des Gipfels in der hier knapp 500 Meter hohen Wand. Die Lamsenjochhütte befindet sich deutlich rechts unterhalb des Bildes und klar außerhalb des gefährdeten Bereichs. © Land Tirol

Am Hochnissl im Bereich der Lamsenjochhütte wurden bereits vor acht Jahren Felsklüfte und Veränderungen im Gelände entdeckt.

Lenggries/Hinterriß – Es ist ein Unglück, das für Entsetzen sorgte: Ein verheerender Gletscherabbruch an der Marmolata in den norditalienischen Dolomiten forderte vor Kurzem elf Todesopfer. Im Tölzer Land und im Karwendel ist eine ähnliche Naturkatastrophe nicht zu befürchten, weil es hier keine vergleichbaren Hängegletscher gibt. Gleichwohl sind auch hier Erosion und Felsabbrüche im Grunde etwas ganz Natürliches. Seit acht Jahren etwa droht ein gewaltiger Felssturz am 2546 Meter hohen Hochnissl im Bereich der Lamsenjochhütte, einer Alpenvereinshütte der Münchner Sektion Oberland.

Felssturz im Karwendel droht: Zeitpunkt für Naturereignis lässt sich nicht vorhersagen

Wie die Tiroler Tageszeitung seinerzeit berichtete, entdeckten Bergsteiger im Herbst 2014 droben am Grat beim vorgelagerten Nebengipfel der 2425 Meter hohen Steinkarlspitze massive Geländeveränderungen und Felsklüfte. Einige Drahtseilversicherungen waren dadurch schon herausgerissen.

Tiroler Geologen hatten sich daraufhin der Sache angenommen und waren zur Erkenntnis gelangt, dass bis zu eine Million Kubikmeter Fels ins Stallental zu stürzen drohen. Landesgeologe Gunther Heißer sagte damals voraus, dass die Felswand „auf mehreren hundert Meter Höhe und mit einem Tiefgang von mehr als 20 Metern in mehreren Phasen wegbrechen“ werde. Ein Zeitpunkt für dieses Naturereignis könne man allerdings nicht seriös vorhersagen.

Grataufstieg von der Lamsenjochhütte zum Hochnissl ist gesperrt - nicht alle halten sich daran

Laut Heißer handelt es sich dort um „ein ehemaliges Korallen- und Algenriff, das sehr leicht zerbricht und beim Aufprall zu einer Staubfraktion zerfällt“. Als dort in den 1990er-Jahren „nur“ 100.000 Kubikmeter Fels über die fast 500 Meter hohe Wand ins Kar stürzten, sei es in dem Gebiet „finster wie in der Nacht“ geworden. „Danach war die ganze Landschaft vom Staub schneeweiß“.

Gesperrt ist seither der Grataufstieg von der Lamsenjochhütte zum Hochnissl, was allerdings laut verschiedener Internet- und Gipfelbucheinträgen gelegentlich ignoriert wird. Gesperrt ist auch der Wanderweg von der Hütte in das Stallental, die „Via Alpina“. Dort kann man allerdings auf den sicheren Fahrweg ausweichen, der weiter oben am Gegenhang verläuft. Nicht betroffen sind die nordseitigen Hüttenaufstiege von der Eng und vom Achensee über das Falzturntal.

Felssturz im Karwendel bahnt sich an: Lage am Hochnissl „im Prinzip unverändert“

Jährliche Kontrollflüge seitens der Tiroler Landesregierung ergaben jetzt laut Florian Kurzthaler, Leiter der Presseabteilung des Landes Tirol, dass die Lage am Hochnissl weiterhin „im Prinzip unverändert“ sei: „Nach wie vor finden Blockstürze verschiedener Intensität statt.“ Zudem würden in regelmäßigen Abständen auch Messungen und Geomonitorings durchgeführt, so Kurzthaler.

Ob der Steig auf den Hochnissl jemals wieder freigegeben werden kann, steht in den Sternen. Pläne für eine Ersatztrasse weiter unterhalb des Grates gibt es beim Alpenverein nicht. Weiterhin möglich bleibt der lange Südaufstieg zum Gipfel ab Vomperberg. (Rainer Bannier)

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