Münchner Lokal droht mit Klage

"Spez'lwirtschaft" muss Namen streichen

Auf Namenssuche (v.l.): Sven Steinberg, Manfred Renner und Chef-Kellner Günther „Günni“ Steinberg.

Poing - Nur vier Tage durfte das neue Wirtshaus in Poing „Spez’lwirtschaft“ heißen. Nach der Eröffnung flatterte ein Anwaltsschreiben ins Haus mit der Forderung, den Namen sofort zu streichen.

Sven Steinberg (28) und Manfred Renner (37) dachten zunächst an einen Scherz, als sie am 20. Dezember, vier Tage nach der Eröffnung ihres bayerischen Lokals „Spez’lwirtschaft“, die E-Mail einer Anwaltskanzlei gelesen hatten. Darin wurden die Wirtsleute aufgefordert, den Namen für das Lokal an der Gruber Straße sofort zu entfernen und nicht mehr zu gebrauchen. Die Betreiber der Gaststätte „Spezlwirtschaft“ in München hätten den Namen beim Patentamt eintragen und schützen lassen.

„Spezlwirtschaft“, das ist doch ein gängiger bayerischer Begriff, „Spezl“ als Bezeichnung für einen Freund sowieso, egal ob mit oder ohne Apostroph, dachten sich Steinberg und Renner zunächst. Wieso sollte der geschützt sein?

Ihre anschließende Recherche beim Deutschen Patentamt in München aber ergab: Der Name ist tatsächlich geschützt. Blöd nur, dass dies just in jener Zeit geschah, in der Sven Steinberg und Manfred Renner ihre „Spez’lwirtschaft“ eröffneten. „Wir haben vorher auch beim Patentamt geforscht, ob der Name eingetragen ist“, erzählen die Pächter. Nirgendwo sei die Bezeichnung aufgetaucht, also ging die Poinger „Spez’lwirtschaft“ in Betrieb.

Wie sich nun herausgestellt hat, ist justament in jenen Wochen, in denen Steinberg und Renner ihr Lokal vorbereiteten und dann eröffneten, das Patentverfahren gelaufen. Quasi zeitgleich mit der Eröffnung in Poing wurde der Name „Spezlwirtschaft“ für die Münchner geschützt. Pech. „Das kann schon mal vorkommen“, habe das Patentamt ihnen mitgeteilt, erzählen die Poinger Wirtsleute.

Die haben sofort den Namen am Eingang des Lokals mit schwarzen Klebestreifen verdeckt - und die 10 000 Flyer und 1000 Visitenkarten aus dem Verkehr gezogen. Etwa 600 Euro haben sie für deren Gestaltung und Druck ausgegeben, erzählen Steinberg und Renner. „Lieber jetzt dieses Geld verlieren, als bei einem Rechtsstreit viel mehr.“ Streiten um den Namen wollen die Wirtsleute in Poing nicht („das bringt doch nichts“) - sie wollen nur ein Wirtshaus betreiben. Was sie auch weiterhin tun, nur halt seit dem 20. Dezember ohne richtigen Namen - noch.

Die Wirte haben sich Gedanken gemacht, wie ihr Lokal künftig heißen soll. „Schmankerl-Box’n“ ist ihr Favorit, doch erst wenn das Patentamt hierfür grünes Licht gibt, soll dem auch so sein. Bis dahin ist es einfach nur eine „Wirtschaft“.

Armin Rösl

 

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