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Spritsparen im Selbstversuch: Redakteur erlebt böse Überraschungen

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Von: Peter Kees

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Der Post pressiert’s: Im Rückspiegel drängelt der gelbe Lieferwagen  beim Spritspar-Selbstversuch von EZ-Autor Peter Kees.
Der Post pressiert’s: Im Rückspiegel drängelt der gelbe Lieferwagen beim Spritspar-Selbstversuch von EZ-Autor Peter Kees. © Peter Kees

Spritsparendes Autofahren fällt auf den Straßen im Landkreis Ebersberg negativ auf. Diese Erfahrung machte der EZ-Reporter im Selbstversuch.

Landkreis – Die Spritpreise liegen über zwei Euro. Das Land steckt in einer Energiekrise. Der Tankrabatt ist Ende August ausgelaufen. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ruft zum Sparen auf. Der ADAC weiß, wie man beim Autofahren bis zu 20 Prozent Kraftstoff einsparen kann. Ein Tipp: „Optimieren Sie Ihre Fahrweise.“ Nichts leichter als das, denke ich. Bekanntermaßen verbraucht ein Auto weniger Treibstoff, wenn man es langsamer fährt. Ich unternehme einen Selbstversuch, in dem ich versuchen will so spritsparend wie irgend möglich mit meinem Auto im Landkreis Ebersberg unterwegs zu sein. Es wird eine Fahrt mit interessanten Erkenntnissen.

Hohe Benzinpreise: Sprit sparen beim Auto fahren - 80 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit

Zunächst tanke meinen Wagen voll. Der Plan: möglichst wenig Gas zu geben. 80 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit lege ich für Landstraßen fest. Beschleunigungen will ich, so gut es geht, vermeiden. Heißt: Ich will das Auto rollen lassen. Ferner plane ich: weit vor Ortschaften vom Gas zu gehen, um den Wagen mehr oder weniger von selbst auf die innerörtlich festgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zu bringen. Ohne bremsen zu müssen.

Ziemlich schnell bildet sich bereits nach dem Verlassen der Tankstelle eine kleine Auto-Schlange hinter mir. Meine Fahrweise scheint nicht die Regel. Ich befinde mich zwischen Tulling und Steinhöring auf der B 304. Drei, vier Autos sind es. Mein Hintermann fährt dicht auf. Seine Scheinwerfer blenden im Rückspiegel. Man hat den Eindruck, er hat es eilig. Noch vor Steinhöring: ein unvermitteltes Überholmanöver. Als der Wagen vor mir ist, entfernt er sich zügig. Ich fahre konsequent 80 km/h.

Sprit sparen: Autoschlangen hinter mir - und waghalsiges Überholen

Ein paar hundert Meter vor dem Ortschild von Steinhöring gehe ich vom Gas und lasse den Wagen ausrollen. Die Schlange hinter mir besteht inzwischen aus sechs Fahrzeugen. Als ich den Ort wieder verlasse, gebe ich nur sachte Gas. Es dauert, bis ich wieder meine 80 km/h erreicht habe. Schon am Ortsschild überholt mich das nächste Fahrzeug. Es ist ein grauer Kleinwagen mit Ebersberger Kennzeichen. Flüchtig erkenne ich einen jungen Mann am Steuer. Auch dieser Wagen ist nach dem Überholen schnell aus meinem Blickfeld. Ein paar hundert Meter weiter werde ich waghalsig von einem schwarzen Sportwagen überholt. Entgegen kommt ein Lkw. Gerade so schafft er es. Kaum ist er wieder in der rechten Spur, passiert der Lkw.

Selbstversuch zum Sprit sparen: Lichthupe, Drängeln, Beleidigungen - Strategie kommt nicht gut an

Noch mal gut gegangen, denke ich. Gefährliche Situation. Auf den nächsten Kilometern werde ich derartige Manöver noch mehrmals erleben. Lichthupen, Drängler, dicht auffahrende Verkehrsteilnehmer. Sogar: Wild gestikulierende Beleidigungen erlebe ich. Selbst das Postauto überholt mich. Man gewinnt den Eindruck, kaum einer denkt daran, spritsparend zu fahren.

Brauchte dank sparsamer Fahrweise 4,7 statt 6 Liter auf 100 Kilometer: EZ-Autor Peter Kees.
Brauchte dank sparsamer Fahrweise 4,7 statt 6 Liter auf 100 Kilometer: EZ-Autor Peter Kees. © Andrea Tretner

Auf der Strecke durch den Ebersberger Forst sind es gleich drei Fahrzeuge, die mich kühn überholen, obwohl etwa 200 Meter vor mir ein LKW fährt, man also ohnehin wieder abbremsen muss. Der durchgezogene Strich in der Mitte der Fahrbahn interessiert dabei keinen der drei Fahrer. Der meint eigentlich: Überholverbot. Wenige Minuten später sitzt ein großer, dunkler Wagen fast auf meiner Stoßstange. Rosenheimer Kennzeichen. Eine jüngere Frau am Steuer. Die Strecke ist kurvig. Man kann den Gegenverkehr nur auf eine äußerst kurze Strecke überschauen. Die Frau überholt dennoch. Rasant fährt sie an mir vorbei und hat Glück, dass ihr hinter der nächsten Kurve kein Fahrzeug entgegendonnert.

Auf der Straße ist von der Teuersprit-Krise nichts zu merken

Als ich den Forst verlasse das klassische Bild hinter mir: Auto an Auto. Später auf der Autobahn Richtung München dauert es nicht lange und der erste Lkw überholt mich. Ich halte auch dort meine 80 km/h Höchstgeschwindigkeit ein. Drängler hinter ihm, die Vollgas geben, sobald der Lkw vor mir auf die rechte Spur setzt.

Man hat nicht den Eindruck, dass die Menschen beim Autofahren ans Sparen denken. Dass Sprit teuer ist wie nie, scheint kaum jemanden zu interessieren. Auch auffällig: Der Verkehr ist eigentlich wie immer, das Verhalten der meisten Verkehrsteilnehmer ebenso. Krise? Nicht auf der Straße. Vielmehr Aggressivität und wenig Rücksicht erlebt man.

Eins funktioniert: Der Verbrauch fällt von 6 Liter auf 4,7 Liter je 100 Kilometer

Als ich beim Zurückkommen tanke, um meinen Verbrauch zu eruieren, stellt sich heraus, ich habe tatsächlich weniger verbraucht als sonst: 4,7 Liter Diesel brauchte mein Auto auf 100 Kilometer. Sonst liegt der Verbrauch bei beinahe 6 Litern. Etwa 1,3 Liter konnte ich also durch meine defensive und moderate Fahrweise einsparen. Das sind tatsächlich gut 20 Prozent. Unwohl habe ich mich trotzdem gefühlt, denn ich bin mit meiner Fahrweise offensichtlich vielen Autofahrern auf die Nerven gegangen.

Das sagt die Polizei zum Selbstversuch: „..kann nicht rechtswidrig sein!“

Mein Fazit nach diesem Test: Fürs Spritsparen beim Autofahren scheint sich kaum jemand zu interessieren. Geht es nach der Fahrweise mancher Zeitgenossen, dürften die Kraftstoffpreise noch höher sein. Für Menschen mit kleineren Geldbeuteln allerdings ein Problem, wenn die Autofahrt nun etwa doppelt so viel kostet wie vor der Krise. Die Alternative: der Öffentliche Verkehr. Nur leider ist man am Land auf ein Auto angewiesen.

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